A)
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
Prüfung des Instrumentes.
Da geradlinige konstante Winde von bekannter Stärke, in welcher man
die Abhängigkeit der Meniscus-Senkung von der Windgeschwindigkeit unmittelbar
hätte untersuchen können, nicht zur Verfügung waren, wurde zunächst auf dem
Combesschen Rotationsapparat die Tourenzahl als Funktion der Windgeschwin-
digkeit bestimmt und dann mit Hülfe eines Blasetisches die Abhängigkeit der
Meniscus-Senkung von der Tourenzahl untersucht, worin eine Kontrole der auf
dem Glascylinder angegebenen Skala lag. Um die Tourenzahlen in beiden Ver-
suchszeiten ermitteln zu können, wurde mit der Drehaxe des Anemometers eine
leichte Zahnradübertragung verbunden, die auf 300 Umläufe des Windrades einen
elektrischen Kontakt gab.
Die Versuche auf dem Rotationsapparat, welche mit Windgeschwindigkeiten
von 4 bis zu 13 Meter durchgeführt wurden, ergaben für das Instrument eine
Sekunde
im Vergleich zu anderen Anemometern hohe Reibungskonstante (über 1,5 Seter =)
und einen Robinsonschen Faktor (d. i. das Verhältnifs der Windgeschwindigkeit
zur Geschwindigkeit der Schalenmittelpunkte) = 2,7, wie er auch bei anderen
Anemometern häufig gefunden wird. Zur genaueren Wiedergabe der Versuchs-
vesultate mußte eine quadratische Formel gewählt werden:
v = 1,56 4 0,0101z +0,0,29%2 v = Windgeschwindigkeit FA = Mn
Bei Tourenzahlen von 400 bis 1100, d. h. bei Windgeschwindigkeiten von
6 bis 16 Yeter -, kann diese aber auch durch die einfache Beziehung
Sekunde
v = 0,0146 z
N 3 Meter
ersetzt werden, ohne dafs gröfsere Abweichungen als 0,2 Sekunde auftreten.
Für dies Intervall kann also die Tourenzahl direkt proportional zur Wind-
eschwindigkeit gesetzt werden, ein Resultat, das die Beziehung der Meniscus-
Senkung zur Windgeschwindigkeit sehr einfach gestaltet, wie später gezeigt
werden wird.
Um die auf dem Glascylinder angebrachte Skala zu prüfen, wurde die
Windlade eines kräftig gebauten Blasetisches nacheinander mit verschiedenen
Gewichten von 15 bis zu 57 kg belastet, während das Anemometer ziemlich dicht
vor dem Blaserohr stand. Aus der Dauer zwischen den durch ein Glockensignal
vernehmbar gemachten Kontakten ergab sich die Tourenzahl, während die durch-
schnittliche Meniscus-Senkung in der Zwischenzeit durch zahlreiche Ablesungen
bestimmt wurde, Die Skala wurde so im Intervall von 400 bis zu 900 Touren
in der Minute, die Windgeschwindigkeiten von 6 bis 13 u. entsprechen, ge-
prüft und gut stimmend gefunden.
Theoretische Ableitung der Meniseus-Senkung aus der Tourenzahl.
Durch den Wind wird zunächst die mit dem Schalenkreuz fest verbundene
Wandung des Glascylinders mit der ihr adhärirenden Flüssigkeitsschicht in Be-
wegung gesetzt. Von da aus wird die Bewegung durch innere Reibung auf die
centralen Theile der Flüssigkeit übertragen. Sehen wir von den Vorgängen am
Boden des Gefäfses ab und betrachten nur eine weiter oben gelegene, cylindrische,
ein Molekül dicke Flüssigkeitsschicht von der Höhe h und dem Radius g, so
erleidet diese von aufsen die beschleunigende Reibung:
1 1} ]
a (ra) [HH 1) 0
N, Sr A
” Differenz der Winkel-
Oberfläche geschwindigkeiten
wenn n Moleküle auf die Längeneinheit kommen und f(e) die Winkelgeschwin-
digkeit als Funktion des Radius vorstellt. Von innen wirkt analog die Reibung: