184 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900.
abwärts sich darstellen würden; unter der Zugrundelegung von 13,6 km mittlerer
Geschwindigkeit kann man dann einen Längenmafsstab beifügen, der es gestattet,
für die verschiedenen Flufsstrecken die in einem gegebenen Momente vorhandenen
Fluthhöhen abzulesen.
Betrachtet man die Kurve für Springgezeit, so sieht man deutlich, dafs die
Bore selbst, die das erste steile Ansteigen des Wasserspiegels verursacht, eine
Höhe von etwa 90cm hatte, und rund 95cm giebt Dawson auch als gute
Durchschnittshöbe der Welle bei gewöhnlicher Springfluth an. Von Kinflußs
darauf dürfte die Höhe des Niveaus sein, bis zu welchem das Wasser mit
der Ebbe weggefallen ist, und diese ist naturgemäfs bei verschiedenen Tiden
verschieden.
Am 22, August 1892 ist eine Photographie der Sprungwelle aufgenommen
worden, aus der man die Höhe zu 160 cm abgeleitet hat, doch bleibt es hierbei
nicht ausgeschlossen, dafs man die innerhalb der ersten fünf Minuten erreichte
Wasserhöhe damals als Sprungwellenhöhe angenommen hat, was entschieden
inkorrekt ist.
Setzen wir den Eintritt der Sprungwelle bei Moneton auf 0 Minute einer
Uhr an, und das eben vor Beginn vorhandene Niveau = Om, so erhalten wir
für die folgenden Uhrzeiten die nebenstehenden Wasserhöhen bei Spring- und
Niptide und die folgenden Zunahmen der Wasserhöhe für je fünf Minuten Zeit-
unterschied.
Minute
2
3
4
n
5
5
9
5
Mi)
ä
1)
+5
Springfluth
(zesammt- 3 |
höhe in Zunahme in
em Ta
Nipfluth
Gesammt- x
“an Zunahme in
höhe in
en em
0 — 0
92 — IRA —
107 — 50 —_
120 — 65 —
128 | -- 75 -
136 136 81 81
178 42
226 45
264 28
306 4?
350 14
375 25
412 37 |
440 Is
120 39
141 3
178 37
204 26
225 24
255 27
290 35
3192 Jo
|
4 .
Die in der ersten Minute erreichte Wasserhöhe von 92 bezw. 42 cm
kann als Höhe der Sprungwelle angesehen werden. Nach dem Passiren der
Bore steigt das Wasser also durchschnittlich um ungefähr 7,5 bis 8 cm pro
Minute bei Springtide, um 5,5 bis 6 cm bei Niptide.
Auf Grund der mehrmonatigen Aufzeichnungen des Fluthmessers zu
Moncton im Sommer 1898 läfst sich sagen, dafs die Ankunft der Sprungwelle
zwischen 3" 1” und 3 34” vor Hochwasserzeit stattfindet.
Der Petitcodiac-Flufs ist die einzige Gegend im Gebiet der Fundy-Bai,
wo eine Bore beobachtet wird; früher trat diese Erscheinung noch in dem
oberen Theil der Cobequid-Bucht an der Mündung des Shubenacadie-Flusses bei
Maitland auf, seitdem jedoch die Sandbarre unterhalb dieses Ortes ihre Lage
verändert hat, kommt es nicht mehr zu einer eigentlichen Bore, nur hin und
wieder bricht der einsetzende Fluthstrom in kleinen Wellen. —
Es liegt nun nahe, eine kurze Vergleichung der hier durch die „Canadian
Tidal Survey“ gewonnenen Zahlenwerthe der Sprungwelle des Petitcodiac
mit den entsprechenden Werthen anzustellen, die wir durch die britischen Ver-
messungsschife „Rambler“ und „Penguin“ über die Fluthwelle im Tsien-tang-kiang
erhalten haben. !)
5 Siehe „Annalen der Hydrographie etc.“ 18496. S. 466 ff. mit 2 Abbildungen,