Schott: Sprungwelle und Fluthgröfse im oberen Theil der Fundy-Bai.
. Es zeigt sich dann, dafs die Höhe: der Springfluthwelle des Petitcodiac
den Vergleich mit derjenigen des Tsien-tang-Flusses nicht wohl aushalten kann;
während nämlich in dem chinesischen Fluß die Bore.eine durchschnittliche
Höhe von 2,7 bis 3 m und zeitweise sicher die gewaltige Höhe von 5m
erreicht, hat die Wassermauer in dem kanadischen Flufs nur eine Höhe von
knapp 1m. Auch ist die Schnelligkeit der Vorwärtsbewegung vergleichsweise
sehr verschieden, sie beträgt etwa 20km im Tsien-tang gegenüber ungefähr
14 km im Petitcodiace, und es werden sogar 25 km Geschwindigkeit vom Tsien-
tang berichtet.
Der Fluthhub oder die Gröfse des Fluthwechsels erreicht bei Haining,
da, wo der Stürmer des Tsien-tang stets die mächstigste Entwickelung aufweist,
5,8 m, in Moncton aber über 10 m, wie ja überhaupt das Gezeitenphänomen in
der Fundy-Bai viel grofsartigere Gestalt als in der Hang-tshau-Bucht annimmt,
Man hätte daher wohl vermuthen können, dal auf dem Petitcodiac auch die
Springfluthwelle noch höher sein werde als auf dem Tsien-tang, doch mufs man,
um sich eine begründete Vorstellung davon machen zu können, warum die Bore
in der Fundy-Bai nicht so ausgebildet ist wie in der Hang-tshau-Bucht, ganz
genau die Bodengestaltung der in Frage kommenden Gebiete, zumal ihre Tiefen
und Zugangsbreiten, vergleichen können, wozu hier das Matetial nicht ausreicht.
Für die Auffassung des Phänomens als solchen sind die zwei kanadischen
Diagrammkurven werthvoll, da ihr Verlauf mit Kapt. Moores Bericht über den
Tsien-tang insofern übereinstimmt, als hinter dem Wasserberg der Springfluth-
welle kein Wellenthal etwa folgt, sondern ein ständiges, durch drei Stunden an-
dauerndes Steigen des Wasserniveaus; ein bedeutender Unterschied besteht aber
in quantitativer Hinsicht, auf dem chinesischen Strom beträgt die weitere Zu-
nahme der Wassertiefe während des Fluthstromes nur etwa */4 der Höhe der
ersten Kaskade (also ungefähr 2,2 m), dagegen steigt auf dem Petitcodiac das
Wasser noch um das Neunfache der Höhe der Sprungwelle (um 8 bis 9 m).
Die Mittheilungen über die Gestalt der Front der Bore waren, was den
'Tsien-tang anlangt,!') widersprechend, doch sollte nach der einen Angabe
Moores derjenige Theil der Kaskade ein wenig zurückbleiben, der über dem
tiefsten Theile des Flufsbettes läuft: man sieht, es ist dies dieselbe Anschauung,
die Dawson für die Form der Bore auf dem Petitcodiac vertritt.
Fluthgröfsen.
An zweiter Stelle gehen wir noch kurz ein auf die Fluthgröfsen im
Cumberland Basin, der nordöstlichsten Bucht der Fundy-Bai, Von hier aus
ist eine Schiffseisenbahn geplant, die hinüber zur Baie Verte in den St. Lorenz-
Golf führen soll. Durch die Ingenieurabtheilung dieser „Chignecto Ship Rail-
way“ sind nun eingehende Beobachtungen über die Wasserstände an den beiden
Endpunkten der künftigen Transportbahn angestellt worden, und diese Wasser-
stände sind beide auf dasselbe ideale Niveau bezogen, indem der Nullpunkt
100 engl. Fulß unter der am 5. Oktober 1869 in Fort Lawrence Dock be-
obachteten Fluthhöhe, der höchsten in der Fundy-Bai gemessenen Springfluthhöhe,
angesetzt ist.
Diese Wasserstandsablesungen sind um deswillen noch besonders interessant,
weil im Cumberland-Basin der Fluthhub am gröfßsten ist, abgesehen von der
Noel-Bai und von Horton Bluff im Minas Basin; nach den Admiralitätslisten
beträgt die Fluthgröße:
185
bei Springtidel bei Niptide
m
m
15,4 13,3
a 14,6 12,2
im Cumberland Basin bei Sackville | 13,8 11,6
Dawson veröffentlicht in graphischer Darstellung für fünf Monate des
Jahres 1893 diese Pegelmessungen, wir geben daraus die Höhen von einem
Monat, dem Oktober, wieder (siehe Fig. auf Tafel 6).
in No&l-Bai . . .
in Horton Bluff .
:) Siehe a. a. O0. S. 470.