Meldau: Zur Theorie des Deflektors.
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Ein scheinbares X kann bekanntlich auch durch einen Kollimations-
fehler der Rose entstehen. ;
Der Deflektor bietet ein vorzügliches Mittel, den Kollimationsfehler unab-
hängig von einer umkehrbaren Normalrose zu erkennen und seiner Größe nach
zu bestimmen. Man drehe den Kompafskessel so, dafs die Rose am Steuerstrich
genau Nord anliegt, setze dann den Deflektor auf, drehe die magnetische Axe
am einen Winkel @ nach der einen und nach der anderen Seite (vom Steuer-
strich aus gerechnet) und lese die zugehörigen Ablenkungswinkel &«, und @, ab.
Da es die magnetische Axe der Rose ist, welche sich dabei im gleichen Winkel
zum Deflektor einstellt, so werden die Winkel x, und &«, nur dann gleich sein,
wenn die geometrische mit der magnetischen Axe der Rose übereinstimmt.
Einen etwa vorhandenen Kollimationsiehler £ berechnet man aus @,-— @, nach
der Formel
U — sin w
7 U ano cos (wm)
Am einfachsten ist es wohl, « = 90° zu machen; man hat dann für alle
Werthe von ®
a, — a
= 12
°
Dafs aufserdem der Deflektor ein bequemes Mittel darstellt, die Ein-
stellungsfähigkeit der Rose bei geschwächter Richtkraft zu untersuchen, bedarf
an dieser Stelle wohl keiner besonderen Erwähnung.
Prüfung eines neuen Anemometers von R. Gradenwitz
und Theorie dieses Instrumentes.
Von Dr. Hans Maurer.
Die auf den meteorologischen Stationen verwendeten Anemometer geben
in der Regel!) durch elektrische Registrirung die Umdrehungszahlen eines Wind-
rades in bestimmten Zeiten an; hieraus kann man, nach vorausgegangener Prüfung
des Instrumentes bei bekannten Windgeschwindigkeiten, die durchschnittliche
Windgeschwindigkeit im betreffenden Zeitintervall berechnen. Ungeeignet aber
erscheinen diese Instrumente, um für kurze Zeitintervalle die Windgeschwindig-
keit zu bestimmen. Da aber dies Bedürfnifs, hauptsächlich durch die neueren
Untersuchungen in höheren Luftschichten, sich herausgestellt hat, war ein Apparat
wünschenswerth geworden, der die augenblickliche Windgeschwindigkeit jederzeit
abzulesen gestattet. Ein solches Instrument hat im vorigen Jahre Herr R. Graden-
witz iu Berlin in zwei Modellen hergestellt. Das Princip ist dabei das folgende:
Ein durch den Wind bewegtes Rad setzt einen vertikalen, theilweise mit Flüssig-
keit gefüllten Glaseylinder in Rotation um seine Axe. Die so entstehende
Senkung des Flüssigkeitsineniscus hängt von der Umdrehungsgeschwindigkeit und
diese selbst wieder von der Windgeschwindigkeit ab. ‚Das Instrument erlaubt
also, in jedem Augenblick die Windgeschwindigkeit abzulesen, wenn nur durch
praktische. Prüfung die Abhängigkeit‘ der Meniscus-Senkung von der Wind-
geschwindigkeit festgestellt ist.
Auf gütige Veranlassung des Direktors der Deutschen Seewarte hatte ich
Gelegenheit, besonders das eine der beiden zur Prüfung eingesandten Modelle
genauer zu prüfen. Es ist dies ein Schalenkreuz-Anemometer, in dessen Drehaxe
selbst ein mitrotirender, theilweise mit Glycerin gefüllter Glascylinder eingefügt
ist. Die Senkung des Meniscus kann an einer Skala abgelesen werden, auf der
die Tourenzahlen per Minute angegeben sind, und zwar läuft die Theilung von
300 bis 1100 Touren in einer Gesammtlänge von 54 mm; ihr erster Theilstrich
Hegt etwa 5mm unter dem Ruhemeniseus.
\ Wenn man absieht von den verschiedenen automatisch registrirenden Apparaten dieser Art.