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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
Bezüglich der ersten Art, die Normaleinstellung zu erhalten, ist die Frage
aufgeworfen, ob man eine Graduirung nach H oder nach AH wählen solle.
Theoretisch ist es, wie wir oben gesehen haben, ganz irrelevant, ob wir die eine
oder die andere Eintheilung wählen: man bekommt die Werthe der Koefficienten
B, C, D bei der Einstellung auf AH direkt. bei der auf H durch eine mühelose
kleine Rechnung.
In praktischer Beziehung spricht für die Wahl von 4H, besonders bei
kleineren Werthen des A, wie sie auf Kriegsschiffen vorkommen, dafs das Mittel
der Ablenkungen näher bei 90° liegen wird.
Demgegenüber stehen aber bedeutende Nachtheile, vornehmlich der, dafs
A als eine dem Schiffe eigenthümliche Konstante eine gewisse Unsicherheit in
die Einstellungen bringt. Während bei der Einstellung auf H der Deflektor
dem Kompafs individuell ist, wird er bei der Graduirung nach AH abhängig von
Kompafs und Schiff. Beispielsweise fällt die einfache Kontrole weg, dafs man
an einem eisenfreien Ort (im Hafen) die Einstellung des Deflektors durch eine
90°-Ablenkung prüft.
Danach dürfte eine Skalentheilung nach H vorzuziehen sein.
Bisher verzichten die meisten Deflektoren auf die Angabe einer bestimmten
Kraftskala überhaupt, sie besitzen meist nur einen nach Millimetern oder einer
anderen willkürlichen Längeneinheit getheilten Mafsstab. Die „Normaleinstellung“
muß bei diesen Deflektoren auf empirischem Wege von Fall zu Fall gesucht
werden. Beispielsweise lautet die betreffende Vorschrift, welche dem von Cor-
nelius Knudsen in Kopenhagen konstruirten Clausenschen Deflektor beige-
geben ist, so: Man steuere Kompafskurs N, setze den Deflektor auf und mache
die entstehende Ablenkung U, durch Drehung der Stellschraube gleich 90°.
Darauf steuere man Kompafskurs S, beobachte die mit der gleichen Einstellung
hervorgebrachte Ablenkung U,g und drehe wieder die Stellschraube, so dafs
man den Mittelwerth der Ablenkungen : (U, + U, 6) erreicht. Scheinbar erfolgt
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hier die Einstellung auf (14a) - H, in Wirklichkeit jedoch auf nn y ES
was nur bei verschwindendem P zu (1-+ a) H wird. Mag das vorgeschriebene
Verfahren für die Praxis, insbesondere für Kompensationszwecke, völlig aus-
reichen, so würde man doch andererseits mit nicht gröfserer Mühe die genaue
Einstellung auf (1 -+ a) H erhalten, wenn man hier zur „Normaleinstellung“ die
Methode der konstanten Ablenkungswinkel anwenden würde, indem man auf
Nord- und Süd-Kurs 90°. Ablenkungen bewirkt, die entsprechenden Skalentheile
abliest und auf das Mittel derselben einstellt.
Analog erhält man auf Ost- und West-Kurs eine Normaleinstellung auf
(1+ e)-H. Diese Einstellungen würden übrigens, nebenbei bemerkt, die genauen
Werthe B,C, (vgl. S. 225) der durch Peilung auf den Hauptstrichen bestimmten
Koeffieienten ergeben. Die Einstellung auf 21H erlangt man auf zwei entgegen-
gesetzten Hauptzwischenstrichen in derselben Weise.!)
Kollimationsfehler.
Wir haben, der einfacheren Schreibweise wegen, im Vorstehenden voraus-
gesetzt, dafs kein unsymmetrisch zu der den Kompafs enthaltenden Mittschiffs-
ebene angeordnetes Eisen in der Nähe des Kompasses vorhanden sei, oder dafs
die Koefficienten X und € der exakten Formel
sind — X + Baint + 6C cos” + Dsin2" + NA Eco AN
den Werth Null haben. In dieser Voraussetzung liegt keine wesentliche Be-
schränkung, da X und €, wenn sie vorhanden sind, einen konstanten, von der
magnetischen Breite unabhängigen Werth besitzen. Uebrigens lassen sich auch
diese Gröfsen; was hier der Vollständigkeit wegen angeführt werden mag, sofern
sie aus einer unsymmetrischen Vertheilung des Schiffseisens resultiren, mittelst
des Deflektors, und zwar auf den Hauptzwischenstrichen, bestimmen.
1) „Streng genommen ist Ä nur im Mittel der Kräfte aus zwei entgegengesetzten magne.
tischen Inte: kardinalkursen enthalteu.“ Gareis a. a. 0.85.38