Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1900.
Kapt. G. Höckelmann, Bark „Antigone“ berichtet über Antofagasta
Folgendes:
Die Ansteuerung ist ziemlich leicht, da die grofse Moreno-Bucht nicht ver-
wechselt werden kann. Vom Süden kommend, bietet Jara-Huk eine gute Land-
marke; wenn sie passirt ist, wird man bei einigermafsen sichtiger Witterung bei
Tage sowohl wie bei Nacht die Schmelzöfen der grofsen Silber- und Kupferschmelze
von Playa Blanca, 2 Sm südlich von Antofagasta, gewahr und etwas später die
auf der Rhede ankernden Schiffe. Der in früheren Berichten erwähnte weifse
Anker an den hinter der Stadt liegenden Bergen, der etwa 30 m lang sein soll,
wurde bei unserer letzten Anwesenheit weils angestrichen, so dafs er deutlich
aervortrat und jetzt vielleicht als Landmarke dienen kann; bei unserer Ankunft
war er ganz verwittert und kaum auszumachen.
In der Regel kommt der Lootse in gehöriger Entfernung den einsegelnden
Schiffen entgegen; da jedoch nur ein Lootse angestellt ist, kann man nicht immer
bestimmt auf ihn rechnen. Für den Fall, dafs er nicht an Bord kommt, würde
ich rathen, westlich von den Schiffen in möglichster Nähe derselben zu ankern.
Schleppdampfer sind beim KEinsegeln nicht zu bekommen. Beim Auslaufen,
wozu die beste Zeit früh morgens von 2 bis 3 Uhr ist, wird gewöhnlich einer
der kleinen Dampfer benutzt, Dieser schleppt das Schiff gegen eine Vergütung
von 10 Cts. für die Registertonne soweit nach südlicher Richtung hinaus, dafs es,
wenn die Seebriese einsetzt, mit B, B.-Halsen die Tetas-Huk klaren kann.
Der Führer eines nach hier bestimmten Schiffes hat dem Ankergeschirr
eine besondere Sorgfalt zuzuwenden, denn durch das unaufhörliche Auf- und
Niederstofßen der Ketten auf dem steinigen Boden arbeitet sich leicht ein Schäkel
los. Den vielen Berichten über hier verloren gegangene Anker und Ketten kann
ich noch hinzufügen, dafs bei unserer Anwesenheit im August und September 1899
von den sechs hier liegenden deutschen Schiffen drei je einen Buganker und 15
bis 30 Faden Kette verloren und das eine von diesen auch noch so unglücklich
war, seinen hinteren Vertäuanker zu verlieren; wegen des unebenen, felsigen
Bodens und verhältnismäßig tiefen Wassers gelang es in keinem Falle, den
Anker wieder aufzufischen.
Da bei meinen früheren Reisen ähnliche Fälle in Antofagasta sich ereig-
neten, so habe ich mir diesmal die Mühe gemacht, auf der Fahrt hierher beide
Ankerketten an Deck zu holen und in die hölzernen Pflöcke sämmtlicher Schäkel
lange, eigens zu diesem Zwecke gekaufte Drahtnägel hineinzuschlagen. Es wird
auf diese Weise kaum möglich sein, dafs sich ein Schäkel lösen kann. Selbst-
verständlich müssen die Nägel später wieder entfernt werden, da sie sonst fest-
rosten würden. Die gröfste Wahrscheinlichkeit, den Anker zu verlieren, liegt
vor, wenn sich ein Schäkel in der Wasserlinie oder eben unter Wasser befindet;
Jenn da man auf 15 bis 17 Faden Wasser liegt, wird der nächstfolgende Schäkel
durch das Stampfen des Schiffes immer abwechselnd den Grund berühren und so
der gröfsten Gelahr ausgesetzt sein, sich zu lösen.
Der manchmal fast stürmisch wehende Landwind macht es nothwendig,
dafs auch die hinteren Vertäuungen nicht zu leicht genommen werden. In Iquique
und in den benachbarten Häfen kennt man diese heftig auftretenden Landwinde
nicht, und es kommt dort fast nie vor, dafs die Schiffe aus ihrer Lage getrieben
werden, was in Antofagasta nichts Seltenes ist. Mitte Mai 1896 hatten wir dort
a. a. einen äußerst heftigen Landwind, der morgens zwischen 9 und 10 Uhr
mindestens die Stärke 9 erreichte, Bei sämmtlichen Schiffen brachen entweder
die hinteren Vertäuungen oder die Heckanker schleppten mit, so dafs alle ganz
herumschwoiten und vor den Bugankern zu liegen kamen. Die Luft war so
dick von dem von den Bergen herabwirbelnden Staub, daß man zeitweilig das
nächstliegende Schiff nicht sehen konnte.
Salpeter wird in Antofagasta nur wenig verladen; im Monat September
d. Js. ging z. B. nur ein Schiff mit Salpeter ab. Die meisten Schiffe kommen
mit Kohlen von Newcastle (Australien) oder mit Kokes und Kohlen von
England oder vom Kontinent. In der Regel behalten sie soviel Kohlen oder
sonstiges Schwergut an Bord, um damit nach Iquique oder einem anderen Sal-
peterhafen versegeln zu können,
Die dann und wann mit Holz von N kommenden Schiffe haben immer einen sehr
langen Aufenthalt zu gewärtigen, da es an geeigneten Löschvorrichtungen für die