Zur Küstenkunde von Argentinien.
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Feuerschiff ist roth' und schwarz wagerecht gestreift mit zwei weilsen Masten,
hat mittschiffe ein Leuchtthurmgestell mit. rothen und schwarzen Ringen.
Passirten San Antonio-Leuchtthurm auf 9 Sm: und Medano-Leuchtthurm auf 12 Sm
Abstand, steuerten dann längs der Küste bis Kap Corrientes, das wir auf 12 Sm
Abstand passirten. Von hier steuerten wir längs der Küste in 3 Sm Abstand.
Die vielen Sandhügel geben der Küste ein gleichmäfsiges Aussehen, und nur das
grofßse Badehotel. bei Rio Gueguen bietet eine gute Landmarke.‘, Man hüte sich
vor der SW von der Asuncion - Huk liegenden Untiefe mit 4 m (13) Wasser;
zie besteht aus Tosca (steiniger Lehm). Das argentinische Kriegsschiff „Garibaldi“
hat sich hier eine schwere Bodenbeschädigung zugezogen. Sobald man die
Untiefe passirt hat, steuere man auf das Bahia Blanca - Feuerschiff zu. Zu be-
vücksichtigen ist ein starker Strom, von Wind, Ebbe oder Fluth abhängig. Das
Feuerschiff ist roth und, schwarz wagerecht gestreift und hat ein rothes Leucht-
‘hurmgestell und zwei weiße Masten. Das Feuer ist. bei Nacht nach meiner
Ansicht nur 10 Sm weit sichtbar. In Bahia Blanca gab es zur Zeit, als ich da
war, drei Lootsen; sie kommen bei gutem Wetter zuweilen bis zum Feuerschiff
hinaus, sicher ‘ist aber nie darauf zu rechnen. Bei schlechtem Wetter ist es
aber unmöglich, den Lootsen draußen an Bord zu bekommen oder zu landen,
Wenn es gewünscht wird, kommt bei gutem Wetter der Steuermann vom Feuer-
schiff als Lootse an Bord.‘ . .
Bei Niedrigwasser kann man, da die Untiefen meistens. sichtbar und leicht
auszumachen sind, obne Lootsen bis Tonne No. 8 laufen. Bei Hochwasser ist das
Einlaufen ohne. Lootsen äufserst gefährlich. Die Bucht ist dann eine grofse Wasser-
Aäche; man kann infolgedessen keinen Abstand schätzen. Die Küste ist sehr gleich-
förmig; infolgedessen sind Landmarken schwer auszumachen, Die Bänke laufen
steil an, sind also auch nicht anzulothen, und die Tonnen werden häufig verlegt.
Die Karte ist theilweise unrichtig. Wie mir der Geschwaderchef der argentinischen
Marine sagte, sollen in der nächsten Zeit neue Karten ausgegeben werden; Ver-
messungen hätten. schon ‚stattgefunden. . In Buenos Ayres hat man. einige gute
Lootsen mit Buenos Ayres- und Bahia Blanca-Patent, Nach meinen Beobachtungen
beim Einlaufen liegen die Tonnen nicht, wie in der Karte angegeben, in einer
Linie. Tonne No. 1 ist nicht gelb, sondern roth, Die ‚schwarze dreifülsige
Bake mit Balltopp am Nordufer (Tripod) ist erst bei Tonne No. 5 auszumachen.
Tonne No. 5 ist etwas nördlicher verlegt, so dafs man dicht an ihr passiren
kann; die Anweisung im „South America Pilot“ ist nicht mehr-richtig. Der
Hermoso-Berg war überhaupt nicht auszumachen. ; . .
Die mit den neuesten Korrektionen von 1898 versehene englische. Ad-
iniralitäts-Karte No. 1331 von Bahia Blanca hat folgende Fehler: ;
1. Bei Nameless Point, woselbst sich die Befestigungswerke befinden, ist
eine Brücke erbaut, welche nach der Karte bis in 5,5 m (3 Faden) Wasser reicht;
in Wirklichkeit steht sie bei Niedrigwasser vollkommen trocken. Ungefähr 1000 ın
vom Brückenende sind 3,7 m .(12‘) Wasser,
%. Tonne No. 7 ist bedeutend östlicher verlegt. Die Bank East Gate Post
dehnt sich nach NW bedeutend weiter aus, so dafs man mit einem geraden Kurse
von Tonne No. 6 nach Tonne No. 7 mit dem Schiff auf den Ausläufern der Bank
festgeräth. - Nach Aussage des argentinischen Geschwaderchefs passiren deshalb
die Kriegsschiffe im Süden von Tonne No. 7.
Bei Punta Alta wird ein Trockendock für die argentinische Marine von
einer holländischen Gesellschaft gebaut. ;
Das Baumaterial wird im Pareja Priel mit einem Dampfkrahn in Leichter
gelöscht. Die Gesellschaft ist im Besitz einiger Leichter und Hulke, eines Schleppers
und Dampfleichters. Punta Alta ist mit Nameless Point telephonisch, mit Babia
Blanca telegraphisch und durch Eisenbahn verbunden.
Das Steigen und Fallen des Wassers . beträgt bei‘ Punta Alta unter
normalen Verhältnissen 2,4 bis 3,7 m (8 bis 12%), ist aber sehr vom Winde ab-
hängig. Südwind giebt viel, Nordwind wenig Wasser. Bis Punta Pipa bietet
das Fahrwasser mit Hülfe eines Lootsen durchaus keine Schwierigkeit; man kann
mit dem Schiff nöthigenfalls. überall ankern. Ankergrund bis Punta Pipa ist gut,
Oberhalb Punta Pipa bei West Entrance Post befindet sich die durch zwei
Tonnen bezeichnete erste. Barre; sie. besteht aus Tosca. Es ist nach Aussage
aller Lootsen 0,3 m (1) Wasser mehr auf der ersten als auf der zweiten Barre,