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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
Die vom Magnetsystem des Deflektors hervorgerufene Ablenkung der
Kompafsrose hängt selbstverständlich aufserordentlich von der Konstruktion der
Rose und der Entfernung der Rosenmagnete von den Polen des Deflektors ab.
Beispielsweise erfordert die Hechelmannsche Rose mit am Rande vertheilten
Magneten einen besonders dafür eingerichteten Deflektor;!) die Deflektoren, wie
zie heute meist zum Aufsetzen auf den Kompafsdeckel konstruirt werden, üben
überhaupt keine Wirkung auf diese Rose aus. Nach dem Aufsetzen des Deflektors
Deurtheilt man die Richtkraft, unter welcher die Rose vorher stand, entweder
bei gegebenem magnetischen Moment des Deflektors nach der Gröfse des
hervorgerufenen Ablenkungswinkels, oder bei gegebenem Werthe des Ab-
lenkungswinkels nach der Einstellung, die man den Deflektormagneten zur
Erzielung dieses Ablenkungswinkels ertheilen mufs.
Sind im Vorstehenden die allgemeinen Principien angedeutet, nach denen
Deflektoren konstruirt und angewendet werden, so können wir die Aufgaben,
denen ein Deflektor gerecht werden soll, allgemein folgendermaßen formuliren:
Je nachdem man den Deflektor lediglich zur Kompensation oder auch
zur Koefficientenbestimmung benutzen will, braucht derselbe entweder nur
1. die Differenz der Richtkräfte auf zwei verschiedenen Kursen und darauf
den (mittels der Kompensationsvorrichiungen) bewirkten Ausgleich
dieser Richtkräfte erkennen lassen
oder derselbe mufs .
2. die (relative) Größe der Richtkraft selbst für irgend welche Kurse
abzulesen gestatten.
Beide Aufgaben, vornehmlich die erste, lassen sich unschwer mit einer
{für die Praxis vollständig ausreichenden Genauigkeit lösen. Die Beschreibung
der praktischen Verwendung der Deflektoren kann hier jedoch füglich
übergangen und bezüglich ihrer auf die oben citirte Arbeit von Gareis
verwiesen werden. Der Zielpunkt der nachfolgenden Betrachtungen
ist vielmehr ein theoretischer, nämlich nachzusehen, unter welchen
Voraussetzungen man mit dem Deflektor den Anschlufs an die exakte,
auf den Poissonschen Gleichungen beruhende Theorie des Schiffs-
mnagnetismus erreichen und genaue Werthe der Deviationskoefficienten
erhalten kann. Bevor wir jedoch zu dieser Aufgabe übergehen, wird cs gut
zein, einige Vorfragen zu erledigen, welche zur Beurtheilung des mit dem
Deflektor zu erreichenden Genauigkeitsgrades wichtig sind.
Homogenität des Deflektorfeldes.
Um die Wirkung des Deflektors auf die Kompafsnadel in einfacher Weise dar-
stellen zu können, sind wir zu der Annahme gezwungen, dafs das von den Deflektor-
magneten in der Rosenebene erzeugte Magnetfeld für
das Nadelsystem der Rose als ein homogenes an-
zesehen werden kann. Um zu untersuchen, bis zu welchem
Grade diese Annahme wenigstens in einem speciellen
Falle, nämlich für den Thomson-Kompafs, bei Anwendung
der gebräuchlichen Deflektorentypen gerechtfertigt ist,
wurde eine Reihe von Versuchen angestellt.
Denselben lag zu Grunde ein Thomson-Kompafs,
dessen Rose mit acht Nadeln von 5,5 bis 8,5 cm Länge
ausgerüstet war, und ein Clausenscher Deflektor mit
zwel vertikalen, 8,5 cm langen Magneten. Das Nadelsystem
befand sich in der Entfernung von 7,6 cm unter den
unteren Polen der Magneten, Um auch bei anderen
Werthen der Horizontalkraft als der natürlichen (von
Bremen) beobachten zu können, war der Kompafs auf der
Grundplatte eines Neumayerschen Deviationsmodells
aufgestellt, welches an herabhängenden Brettern Magnete
anzubringen und durch dieselben die Horizontalintensität
in beliebigem Grade zu verändern erlaubte. Der Betrag
dieser Aenderungen wurde durch Tangentenablenkungen
vor und nach dem Gebrauche des Deflektors festgestellt.
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° Ein solcher ist seit einiger Zeit auf der Kaiserlichen Marine in Gebrauch,