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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

216 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900, 
Wenn wir nach der genauen Beschreibung der Oertlichkeit in den französischen 
Annalen (s. Fulsnote 4 vor. S.) nicht gewulst hätten, dals auf der Nordseite das 
Depot sein müsse, hätten wir wohl überhaupt nichts Auffallendes bemerkt, 
Am 26. Dezember untersuchte der Verfasser in Begleitung zweier Herren 
and einiger Leute der Mannschaft das Depot. Es ist bis dahin unberührt 
zewesen, wie denn Kerguelen in den letzten Zeiten wenig oder gar nicht von 
Walfischfängern oder Robbenschlägern besucht zu sein scheint, da die Thierwelt 
vollständig unbekannt mit dem Menschen war und auch an leicht zugänglichen 
Stellen zahlreiche Herden von Elephantenrobben lagen. 
Ein Theil der vor das Depot gebauten Steinmauer war allerdings ein- 
gestürzt, aber zweifellos unter dem Einflufs der Witterung (Regen, Schnee, Wind). 
Durch eine schadbhafte Stelle des Segeltuchbezuges hindurch entnahmen wir eine 
Fleischdose und konstatirten, dafs ihr Inhalt noch unverdorben und elsbar war. 
Am 27. Dezember wurde eine neue Dose mit Fleisch an Stelle der ent- 
nommenen sowie ein auf unseren Besuch bezügliches Schriftstück deponirt, ein 
aeues Stück Persenning übergelegt und der Steinwall wieder in Ordnung gebracht. 
2. St. Paul. 
Hier lag unsere Expedition nur wenige Stunden vor Anker, und der 
Berichterstatter ist nicht an Land gewesen. Nach Aussage jedoch von Kapt. 
Herrmann aus Reunion, der trotz seiner 70 Jahre wieder mit 20 Mann in 
offenen Booten rings um die Krater-Insel der Fischerei oblag, wie alljährlich im 
südlichen Sommer, und dessen Schooner im Krater-Becken lag, befindet sich das 
Depot in Ordnung; es ist in einem Schuppen untergebracht, welcher auch die 
Ausrüstung und den Fang des Schooners birgt. 
3. Neu-Amsterdam. 
Auf dieser Insel war das Ergebnils am interessantesten. Die „Valdivia“ 
konnte trotz spiegelglatter See selbst fast in Wurfnähe des Landes vor dem 
Depot an der Nordostecke der Insel keinen Ankergrund finden und mulfste mit 
aller Vorsicht zu- und abdampfen unter der Küste, an der überall die Dünung 
hoch aufbrandete. Nur unter erheblichen Schwierigkeiten gelang es, auf den 
nassen Lavablöcken Fufßs zu fassen und das Land zu betreten. Schon vom Schiffe 
aus hatten wir mehrere Herden Rindvieh bemerkt, die, von einem früheren Schiffe 
wohl auch zu Nutz und Frommen von Schiffbrüchigen ausgesetzt, sich offenbar 
stark vermehrt hatten und aufserordentlich scheu waren; die Kühe und Kälber 
entwichen in das Innere der Insel, ehe unsere zwei Jäger nur überhaupt an Land 
gekommen waren. Dagegen gelang es unter Aufbietung aller Vorsicht und nach 
ziemlich aufregender und offenbar nicht ungefährlicher Jagd, einen mächtigen 
alten Bullen, der nahe bei der auch hier noch stehenden französischen Flaggen- 
stange Posto gefafst hatte und wüthend den Boden mit den Hörnern aufrißs, zur 
Strecke zu bringen; das Fleisch wurde an Bord gebracht. 
Wenn Schiffbrüchige nicht Gewehre besitzen, so werden sie von diesem 
büffelartig verwilderten Rindvieh keinen Nutzen und eher Belästigung haben. 
Die Begehung von Neu- Amsterdem ist ganz unbeschreiblich mühsam, da 
der Boden ein einziges Lavablockmeer ist, besetzt mit einer Unzahl von Krateren 
jeder Gröfse in typischster Form und erfüllt von grofsentheils hohlen Lavaströmen, 
in die man mit dem Fulfs einbricht. 
Während die anderen Expeditionsmitglieder anderwärts beschäftigt waren, 
suchte der Verfasser allein in aller Eile das Depot auf, das in dem Hohlraum 
eines Lavastromes untergebracht ist. Hier herrschte schon, während wir wenige 
Tage vorher auf Kerguelen gelegentlich Schneefall hatten, eine brütende Schwüle, 
in dem Depot eine Wärme von über 20° (4. I. 1899). 
Auf Grund der Beschreibung und an der Hand der durch den Flaggen- 
mast und die Inschrifttafel gegebenen Richtung wurde das Depot leicht gefunden 
und sofort festgestellt, dafs Menschen in der Zwischenzeit das Depot 
besucht hatten, Die Untersuchung, der nur ganz kurze Zeit gewidmet werden 
konnte, ergab, dafs von den 13 durch die „Kure“ niedergelegten Fässern 8 noch 
voll und unberührt waren, 3 Fässer ganz leer und 1 Faß zur Hälfte leer ‘und 
offen dastand, so dafs ich die einzelnen Dosen ohne Weiteres herausnehmen konnte.
	        
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