Antofagasta.
Moreno und Jorge erblicken. Etwas später kommen die auf der Rhede liegenden
Schiffe in Sicht. ; a. .
Nachts wird. das Leuchtfeuer von den elektrischen Lichtern des Hütten-
werkes überstrahlt. und ist schlecht auszumachen. ;
Näher kommend, muls man die rothe Tonne, die die Westkante des vor
der Stadt liegenden Riffes bezeichnet, an St. B. lassen. Das Riff erstreckt sich
etwa 3 Kblg. seewärts und bildet einen kleinen Schutzhafen für kleine Fahrzeuge,
La Poza genannt, dessen 60 m breite und 2,7 bis 5,5 m tiefe Einfahrt nach N zu
durch eine schwarze stumpfe Tonne begrenzt .wird. Wegen der starken
Brandung ist diese Einfahrt oft unpassirbar. Boote müssen hier stets sehr vor-
sichtig sein. Man halte sich südlich von der schwarzen. Tonne und steuere
grade auf das Zollhaus zu, bis die Barre passirt ist.
Den besten Ankerplatz findet man westlich vom weißen Anker auf 27 bis
36 m Wasser, etwa 6 Kblg. vom Lande entfernt. Der Ankergrund ist steinig und
uneben und voll von verlorenen Ankern und Ketten. Gegen die südwestliche
Dünung, die bei Voll- und Neumond und in den Monaten Mai, Juni und Juli
etwas stärker wie gewöhnlich auftritt, ist die Rhede vollständig ungeschützt. Im
Allgemeinen sind jedoch Wind und Seegang nicht so stark, um die Sicherheit
der Schiffe zu gefährden. Der in den Morgenstunden wehende Landwind ist ge-
wöhnlich frischer als der tagsüber stehende Seewind, oft sogar stürmisch. Nachts
ist es still. Der Ankerplatz für Kriegsschiffe ist in der Peilung des Ankers 0
und. des Zollhauses S0z0!/20. Die Segelschiffe werden vom Lootsen mit dem
Bug nach SW vertäut. . Für den Heckanker nehme man des starken Landwindes
wegen mindestens 165m Kette; beim Buganker achte man darauf, dafs kein
Schäkel eben frei vom Grunde ist oder eben den Grund berührt, weil sich beim
Stampfen des Schiffes durch das fortwährende Arbeiten der Kette der Schäkel
leicht lösen und Anker und Kette verloren gehen kann.
Von der Tetas-Huk läuft nach dem Bericht von Kapt. Gerlitzky, Schiff
„Susanna“, zuweilen ein starker südöstlicher Strom in die Moreno-Bucht, der.auf
der Rhede sehr fühlbar ist.
Leuchtfeuer. Ein weifses unterbrochenes Feuer, das alle 10 Sekunden
7 Sekunden sichtbar und 3 Sekunden verdunkelt ist, brennt auf dem Zollhause.
Es ist 8 Sm weit sichtbar über einen Bogen von 90° von N44°O bis S46°0 und
brennt gewöhnlich von Sonnenuntergang bis Mitternacht oder, wenn ein Dampfer
erwartet wird, die ganze Nacht. ‘Das Feuer wird von den elektrischen Lichtern
der Fabriken überstrahlt und ist kaum zu sehen. ;
Lootsen. Der Lootse kommt den Schiffen etwa 4 Sm weit entgegen und
vertäut sie mit seinem Vertäuleichter auf dem Liegeplatz. Es besteht kein
Lootsenzwang, doch nehmen alle Segelschiffe schon des Vertäuens wegen einen
Lootsen, Das Lootsengeld wird nach dem Tonnengehalt berechnet. Ein Schiff
von 1873 Registertonnen netto bezahlte einschl. Vertäuen einkommend 174 M. und
auslaufend (in Ballast) 119 M.
Schleppdampfer sind einige kleinere vorhanden, die hauptsächlich zum
Schleppen der Leichter verwendet werden. Auslaufend nehmen Segelschiffe
gewöhnlich einen Schlepper an, der sie soweit seewärts bringt, dafs sie mit ein-
setzender Seebriese frei vom Lande liegen können. Der Schlepplohn beträgt etwa
0,10 $ für die Registertonne. -
Gesundheitspolizeiliche und zollamtliche Behandlung. Der ärztliche
Besuch mufß abgewartet werden. Gesundheitspafs, ein Ladungsmanifest und eine
Proviantliste werden verlangt.
— Mafenkosten. Es sind nur Krankenhausabgaben, 0,10 $ für die Register-
tonne, zu bezahlen. .
Die Stadt Antofagasta hat etwa 14 000 Einwohner. Einige Hüttenwerke
sind vorhanden. Zwei Landungsbrücken, an denen auch die Boote anlegen,
dienen zum Laden und Löschen der Leichter. Dreimal wöchentlich laufen Dampfer
vom Norden. und Süden den Hafen an. Eine Eisenbahnlinie führt nach den Minen
bei Salinas; telegraphische Verbindung besteht mit allen Häfen an der Küste.
Schiffsausrüstung, Kohlen sind gewöhnlich zu haben. Frischer Proviant
mit Ausnahme von Fleisch ist knapp und theuer. Trinkwasser (kondensirt) kostet
0,03 $ die Gallone — 4,5 Liter. In Antofagasta ist eine Zollniederlage für Bolivien,
aus der man verschiedene Bedarfsartikel u. 8. w. unverzollt erhalten kann.‘
Sandballast kostet 1.70 $ die Tonne frei längsseit.
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