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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
„Am 5. April um 1*p sichteten wir Pulo Mariere. Gegen 4 Uhr, als wir
uns der Insel genähert hatten, kamen fünf Boote mit Eingeborenen von der Insel
ab und bei uns längsseit, um Tauschhandel zu machen, Sie hatten nur wenige
Gegenstände zum Verhandeln bei sich: Fischleinen, Kokosnüsse, einige Bananen,
Fische, Muscheln und kleine Perlen. Es entstand aber ein lebhaftes Tausch-
geschäft; besonders war es Tabak, hinter welchem die Insulaner her waren,
außerdem alte Kleidungsstücke. Immer wurde gerufen nach Tobacco, und schien
dies Wort auch so ziemlich das einzige englische zu sein, das sie kannten.
Einige der Leute wünschten das Schiff zu besehen, was ihnen aber ihrer grofsen
Anzahl wegen verweigert wurde. Als sie mit fünf Booten, mit etwa 40 Mann
Besatzung, auf unser Schiff lossegelten, glaubten wir anfänglich, dafs sie räubern
wollten, doch erwiesen sie sich nachher als ganz harmlose Leute, auch war in
ihren Booten keine Waffe irgend welcher Art zu sehen. Die meisten dieser
Insulaner sahen kräftig und gut genährt aus und waren auf dem Körper schön
tätowirt. Nach ungefähr anderthalb Stunden Aufenthalt längsseit segelten sie
wieder der Insel zu.
Aehnlich fanden wir am nächsten Tage die Bewohner der Anna - Insel.
Als am Vormittage die Insel noch nicht quer vom Schiffe war, sahen wir wieder
vier Boote mit Insulanern unter Segel auf das Schiff zukommen; es dauerte aber
eine verhältnifsmäfsig lange Zeit, ebe sie längsseit kamen, da sie das Riff, welches
sich ziemlich weit nach NNW von der Insel erstreckt, zu umsegeln hatten. Auch
diese Leute waren sehr gierig nach Tabak, den sie gegen Fischleinen und
Muscheln eintauschen wollten. Englisch konnten sie auch nicht viel und schienen
ebenso harmlos zu sein wie die Eingeborenen von Pulo Mariere.“
Der Nordostpassat, der am 5. April auf 4,5° N-Br eingesetzt hatte, führte
als mäfsige bis frische Briese das Schiff in ziemlich rascher Fahrt nach 22,5° N-Br
und 129,2° O-Lg, wo er am 14. April sein Ende erreichte. Mit zuerst noch vor-
wiegenden östlichen Winden steuerte „Peter Rickmers“ alsdann im Osten der
Liu - Kiu - Gruppe auf 130° O-Lg nach Norden, bis 27° N-Br überschritten war,
und darauf mit den vorherrschend werdenden West- und Nordwestwinden mehr
nach NO. KEin günstiger Strom, der das Schiff in zwei Tagen 78 Sm nach
NO'LAN versetzte, gab dabei gute Hülfe. Nach einem Sturme aus S durch SW
nach NW am 18. April kam in der folgenden Nacht das Feuer von Muroto Saki
in Sicht. Dann mufste aber noch zwei Tage gekreuzt werden, ehe das Schiff in
der Nacht vom 20. zum 21. April auf der Aufsenrhede von Hiogo in der Nähe
von Shoalwater-Spitze zu Anker kam.
„Peter Rickmers“ hatte die Reise in der kurzen Zeit von 122 Tagen
vollendet, in 25 bis 30 Tagen weniger, als die Durchschnittsreise in Anspruch
nimmt. Es wurden davon zugebracht auf den Strecken:
Von New York nach dem Aequator in 28,0° W-Lg . . . . 26 Tage.
Vom Aequator nach 0° Länge in 40,5°S-Br. ...... 26
Von 0° Länge nach 80° O-Lg in 41,0°S-Br. . .. ...7
Von 80° O-Lg nach der Ombai-Strafse . . . 2.0.0.0...)
Von der Ombai-Strafse nach der Linie in der Jilolv-Strafse . .ı
Von der Linie nach Hiogo . 5 1.09
Zusammen 122 Tage.
”
Anmerkung der Abtheilung I der Seewarte., Die nach den bis jetzt
(1. März 1900) eingegangenen Journalen gemachten schnellsten Reisen nach
Japan waren:
*
a) Zur Zeit des Nordostmonsuns durch die Ombai- und die Jilolo-Strafse.
Bark „Khorasan“, Kapt. Visser, 1882 September 7 von Lizard, 127 Tage nach Yokohama.
Schift „Adolf“, Kapt. Scheepsma, 1892 September 26 von Philadelphia, 124 Tage nach Nagasaki.
Schiff „Adolf“, Kapt. Scheepsma, 1896 Oktober 12 vom Bristol-Kanal, 113 Tage nach Naygasaki.
Schiff „Erik Rickmers“, Kapt. Wurthmann, 1897 November 3 von Philadelphia, 123 Tage nach Kobe.
Dies Schiff geht anstatt durch die Ombai- durch die Lombok-Strafse.
Viermastbark „Nomia“, Kapt. Rowehl, 1898 November 28 vom Bristol-Kanal, 123 Tage nach Yokohama.
Viermastschiff „Peter Rickmers“, Kapt. Westermeyer, 1898 Dezember 19 von New Yurk, 122 Tage
nach Hiogo.
b) Zur Zeit des Nordostmonsuns Ost von Australien.
Viermastbark „Pisagua“. Kapt. Bahlke. 1897 November 2 von Philadelphia, 131 Tage nach Hiogo.