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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1900,
Die Lootsen sind dem Hafenmeister unterstellte Kingeborene. KEs sind
seetüchtige erfahrene Leute, die in kleinen Booten den Schiffen entgegenkommen.
Lootsenzwang ist nicht vorhanden, und man kann nach der Rhede ohne Lootsen
gelangen.
Schleppdampfer sind vorhanden. XEs besteht eine feste Taxe, und die
Annahme eines Schleppers ist zu empfehlen, wenn man in den Hafen mufs.
Ein Kaiserliches Konsulat ist am Orte und befindet sich in der Prince
William Henry-Straße in der Nähe der Kaie.
Zollamtliche Behandlung. Man mufs die Visite abwarten, bevor man
mit dem Lande in Verbindung tritt. Die Zollbehörde ist sehr liberal, doch
müssen die Schiffe einklarirt sein, bevor sie mit dem Löschen beginnen können.
Ausgenommen hiervon sind die Postdampfer, denen die Behörde drei Tage Zeit
gewährt, um die Zollpapiere einzureichen. Alle Dampfer, welche Briefe mit-
bringen, und wenn es auch nur einer ist, werden als Postdampfer angesehen.
Zollpflichtige Güter können zwischen 9"am und 4"pm unter Aufsicht der Zoll-
beamten gelandet werden,
Schiffsunkosten. KEinklarirung
Hafenmeister-Certificat .
Visite... 0.0.
Ankergeld . ... ..
Tonnengeld für die Tonne
Abgaben für Hafenpolizei:
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ein- wie ausgehend
Schiffe unter 100 t.
von 100 bis 200 t.
von 200 bis 300 t.
von 300 £ und darüber
Lootsengelder für die Rhede: Schiffe unter 250 €
von 200 bis 400 £
von 400 bis 600 t
von 600 bis 800 t
von 800 bis 1000 £
von über 1000 t
Kriegsschiffe zahlen 2 Z Lootsengeld.
Schiffe, die nur Ordre halber oder frachtsuchend einlaufen oder nicht
mehr als 2 t Ladung nehmen oder löschen, haben insgesammt nur 3 $ Abgaben
zu zahlen.
Kaiabgaben: Während des Löschens oder Ladens 2'/% cent für die
Netto-Registertonne täglich. Unbeschäftigt im Hafenbecken 1 cent für die Tonne
täglich. Unter Reparatur daselbst 3 cent für die Tonne täglich. Für Benutzung
des öffentlichen Krahnes zahlt man 2 sh 6 d die Tonne.
Verschiedenes, Es wird stets ein Gesundheitspafßs verlangt. Ein Quaran-
täne-Krankenhaus befindet sich auf der Pelican-Insel. Ein Seemannsheim, See-
mannsmission und ein allgemeines Krankenhaus, in dem Seeleute Aufnahme finden,
sowie ein Heuerbureau sind am Orte vorhanden. Seekarten und nautische Bücher
sind zu haben. Zeitsignal sowie Einrichtungen zur Regulirung von Kompassen
sind nicht vorhanden, dagegen können nautische und meteorologische Instrumente
geprüft werden. Ein Agent des englischen Lloyd, der auch den Germanischen
Lloyd vertritt, befindet sich am Orte, ebenfalls ist aufser zwei englischen und
einer amerikanischen Seeassekuranz-Gesellschaft die Norddeutsche Versicherungs-
Gesellschaft in Hamburg am Orte vertreten.
Gezeiten. Die Hafenzeit ist 3" 0"; die Fluthhöhe beträgt bei Springtiden
1,2 m, bei Niptiden 0,6 m, sie ist aber sehr unregelmäfsig.
Die Strömung setzt in der Umgebung von Barbados im Allgemeinen
stark nach West, doch westlich von der Insel wird durch diese, wenn auch nicht
eine Neerströmung erzeugt, so doch die westliche Strömung dermafsen behindert,
dafs man hier aufkreuzen kann. Manchmal wird die Richtung des Stromes auch
nordwestlich und sogar nördlich, und besonders zwischen Barbados und der Insel
Tobago werden Richtung und Geschwindigkeit der Strömung sehr vom Winde be-
einflufst. Während der Regenzeit ist die Strömung besonders veränderlich, und
ihre Geschwindigkeit schwankt dann zwischen 10 und 24 Sm im Tage. Bei der
Ansteuerung der Insel von Ost, und besonders der Ostspitze von Nord mufs man
sehr die Strömung berücksichtigen.