204
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
zember die polare Grenze des Südostpassats angetroffen. Der mäfsige Wind lief
dort um nach NO und vollendete dann während der folgenden zwei Tage, indem
gleichzeitig der Luftdruck um 3 mm abnahm, eine Drehung nach links um den
Kompafs. Nachdem der Wind am 21. Dezember wieder südöstlich geworden war,
nahm der Luftdruck allmählich bis auf 775,5 mm zu. Erst als „Albert Rickmers“
am 27. Dezember nach 38° S-Br in 28° W-Lg gekommen war, wurde der Wind
zum zweiten Male N, und fanden dann keine jener so regelmäfsig verlaufenden
Rundläufe mehr statt. Bei kräftigem Westwinde ging das Schiff am 1. Januar
1899 in 40,5° S-Br von westlicher in östliche Länge über. Es waren bis dahin
21 Tage auf der südlichen Halbkugel zugebracht worden. Etwa zwei Wachen
früher als „Albert Rickmers“ war der Mitsegler „Helios“ in 41° S-Br zum
Meridian von Greenwich gelangt. Dies Schiff hatte 25 Tage vorher den Aequator
verlassen.
Beim Zurücklegen der erforderlichen Länge hielt „Albert Rickmers“ sich
zwischen 42° und 43° S-Br; die höchste am 14. Januar berührte Breite war 43° S-Br
in 57° O-Lg. Die angetroffenen Winde waren fast nur westliche und erreichten
in keinem Falle eine unerwünscht grofse Stärke. Diesem Umstande entsprechend
war längere Zeit hindurch der Luftdruck ein gleichmäfsiger und hoher, nur ein
einziges Mal scheint das Schiff in den Bereich eines auch nur schwachen Tief-
druckgebietes gelangt zu sein. Am 18. Januar überschritt „Albert Rickmers“
in 40,5° S-Br die Länge von 80° O, es waren dann 17 Tage seit dem Verlassen
des ersten Meridians verflossen. An demselben Tage that dies auch in 465° S-Br
Jer Mitsegler, welcher seine Länge in der Nähe von 47° S-Br zurückgelegt
hatte. Am Mittage des 11. Januar hatte sich „Albert Rickmers“ in 42° S-Br
und 44° O-Lg und „Helios“ in 47° S-Br und 46° O-Lg befunden. Ueber beide
Schiffe zog an diesem Tage ein von W herkommendes, sich durch Abnahme des
Luftdruckes und Krimpen des Windes nach NO ankündigendes Tiefdruckgebiet,
dessen Mittelpunkt weiter südwärts lag. Entsprechend der niedrigeren Breite
3ank das Barometer bei „Albert Rickmers“ nur bis auf 753 mm, während bei
„Helios“ ein tiefster Stand von 739,0 mm abgelesen wurde. Als der Luftdruck
zuzunehmen begann, setzte bei beiden Schiffen kräftiger durchstehender West-
wind ein.
Nachdem 70° O-Lg überschritten worden war, hatte „Albert Rickmers“
einen nördlicheren Kurs gesteuert, auf dem anfänglich bei frischem Nordwest-
winde noch ein rascher Fortgang ‚erzielt wurde. Unweit 34° N-Br in 96° O-Lg
kam aber am 23. Januar nach Stille ein nordöstlicher Wind durch, der zwar
später zum Passat wurde, sich dann aber in solch schraler Richtung hielt, dafs
es nicht möglich war, dabei auf nördlichem Kurse nennenswerth Östlänge mit
anzuholen. In der Hoffnung auf den nördlich vom Passatgebiet zu erwartenden
Nordwestwind liefs Kapt. Warneke ungestört nach N liegen. Als das .Schiff
am 4. Februar nach 6,5° S-Br in 95° O-Lg gelangt war, endete der Passat und
es folgte auf ihn leichte südliche Mallung, die mehrere Tage anhielt. Am 7. Fe-
bruar kam aber in 6° S-Br und 97° O-Lg ein mäfsiger beständiger Nordwest-
wind durch, der, von starker Ostströmung begleitet, das Schiff rasch nach Osten
führte. Kapt. Warneke beschlofs dann, entgegen seiner ursprünglichen Absicht
durch eine der östlicher liegenden Strafsen zu gehen, den Weg durch die Sunda-
Straße zu nehmen. Am 11. Februar gelangte „Albert Rickmers“ in Sicht von
Krakatau-Eiland, die Sunda-Strafse wurde durchsegelt und am 153. Februar die
Sunda-See erreicht. In ihr trat der Nordwestmonsun nur in mäßiger Stärke
auf, doch wurde die Fahrt von östlicher, im Mittel mehr als 1 Knoten starker
Strömung begünstigt. Vor der Salayer-Strafse verursachte Windstille eine kurze
Verzögerung, am 19. Februar konnte sie indessen bei frischem Westnordwestwinde
durchsegelt werden. Bei mäfsigem Nordwestmonsun und östlicher Strömung
wurde später auch die Molukken-See durchsegelt und schließlich am 2. März in
129° O-Lg der Aequator erreicht. Es waren bis dahin 19 Tage verflossen, seit
„Albert Rickmers“ zum südlichen Kingange der Sunda-Straße gelangt war,
Im Stillen Ozean nahm die Reise zunächst nur einen langsamen Verlauf,
Erst nachdem auf die dort anfänglich angetroffenen, schwachen, nordöstlichen
Winde der am 12. März in 9° N-Br und 130,5° O-Lg beginnende, fast zu stür-
mische Nordostpassat gefolgt war, liefs sich wieder ein rascherer Fortgang er-
zielen. Am 16. März wurde der Balintang-Kanal durchsegelt und am 18. März