206
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
Rickmers“ auch Rangun wieder und trat die Heimreise nach Bremen an. Am
24. August wurde die offene See erreicht. Bis zum 5. September, an welchem
Tage Sumatra erblickt wurde, konnte bei mälsigem Südwestmonsun ein ziemlich
befriedigender Fortgang erzielt werden. Als der Monsun aber nach dieser Zeit
stürmisch wurde, nahm die Reise einen langsameren Verlauf. Am 10, September
wurde der Monsun flauer und raumer, und am 13. September wurde in 93,4° O-Lg
der Aequator überschritten.
Nach mehreren Tagen der Stille und leichten Mallung setzte bei dem am
19. September in 4,5° S-Br und 92° O-Lg stehenden „Albert Rickmers“ endlich
der Südostpassat ein, der rasch zum kräftigen Winde zunahm. Bis zur polaren
Passatgrenze, zu welcher das Schiff am 2. Oktober in 28° S-Br und 51° O-Lg
gelangte, war die Fahrt des Schiffes eine ungestörte. Auch als später der Wind
mehrere unregelmäfßig verlaufende Drehungen nach links ausführte, liefßs sich,
weil der Wind sich dabei nur für kurze Zeit im westlichen Halbkreise hielt, ein
befriedigender Fortgang erzielen. Nur bei dem Rundlauf, der sich am 10. Oktober
bei dem damals in 32° S-Br und 32,5° O-Lg, also nicht weit von der Südost-
küste Afrikas, stehenden „Albert Rickmers“ ereignete, wehte der Südwestwind
für kurze Zeit als voller Sturm. Der Luftdruck, welcher in 36 Stunden um 17 mn
abgenommen hatte, erreichte dort mit 757,5 mm seinen niedrigsten Stand, stieg
dann aber wieder innerhalb 20 Stunden bis auf 774,0 mm. Wahrscheinlich machte
sich dasselbe Tiefdruckgebiet zwei Tage später auch bei dem am 12. Oktober
mittags in 24° S-Br und 47,3° O-Lg stehenden Mitsegler „R. C. Rickmers“ be-
merkbar. ‚Doch war bei diesem Schiffe, dem nördlicheren Standpunkte oder,
was gleichbedeutend ist, der gröfseren Entfernung vom Mittelpunkte des Tief-
Uruckgebietes entsprechend, die Stärke des Windes beim Rundlaufe nur eine
wanz geringe und ebenso auch die Ab- und Zunahme des Luftdruckes. Der
niedrigste Stand, der abgelesen wurde, betrug 764 mm. Bei der freilich sehr
willkürlichen Annahme, dafs das Tiefdruckgebiet auf seiner Bahn sich recht
nach O bewegt habe, würde das Verhältnifs der Zeit, zu welcher an Bord beider
Schiffe der niedrigste Barometerstand abgelesen wurde, zur Entfernung der Mit-
segler voneinander in der Ost-— Westrichtung eine stündliche Fortbewegung des
Tiefdruckgebietes von etwa 14 Sm ergehen.
Se
X
/
| 760 kml
KR
N
\ VL
AT
Ass!
25
_
Be
ab
„N.
Or +
X Si "us
fm %
—4—
}
et
49
ze
T ;
A Rail SE | |
BA,
A 6) 2 is
\ % o-
|
1760 mn.
N
A
m
iS Antarnzid |
S. 1 ‚Albert Riekmers“, S. 2 „Prompt“, S. 3 „Palmyra“, S. 4 „Hera“, S. 5 „Plus“, S. 6 „Athene“,
Bei der Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung wurde „Albert Rick-
mers“ durch Gegenwinde nicht sehr lange aufgehalten. Am 19. Oktober kam in
35,5° S-Br und 21,5° O-Lg ein kräftiger Südostwind durch, bei dem noch an
demselben Tage der Meridian von 20° O-Lg geschnitten wurde und der später
ungestört in den Südostpassat überging. Bei „R. C. Rickmers“, der sich am
19. Oktober in 31,5° S-Br und 32° O-Lg befand, stellte sich an diesem Tage
auch ein frischer Südostwind ein, bei dem der Südatlantische Ozean in wenig
Tagen erreicht werden konnte. Beide Schiffe legten dann ohne jede Störung
19/1 1899, 8
20/1 1899, 83
ci