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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
Long Island-Sund,
Nach Bericht von Kapt. A. Schumacher, Vollschiff „Ebenezer“. Oktober 1899,
Das Vollschiff „Ebenezer“ aus Geestemünde, von New York mit einer
Ladung Naphtha nach Havre bestimmt, nahm, von New York ausgehend, seinen
Weg durch den Long Island-Sund. Das Schiff verliefs am 26. Oktober 1899
seinen Ladeplatz im Kast River und wurde von zwei Schleppdampfern durch
Hell Gate, und dann weiter von einem Dampfer bis aufserhalb der Execution-
Klippe geschleppt, wo man Nebels halber ankern mufste und auch am 27. und
28. Oktober noch dichten Nebels und östlichen Windes halber liegen blieb. Am
29. Oktober lichtete man um 2 Uhr morgens Anker und segelte unter Lootsen-
führung mit frischem Südwestwinde weiter. durch den Sund. Um 12 Uhr mit-
tags am selben Tage verließ der Lootse in seinem eigenen kleinen Boote das
Schiff in der Nähe von Race Rock, und um 8 Uhr abends peilte man Bilock-
Eiland NNW, befand sich also in offener Sce, etwa 2!/z Sm östlich vom Sandy
Hook-Feuerschiffe.
Ueber die Wahl dieses ungewöhnlichen Weges giebt Kapt. Schumacher
die nachstehenden Erklärungen: Wenn man oberhalb der Brooklyn-Brücke im
Kast River ladet, so mul man, um durch die Bucht von New York nach See
zu gehen, die Brooklyn-Brücke passiren und zu diesem Zweck die Bramstängen
herunter nehmen. Da man von New York gewöhnlich mit einem grofsen Theil
neuer Mannschaft ausgeht, die erst bei der Abfahrt an Bord kommt, so ver-
ursacht das spätere Wiederaufbringen der Bramstängen Schwierigkeiten, und es
gehen gewöhnlich 2 bis 3 Tage Zeit dadurch verloren.
Der Schlepplohn ist auf beiden Wegen gleich, aber auf dem Wege durch
den Sund spart man erheblich an Lootsengeld gegenüber dem Wege durch die
Bucht von New York. Ich zahlte für die lange Strecke nur 45 $, während ich
durch die Bucht einkommend als Sommertaxe 117 $ zu bezahlen hatte. Ich
wählte also diesen Weg, um Zeit und Kosten zu sparen.
Was nun die Gefährlichkeit des Sundes anbetrifft, so halte ich dieselbe
keineswegs für groß. Das gefährliche Hell Gate passirt man bei Stauwasser
mit Hülfe von zwei Schleppdampfern. Aufserhalb der Execution-Klippe kann
man sowohl des Nachts wie am Tage unter Segel gehen. Der Sund ist gut be-
feuert, man hat an beiden Seiten guten Ankergrund, und wenn der Lootse von
Bord ist, hat man nur noch zwei Untiefen zu passiren, die durch gute Heultonnen
bezeichnet sind.
Lothungen auf der Rockall-Bank,
Nach einem der Seewarte zugegangenen Bericht befand sich der Hamburger
Dampfer „Canadia“, Kapt. Ad. Schmidt, auf der Reise von Stettin nach New
York begriffen, am Mittage des 28, November 1899 nach Besteck auf 57° 4‘ N-Br
und 13° 30‘ W-Lg. Es herrschte zur Zeit schwerer Westsüdweststurm, der dem
Fortgang des Dampfers sehr hinderlich war. Da man wegen unsichtiger Witterung
seit dem Passiren von Kap Wrath keine Ortsbestimmungen hatte machen können,
infolgedessen der Schiffsort unsicher war, man sich nach Besteck aber in der
Nähe der Rockall- Klippe befinden sollte, so wurde eine Lothungsreihe vor-
genommen, die in untenstehender Tabelle wiedergegeben ist. Dieselbe ergab
genügenden Anhalt über den Schiffsort, läfst sich aber mit den allerdings nur
dürftigen Tiefenangaben der britischen Admiralitäts - Karte No. 2, „The British
Islands“, nicht gut in Einklang bringen. Die Grundprobe der dritten Lothung
wurde mit eingeliefert.
4. Lothung -
2. Lothung .
3. Lothung -
4. Lothung.
Kurs und Distanz
Zeit
S717°W 4' 4b p
S75°W 12 öhp
S1°W 5 7hp
S300W WU 8lıp
Wassertiefe
163m (89 Faden)
{24m (68 Faden)
275 m (150 Faden)
220 m (120 Faden)
Grundprobe
Sand.
Grober Sand.
Steine.
Grober Sand.