Dampferroute von Genua nach Gibraltar,
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Letzteres ist im Winter meistens der Fall, stets die Route von Genua nach
C, Palos unter Land der italienischen und französischen Küste zu nehmen;
Kapitäne, welche diese Instruktion nicht befolgt, hätten schon oft böse Erfah-
rungen dadurch gemacht, indem ihnen von der wilden kappeligen See, welche
dort nach Einsetzen starken Windes sehr schnell auftritt, Alles von Deck
geschlagen wurde; in den Sommermonaten sei es den Kapitänen erlaubt, bei
gutem Wetter und ruhigem Barometer den Kurs direkt von Genua ‚nach C. Palos
zu nehmen. .
Wie nun schon oben erwähnt, passirten wir um 4a den 12. Dezember
Hyeres-Insel, um 8" a wehte es hart von NNW, hatten jedoch dicht unter Land
nur wenig Seegang; passirten um 8* 20"a C. Couronne, der Wind holte nun
noch nördlicher, blieben aber des starken Windes halber noch bei, die Küste zu
halten; um 11" 30" passirten Aigues Mortes in einem Abstand von 2 Sm, da. der
Wind nun bis nach Norden herumgeholt, so hielten wir ab und setzten unsern
Kurs auf C. St. Sebastian, welches um 6° 40"p quer ab war; es wehte noch
sehr hart, hatten jedoch dicht unter Land ruhige See. Von nun an holte der
Wind östlicher und flaute. bald darauf ab, so dafs wir, als der Hafen von
Barcelona passirt, nur noch eine leichte Briese von NO und schönes Wetter
hatten; wir waren also dem schweren Sturm dadurch aus dem Wege gegangen,
dafs wir beständig unter Land geblieben und nicht den direkten Weg genommen
hatten; der ganze Unterschied in. der Distanz beträgt aber auch nur 60 Sm,
daher einem Jeden die Route von Genua nach C. Palos in den Wintermonaten
dicht unter Land zu empfehlen.
Auf unserer: weiteren Reise passirten wir am 13. Dezember 2" a C. de Gata,
Wind W 7 bis 8 mit hoher See; wir nahmen nun wieder unseren Kurs dicht
längs der spanischen Küste, um dem starken Gegenstrom, welcher ja bei starken
Westwinden zeitweilig 2 bis 3 Meilen pro Stunde nach Osten läuft, aus dem
Wege zu gehen. Den Hafen von Gibraltar erreichten wir am 14. Dezember 3* p,
beabsichtigten dort 500 Tonnen Bunkerkohlen zu nehmen und nachts unsere Reise
fortzusetzen, mufsten aber leider erfahren, dafs man gar nicht erst zu arbeiten
anfıng, sich damit entschuldigend, dafs zu viel Wind und das Meer unruhig sei.
Am 15. Dezember 5a begannen wir mit dem Uebernehmen der Bunkerkohlen
aus einer Hulk; es, wehte aber noch stark aus WNW, mufsten daher um 10"a
wieder von der Hulk abholen, da uns sämmtliche Trossen brachen; am 16. 3" p,
nachdem der Wind etwas abgeflaut, gelang es. uns endlich nach Einnahme unserer
Kohlen den Hafen wieder zu verlassen. Ich möchte daher die Kapitäne warnen,
Gibraltar zum Kohlen anzulaufen, wenn sie ein gröfseres Quantum benöthigen;
Dampfer, welche während unseres Aufenthalts dort anliefen und nur 50 bis
60 Tonnen nahmen, wurden gut expedirt, vor gröfseren Quantitäten scheint man
sich aber zu fürchten.
Von Gibraltar aus liefsen wir die „Savoia“ nun mit 16 bis 17 Meilen
Geschwindigkeit laufen, erreichten ohne Nennenswerthes am 20. Dezember den
Hafen von Newcastlee on Tyne, woselbst der Dampfer in der Mitte durch-
geschnitten, um 90 Fufs verlängert und dann wieder in die Route Genua—
Buenos Aires eingestellt wird.
Mitte Januar d. J. erhielt ich wiederum einen Auftrag von derselben
Rhederei, den Dampfer „St. John City“, jetzt „Piemonte“ genannt, von London
nach Genua überzuführen. Wir verlhiefsen London am 25. Januar 2" a, komple-
tirten unseren Kohlenbestand in Falmouth und erreichten ohne Nennenswerthes
am 1. Februar C. Palos an der spanischen Küste. Trotzdem das Wetter gut
und die See ruhig war, fuhren wir unserer Instruktion gemäfs längs der Küste;
am 2. Februar 10*p passirten den Hafen von Barcelona, Wind NO2, ruhige
See; bald darauf- fing das Barometer an zu fallen, und die Luft wurde sehr
drohend im NO; wir steuerten daher direkt auf C. Sebastian zu, um nicht die
Nähe des Landes zu verlieren; um 12*p nahm der Wind aus NO schnell zu,
so dals es, als wir um 4a den 3. Februar C. St. Sebastian passirten, schon
stark wehte, jedoch hatten wir, da wir dicht unter Land längs hielten, . nur
wenig Seegang. Von nun an steuerten wir auf C. de Creux zu, welches um 6*a
passirten, es wehte jetzt orkanartig; trotzdem der „Piemonte“ bei gutem Wetter
14 Meilen lief, kamen wir bei letztgenanntem Kap nur langsam vorbei. Der
Wind wehte, nachdem St. Sebastian passirt, parallel der Küste, ‚so dafs. wir
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