Schott: Eine Revision der Proviantdepots für Schiffbrüchige auf Kerguelen etc. 917
Es lagen ferner die eisernen Reifen von einem Falß umher, dessen Inhalt
verschwunden war; wahrscheinlich ist es das Fafs mit den Streichhölzern gewesen,
ja kein roth angestrichenes Faß zu sehen war. Reste von verkohltem Holz,
zerschnittene Leinwandstücke zeugten von der Anwesenheit von Menschen.‘
Wahrscheinlich ist das Depot nicht von Schiffbrüchigen, sondern von
irgend einem Segelschiff (Walfischfänger?) besucht und sein Inhalt etwas er-
leichtert worden.
Es mußte hier aus Mangel an Zeit Alles in genau demselben Zustande
belassen werden, in dem es gefunden wurde.
Zur Theorie des Deflektors.
Von Dr. H. Meldau, Oberlehrer an der Seefahrtschule in Bremen,
Die Behandlung des Kampasses an Bord eiserner Schiffe hat in den letzten
Jahrzehnten eine wesentliche Ausgestaltung dadurch erfahren, dafs man neben
den Deviationen auch die Messung der Richtkräfte der Kompafsnadel für
die Zwecke der Kompensation und der Koefficientenbestimmung in den Bord-
gebrauch eingeführt hat. Seitdem im Jahre 1873 der französische Marineoffizier
E. Fournier zuerst den Gedanken einer praktischen Deviationsbestinmung „mit
Hülie eines magnetischen Instrumentes“!) planmäfsig durchgeführt hatte, sind
nach und nach verschiedene Arten von „Deflektoren“ aufgetaucht, die Anordnung
derselben ist eine immer einfachere geworden, so dafs diese Instrumente heute
selbst von einem Laien zur Kompensation und Deviationsbestimmung des
Kompasses angewandt werden können. Angesichts dieser. Thatsache ist zu
wünschen, dafs der Deflektor, der in den Marinen fast aller europäischen Kultur-
staaten im Gebrauch ist, sich auch in der deutschen Kriegs- und Handelsmarine
mehr und mehr einbürgere,
In der That ist die Kompensation des Kompasses mit Hülfe des Deflektors
eine so einfache Arbeit, dafs dieselbe in vielen Fällen schneller und sicherer er-
jedigt ist, als das bisher ausschliefslich übliche Verfahren durch Peilungen, ?)
ein Umstand, der insbesondere für Kriegsschiffe zu Zeiten von grofser Bedeutung
sein kann. Aufserdem ist man beim Gebrauche des Deflektors von der Sicht-
barkeit von Peilobjekten unabhängig; die Kompensation kann bei bedecktem
Himmel, bei Nebel und diekem Wetter gleich gut ausgeführt werden.
Für die Messung magnetischer Richtkräfte ist man an Bord wesentlich
auf die Methode der Ablenkungen angewiesen, da das Verfahren der
Schwingungen wegen der Bewegung des Schiffskörpers nicht wohl auf See
angewendet werden kann.
Alle Deflektoren bestehen aus einem Magnetsystem, welches centrisch mit
der Rose auf den Kompafsdeckel aufgesetzt wird und dessen magnetisches Moment
in irgend einer Weise variabel gemacht ist entweder durch Veränderung des
Polabstandes von Magnetpaaren oder durch Höher- und Tieferstellung eines
Einzelmagneten. Das Magnetsystem ist aufserdem um die centrale Axe des
Kompafskessels drehbar und kann bei den meisten Anordnungen im bestimmten
Winkel zum Steuerstrich festgestellt werden.
Eine Beschreibung der bisher in Anwendung gebrachten Deflektoren findet
man in der ausführlichen Abhandlung von Gareis „Ueber Deflektoren“ im
XXY. Bande der „Mittheilungen aus dem Gebiete des Seewesens“ 1897.
iy S. „Deviations des Compas, Expose theorique et pratique d’une methode nouvelle pour
determiner rapidement, & la mer, dans toutes les circonstances de la navigation les deviations de
’aiguille aimantee du compas-etalon“ par Ernest Fournier, lieutenant de vaisseau — Die Idee,
Jie Messung der Richtkraft in den Bereich der praktischen Behandlung des Kompasses an Bord
ainzuführen, ist übrigens schon verschiedentlich vorher in England aufgetaucht und zum Theil auch
ausgeführt. Man vergleiche: „Phil, l'ransactions“, 1846, Seite 347, und die kleine Schrift von
Edward Sabine: „Directions for the use of a small apparatus to be employed with & ship’s
standard compass.“ London 1849.
2) Nach den Erfahrungen der Seewarte sind Peilungen, wem erhältlich, immer vorzu-
zahen. Abth. HI d. Seew.