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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Die Witterung an der deutschen Küste im März 1900. 
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Bei hohem, vom Ozean im Nordwesten über dem Westen Kontinental- 
europas und meist auch über Skandinavien ausgebreiteten Luftdruck und einer 
Depression über Osteuropa, die sich zunächst bis zur Nordsee erstreckte und bei 
Vordrängen des hoben Druckes langsam zurückwich, bestanden bis zum Abend 
des 5. an der Küste Winde aus nördlichen Richtungen, die von Mecklenburg bis 
Pommern am 1, meist stürmisch und am 2. bis 4. noch theilweise steif wehten. 
Die Temperatur erfuhr im Allgemeinen etwas Abnahme und erreichte am 3. und 
4. ostwärts der Elbe ihre niedrigsten Werthe; die am 1. über die ganze Küste 
ausgedehuten Niederschläge erhielten sich am 2. und 3. an der ganzen Ostsee- 
Küste und beschränkten sich, ostwärts zurückweichend, am 5. auf Preufsen, 
während die Nordsee, westliche und mittlere Ostsee :an diesem Tage heiteres 
Wetter hatten. 
Ein am 6. uud 7. von Nordskandinavien südostwärts nach Südrussland 
fortschreitender und vorübergehend nach der Nordsee reichender Ausläufer des 
niedrigen Druckes über Russland brachte der ganzen Küste am 6. Regen und 
Theilen der Nordsee nebeliges Wetter; in seinem Rücken breitete sich der hohe 
Druck von Westen her am 7. wieder über Centraleuropa aus, so dafs wiederum 
nördliche Winde und bereits an diesem Tage bis auf die preußische Küste 
trockenes, über Schleswig-Holstein heiteres Wetter eintrat. Die folgende Nacht 
brachte dem Osten nach starker Temperaturerniedrigung die niedrigsten Tempe- 
raturen des Monats. 
Bei Ausbreitung einer Depression über Nordskandinavien dehnte sich das 
Hochdruckgebiet am 8. von Nordwesten her südostwärts bis Südosteuropa aus, 
und es entwickelte sich der Kern höchsten Luftdruckes: über Südosteuropa, der 
sein Gebiet nordostwärts bis über die Britischen Inseln: hinaus bis zum Abend 
des 11. bebauptete. Bei Winden aus westlichen Richtungen brachte der 9, im 
Osten starkes Steigen der Temperatur und der mittleren Ostsee etwas Regen; 
dann trat im Bereich des Maximums trockenes, am 10. an der Nordsee, am 11. 
am gröfsten Theile der Küste heiteres, westlich der Weser nebeliges Wetter ein. 
Ein am 12, und 13, im hohen Norden vorüberschreitendes Minimum, in 
dessen Bereich ein tiefes Theilminimum über Mittelskandinavien nach Finnland 
drang, brachte der ganzen Küste am 12. Niederschläge; da sich ein im Westen 
über dem Ozean mehr als 785 mm Druck aufweisendes Hochdruckgebiet schnell 
im Rücken: der Depression ostwärts über Europa ausdehnte, so frischten die 
Nordwestwinde stark auf und wehten am 13. an der ganzen Küste und noch am 
14. über den Inseln der mittleren Ostsee-Küste stürmisch. Im Bereich des neuen 
Hochdruckgebietes hatte an diesem Tage die Ostsee westlich der Oder wieder 
heiteres Wetter, und es blieben die Niederschläge auf die preufsische Küste be- 
schränkt, während an der Nordsee solche bereits durch eine neue Störung herbei- 
geführt wurden, 
Eine am Abend des 14, im Nordwesten über dem Ozean angedeutete De- 
pression schritt rasch heran; ein tiefes T’heilminimum drang nach Mittelskandinavien 
vor, und am Abend des 16. war ganz Europa von. der Depression bedeckt; bei 
südlichen bis westlichen Winden, die am 16. an der Nordsee und westlichen 
Ostsee vielfach stürmisch auftraten und in Hamburg in einer Böe von Gewitter 
begleitet waren, hatte die ganze Küste am 15. und 16. Regen; die Morgen- 
temperaturen lagen am 16. fast durchweg über den normalen Werthen, was nur 
noch am 13. beobachtet wurde, 
Am 17. begann ein gänzlicher Wechsel der Wetterlage, indem sich ein 
Hochdruckgebiet über Russland westwärts ausbreitete und zunächst durch 
Steigen des Druckes im Ostseegebiet an der Küste südöstliche bis östliche Winde 
herbeiführte. Der hohe Luftdruck breitete sich. am 18..über Nordosteuropa aus 
und erhielt sich hier bis zum Abend des 22. gegenüber einer von der Biscaya- 
See über Kontinentaleuropa ausgedehnten Depression, die mehrfach tiefe Minima 
zeigte. Als das Hochdruckgebiet seinen Kern am 23. und 24. westwärts nach 
dem Ozean im Nordwesten verlagerte, während die Depression ihr Centrum ost- 
wärts über Südeuropa verlegte, drehten die Winde nach Ost bis Nordost; am 22. 
und 23. traten sie an der Nordsee, westlichen und mittleren Ostsee aus östlichen 
Richtungen vielfach stürmisch auf. Nachdem am 17. ostwärts bis Pommern 
Niederschläge gefallen waren, blieben diese am 19. bis 21. auf die Ostsee west-
	        
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