Von Hamburg nach Hongkong und Kiautschou und zurück.
= Sn
2}
Von Hamburg nach Hongkong und Kiautschou und zurück.
Oktober 1898 bis November 1899.
Reise der Bremer Viermastbark „Albert Rickmers‘“, Kapt. G. Warneke.
Die letzte Reise, die dieses kürzlich vom Norddeutschen Lloyd angekaufte,
zu einem Schulschiffe bestimmte Schiff unter seinem alten Namen machte, ist in
mehrfacher Hinsicht lehrreich, und wird deshalb von ihr bier eine kurzgefafste
Beschreibung gegeben. |
Von Hamburg nach Hongkong und Kiautschou bestimmt, hatte der „Albert
Rickmers“ am 29. Oktober 1898 die Elbe-Mündung verlassen und war nach lang-
samer Fahrt bis zum 11. November nach Lizard gelangt. Bei südlichem und
nordwestlichem Winde, der die Folge eines am 11. und 12. November über dem
östlichen Theile des Nordatlantischen Ozeans nach Norden ziehenden Tiefdruck-
gebietes war, konnte anfänglich ein rascher Fortgang erzielt werden, doch ver-
ursachten später leichte südwestliche Winde und Stillen, die mit einem grofsen
über Mitteleuropa lagernden Hochdruckgebiete zusammenhingen, eine längere,
bis zum 19. November dauernde Verzögerung der Reise. KErst als sich die Wir-
kungen eines zweiten von NW her nähernden Hochdruckgebietes geltend machten,
konnte bei kräftigem Nordostwinde aufs Neue ein rascher Fortgang erzielt
werden. Es schien, als ob dieser nordöstliche Wind ohne Weiteres zum Passat
werden wollte. Nachdem jedoch 22° N-Br schon überschritten worden war, lief
der Wind noch wieder hoch südlich und ging schliefslich in Stille über, Erst
von 20,5° N-Br in 27,5° W-Lg ab, wohin „Albert Rickmers“ am 28, November
gelangt war, wurde die Fahrt von beständigem Passat begünstigt. Der Passat
endete am 4. Dezember in 4,5° N-Br und 24,7° W-Lg, und waren dann fast sechs
Tage erforderlich, um den sich bis nach 2,5° N-Br und 23,5° W-Lg ausdehnenden
Stillengürtel zu überschreiten. Am 11. Dezember, 30 Tage später als der Kanal
verlassen worden war, ging der „Albert Rickmers“ in 26° W-Lg von nördlicher
in südliche Breite über. 40° N-Br hatte das Schiff in 225° W-Lg am 21. No-
vember, 30° N-Br in 25,5° W-Lg am 23. November, 20° N-Br in 28° W-Lg am
29, November und 10° N-Br in 25,5° W-Lg am 2. Dezember gekreuzt.
Am 6. Dezember hatte das nach Santos bestimmte Hamburger Vollschiff
„Ortrud“, Kapt. E. Butz, in 29,5° W-Lg den Aequator überschritten, 27 Tage
später, nachdem es den Kanal verlassen hatte. KEin anderer Mitsegler, die auf
einer Reise nach Sydney begriffene Hamburger Bark „Helios“, Kapt. F. Oster-
mann, welche sich am 10. November bei Lizard befunden hatte, erreichte den
Aequator in 30° W-Lg am 7. Dezember. Auch von diesem Schiffe war die Strecke
Lizard—Linie in 27 Tagen zurückgelegt worden. Noch ein dritter Mitsegler, das
von Barry ausgegangene, nach Chile bestimmte Bremer Vollschiff „Nesaia“, Kapt.
E. Plander, welches 50° N-Br am 9. November verlassen hatte, erreichte süd-
liche Breite in 285° W-Lg am 11. Dezember nach 32 tägiger Reise ab 50° N-Br.
Die rascheren Reisen von „Ortrud“ und „Helios“ waren eine Folge davon, dafs
diese beiden Schiffe von den leichten südwestlichen Winden verschont blieben,
welche der „Albert Rickmers“ vom 13. bis zum 19. November zwischen 46° N-Br
and 43° N-Br angetroffen hatte. Bei jenen am 13. November schon etwas
südlicher stehenden Mitseglern äufserten sich die Wirkungen des erwähnten-/über
ganz Mitteleuropa gelagerten Hochdruckgebietes, zusammentreffend mit dem Ein-
flusse eines über dem westlichen Theile des Mittelmeeres gelagerten Tiefdruck-
gebietes, als frische Ostwinde, bei denen sich diese beiden Schiffe rasch nach
Süden hin entfernten. Südlich von 30° N-Br wurden sie dagegen wieder längere
Zeit durch leichte östliche Winde aufgehalten. Das Passatgebiet betrat „Ortrud“
in 20,3° N-Br und 245° W-Lg am 27. November, „Helios“ in 19° N-Br und
26,5° W-Lg am 28. November und „Nesaia“ in 20° N-Br und 27,5° W-Lg am
28. November. :
Im Südatlantischen Ozean nahm die Reise des „Albert Rickmers“ bei dem dort
angetroffenen frischen Passat einen günstigen Verlauf. In der Nähe von 23° S-Br
in 33° W-Lg, wo der Luftdruck bis auf 768 mm gestiegen war, wurde am 19. De-