Meldau: Zur Theorie des Deflektors.
219
Die abgelenkte Nadel bilde mit der magnetischen Axe des Deflektors ‚einen
Winkel w. Dann ist das vom Deflektor erzeugte Magnetfeld ein homogenes,
wenn man das in dieser Stellung vom Deflektor auf die Nadel ausgeübte Dreh-
moment proportional setzen darf mit D +sinw, wo D eine Konstante, nämlich
Stärke des vom Deflektor in der Rosenebene erzeugten magnetischen Feldes.
Wenn & der Ablenkungswinkel der Nadel aus dem magnetischen Meridian,
so ist unter dieser Voraussetzung die Gleichgewichtsbedingung:
D-.sinw = k-Ho-sine
wo k-H die verstärkte bezw. geschwächte Horizontalintensität des Erdmagnetismus
bedeutet. -
Aus dieser Gleichgewichtsbedingung müssen, wenn das Deflektor-
feld ein homogenes sein soll, für zusammengehörige Werthe von w und
x dieselben Werthe für D folgen.
Aus den Versuchen ergab sich, dafs man in der That das Deflektorfeld
als innerhalb weiter Grenzen homogen betrachten darf. Beispielsweise wurden
bei einer Reihe von Versuchen, bei denen die Entfernung der Deflektorpole
24 mm betrug, als Werth des erzeugien Magnetfeldes, ausgedrückt in Einheiten
der Horizontalintensität am Orte, gefunden bei:
40° D = 1,382
43° 1,381
44° 1,387
46° 1,383
309 1,389
xr
Wirkung des Deflektors, günstigster Werth des Ablenkungswinkels.
Unter der Voraussetzung eines homogenen, vom Deflektor in der Nadel-
ebene erzeugten magnetischen Feldes kann die Wirkung desselben einfach durch
das Parallelogramm der Kräfte dargestellt werden. Es sei MN (Fig. 1) die
Richtung des Kömpafsmeridians, d. h. die Richtung der unabgelenkten Nadel.
In derselben wirkt die zu messende Richtkraft H‘, herrührend von der Horizontal-
kraft des Erdmagnetismus und den magnetischen Kräften des Schifßskörpers.
Verwenden wir dieselbe Bezeichnung wie oben, so ist
sin w
H' = sin & :D
Für die Beobachtung an Bord ist es höchst vortheilhaft, den Ablenkungs-
winkel « nahe bei 90° zu wählen. In diesem Falle ändert sich ja sin @ nur
anmerklich mit x, und H’ erscheint lediglich abhängig von w, d.h. dem Winkel
zwischen der Nadel und der magnetischen Axe des Deflektors. Setzt man also,
wie es thatsächlich bei allen Deflektoren geschieht, den Deflektor in festem
Winkel zum Steuerstrich (nicht etwa zum magnetischen oder zum Kompals-
meridian) auf, so erfolgt die Einstellung der Rose an diesem unabhängig
von kleinen Fehlern des Ablenkungswinkels « oder, mit anderen Worten,
anabhängig von kleinen Fehlern im gesteuerten Kurse.!)
Typische Beispiele für Deflektoren, welche mit Ablenkungswinkeln von
annähernd 90° arbeiten, sind der Thomsonsche und der Clausensche Deflektor.
Thomsons Deflektor.
Thomson verfügt bekanntlich außerdem noch über den Winkel w, indem
er w = 90° macht (und dabei, um das labile Gleichgewicht zu vermeiden, & auf
etwa 85° erniedrigt). Der Bruch ine wird dadurch merklich gleich der Einheit;
und die zu messende Kraft H‘ kann direkt an einer Skala des Instrumentes ab-
gelesen werden, die im Wesentlichen den Abstand der unteren wirksamen Magnet-
pole angiebt. .
Um den Thomson-Deflektor, wie es meist geschieht, zu Kompensations-
zwecken zu benutzen, liest man auf je zwei entgegengesetzten Hauptkursen,
1) Genau genommen, ist die Nadeleinstellung unabhängig von kleinen Fehlern des ge-
steuerten Kurses, wenn die abgelenkte Nadel senkrecht zum magnetischen Meridian des Ortes steht.