Casablanca,
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Die Sanitätsgebühren betragen eigentlich nur 12,50 Pesetas. Für das
Sanitätsboot wird jedoch eine Gebühr von 2,50 Pesetas und für das Ausstellen
eines Gesundheitspasses eine Gebühr von 5,00 Pesetas berechnet. Obligatorisch
sind nur die unter 1 und 4 genannten Abgaben. Die übrigen Abgaben, aufser
Lootsengeld, das nur zu zahlen ist, wenn ein Lootse genommen wird, sind nicht
obligatorisch, aber üblich, und daher als regelmäfsige Abgaben zu berücksichtigen.
_ Die Stadt Casablanca ist der Hauptort der reichen und fruchtbaren
Provinz Schawija. Die Stadt ist mit starken Mauern und Thürmen umgeben und
bildet ein längliches Viereck. Die Strafsen sind zwar ziemlich geräumig, doch
ebenso schmutzig wie die fast aller Städte Marokkos. Die Häuser sind unan-
sehnlich und zumeist nur Hütten. Einst ein Zankapfel zwischen den Portugiesen,
die die Stadt am Anfang des 16. Jahrhunderts an der Stelle des alten Aufa
gründeten, und den Mauren, hat Casablanca in den letzten Jahren stetig an
Bedeutung gewonnen. Der Handel, besonders der‘ deutsche, nimmt beständig zu.
Casablanca zählt 20000 bis 25 000 Einwohner, darunter 29 Deutsche, und
ist Sitz des Gouverneurs der Provinz und der Vertreter der fremden Mächte.
Aufser Teppichweberei ist keine besondere Industrie vorhanden. Das Klima ist
sehr gesund, Zeitweise treten die Pocken auf.
Handelsverkehr. Eingeführt werden Baumwoll-, Kolonial- und Kurz-
waaren, Gewebe,‘ Holz, Metalle etc., ausgeführt Getreide, Wolle, Felle, Wachs
und Eier. Der Werth der Einfuhr betrug:
In 1897 . . 3484000 M., davon aus Deutschland 326 000 M. = 9%.
„ 1898 . . 4265000 „ » x» - 282000 „ = 7%.
Der Werth der Ausfuhr betrug:
In 1897 . . 4138000 M., davon nach Deutschland 843 000 M, = 20 9%.
1898 . . 5276000 „ 2» 638000 „ = 15%.
Im Jahre 1898 liefen ein: 102 Dampfer von 82034 t mit Ladung und
86 Dampfer von 54 706 t in Ballast, 10 Segelschiffe von 988 t mit Ladung und
26 Segelschiffe von 3681 t.in Ballast; davon waren deutsch: 21 Dampfer von
15341 £ mit Ladung und 31 Dampfer von 29748 t in Ballast.
Folgende Dampfer laufen den Hafen regelmäfsig an:
Woermann-Linie monatlich einmal vom Norden und zweimal vom
üden.
Oldenburg-Portugiesische Dampf.-Rhederei A
Compania Transatlantica (span.) } monatlich je einmal.
Compagnie N. Paquet (franz.) monatlich zweimal vom Norden und
vom Süden.
Mersey Steamship Company L*% (Forwood Line) monatlich dreimal
vom Norden.
Schiffsausrüstung. Kohlen sind nicht vorhanden. Frischer Proviant ist
im Allgemeinen reichlich zu haben und billig. Die Preise sind für das Kilo-
gramm: Fleisch etwa 0,40 M., Gemüse, Kartoffeln, Früchte 0,15 M. Hartbrot
liefert auf Bestellung ein in Casablanca ansässiger früherer Schiffskoch. Olivenöl,
das von spanischen Dampfern als Schmieröl verwendet wird, kostet etwa 30 M.
pro 100 kg. ;
Trinkwasser kann man durch die städtischen Wasserträger erhalten,
die Quellwasser in Schläuchen nach der Stadt schaffen. Der Preis ist je nach
der von der Jahreszeit abhängigen Wassermenge verschieden, durchschnittlich
etwa 5 bis 6 M. pro Tonne. Ein durch die Nähe des städtischen Aufsenmarktes
stark verunreinigter kleiner Bach, dessen Wasser höchstens zum Waschen zu
brauchen ist, befindet sich aufserhalb der Stadt.
Auskunft für den Schiffsverkehr. Deutscher Konsul ist Frhr. v. Brück.
Agenten der Woermann-Linie sind die Firmen H, Ficke & Co. für die vom
Norden kommenden Dampfer und Brandt & Toel für die vom Süden kommenden
Dampfer und für die Oldenburg-Portugiesische Dampfschiff-Rhederei die Firma
Lamb & Brös. Ein deutscher Arzt ist am Ort. Die englische Mission unterhält
ein Krankenhaus, in dem jedoch Europäer keine Aufnahme finden. Der Hafen-
kapitän hat sein Dienstzimmer am Wasserthor; dort liegt auch das Zollamt.
Schonung der religiösen Empfindlichkeit der Bevölkerung ist geboten. Moscheen
und Heiligengräber dürfen nicht betreten werden.