Segelanweisung für Kamerun von Suelaba bis Campo-Huk.
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und letzten Mondviertels. Zur Zeit des Neu- und Vollmondes, besonders am
zweiten Tage nach Eintritt desselben und bei Hochwasser, ist die Landung
schwieriger und erfordert außer Sachkenntnifs, guter Boote und guter Boots-
besatzungen genaue Ortskenntnifs. Zeitweise ist ein Landen, d. h. ein Passiren
der Brandung auf den Barren bezw. am Ufer, nicht möglich. In der Regel tritt
dann aber schon nach wenigen Tagen bessere Landungsgelegenheit ein.
5. Mifsweisung. Die Mifsweisung beträgt 1900 14,5° W, die jährliche
Abnahme 4. ;
6. Fluthhöhe.. Bei Nippzeit beträgt der Fluthwechsel 0,8, bei Spring“
zeit 1,8 m durchschnittlich.
7. Landeserzeugnisse, Das Land bringt Palmöl, Palmnüsse, Ebenholz,
Gummi, Kakao hervor. Der Handel mit Elfenbein ist lebhaft, aber im Abnehmen
begriffen. Die Gümmi- und Kakaogewinnung macht bedeutende Fortschritte,
Eingeführt werden die Bedürfnisse der Eingeborenen, Baumwollsachen, Salz,
Schiefspulver, Rum.
8, Schiffsausrüstung und Verpflegungsgegenstände. Kohlen sind
an Land nirgends zu bekommen; gelegentlich geben aber die Handelsdampfer
auf besonderen Wunsch von ‚den eigenen Beständen ab. Wasser für Waschzwecke
ist in Kribi-Wasserfall, Klein- und Grofs-Batanga, Campo; gutes Trinkwasser ist
nur in Campo aus dem Brunnen der deutschen Faktorei von Küderling & Co.
erhältlich, Durch Vermittlung der Faktoreien und in Grofs-Batanga auch durch
den dort angesehenen Neger Bobana sind Eier, Ziegen und Schafe, Hühner und
zuweilen auch Enten in geringer Menge, sowie zeitweise Apfelsinen, Tomaten,
Mangopflaumen, Alligatorbirnen und andere Früchte erhältlich. Kokospalmen in
kleineren Gruppen sind sehr häufig; sie tragen meist zahlreiche Nüsse, In allen
Faktoreien sind eingemachte Efswaaren und deutsches Exportbier zu bekommen.
Die Bestandmenge wechselt aber je nach dem Verbrauch an Land, mit Sicher-
heit kann man nicht auf die Abgabe von E(swaaren (besonders nicht von Butter,
Zucker und Thee) rechnen. Der Wildbestand ist gering, nur wilde Tauben sind
sehr häufig.
9. Schiffahrt. Die Schiffahrt wird in der Hauptsache von den Dampfern
der. Woermann-Linie betrieben, die die einzelnen Plätze regelmäfsig jeden
Monat auf der Aus- und Heimreise aufsuchen; bei den wichtigsten legen auch
die Dampfer der englischen British and African Steamship Company an.
Telegraphenkabelverbindung ist nicht vorhanden.
10. Baken. Aus der Vermessungszeit sind noch zahlreiche Baken stehen
geblieben, die aber infolge des raschen Faulens des Holzes nur eine sehr be-
schränkte Lebensdauer haben werden.
11. Klima, Das Klima gleicht im Allgemeinen durchaus dem von
Kamerun... Vom Mai bis September regnet es sehr reichlich, vom Dezember. bis
März herrscht grofse Trockenheit und Hitze. Nebel kommen besonders häufig
im Dezember und Januar vor, sie beginnen nach Mitternacht und dauern mit
grofser Regelmäfigkeit nur bis gegen 10" a. Tornados sind besonders häufig
und heftig in den Uebergangszeiten Oktober—November und April, sie kommen
aber zu allen Jahreszeiten vor und setzen in der Regel vom Lande ein; kommen
sie von See, sollen sie sich durch besondere Heftigkeit auszeichnen. — Die See-
briese weht sehr regelmäfsig, besonders in der Trockenzeit; die Landbriese ist
weniger kräftig und seltener.
12. Eingeborene Bevölkerung. Im Norden wohnen die. Bulid-, im
Süden die Pangwe-Leute, beides sind wenig sefshafte Volksstämme,: die noch
häufig durch Unzufriedenheit, Gier nach dem KEigenthum der Weifsen und den
Ehrgeiz ihrer Führer veranlafst, sich Unbotmäfsigkeiten zu Schulden kommen
lassen, um nach der Bestrafung wieder für Jahre ruhig und friedlich zu sein.
Die Strandbevölkerung besteht durchweg aus friedlichen Leuten, die etwas Acker-
und Plantagenbau zu treiben versuchen und sich dem Fremden ‚stets gefällig
erzeigen.
Von Suelaba bis Malimba.!)
Die Küste von Suelaba bis Malimba erstreckt sich ziemlich grade und
gleichmäfsig südsüdöstlich. Sie ist flach und ‚sandig und stark bewachsen. Der
Ü Deutsche Karte No. 124