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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Schött:! Sprungwelie und. FMuthgröfse im. oberen Theil. der Fundy-Bai, 188 
‚. Der Höchstbetrag, um den der Wasserspiegel während des Ebbestromes 
fallt, ist 2,6 m in der Stunde; dies schnelle Fallen. beobachtet man: in den, ersten 
sechs Stunden nach Hochwasser; später wird dann die Abnahme, der ‚Wassertiefe 
so gering, dafs ein zufällig an den Fluß kommender Beobachter meinen kann, 
der Wasserspiegel bleibe fast Stunden lang unverändert; doch fällt das Niveau 
vor Ankunft des Stürmers immerhin. noch etwa um 10cm in der Stunde. 
Die ersten Beobachtungen ..über .die Sprungwelle machte Dawson. am 
Abend des 4. August 1898, von einem Monetoner Kai aus, der einen Ueberblick 
über den Fluß, besonders flußsabwärts bis auf 4 km, gestattete. Es war kurz 
nach Vollmond, der Mond stand hoch am Himmel und war von Wolken nicht 
bedeckt. Eine sehr leichte Briese störte die abendliche Stille nicht, so dafs man 
jedes Geräusch gut mufste hören können. Es war Springgezeit. ... 
Den ersten Ton der heraufkommenden Sprungwelle hörte man um 118" 
(Ortszeit des 60. Meridians), und um 11* 10” war der Ton schon sehr deutlich, 
ähnlich dem eines in der Ferne fahrenden KEisenbahnzuges, Bald wuchs die 
Intensität des Geräusches, und man hörte jetzt das für brechende und schäumende 
Wellen charakteristische Brausen und Zischen, bis um 11* 19”, also elf Minuten, 
nachdem -man den erten Ton vernommen, die Bore den Standpunkt des Beobachters 
erreichte. 
‚Die Höhe. der mit reifßsender Geschwindigkeit heraufkommenden: Fluth, 
deren Front weil schäumte, wurde auf 0,6 bis 0,9 m geschätzt; die. Front war 
nicht gradlinig, sondern hatte die Form eines geschwungenen Seils, dessen 
Biegung in der Mitte sich befindet, da, wo der Ebbestrom oder der Flufs die Bore 
trifft, dieselbe etwas zurückhaltend. 
Die Geschwindigkeit des hinter der Bore folgenden Fluthwassers ist 
dieselbe wie die der Bore, und es folgen gewöhnlich nach derselben noch 
einige kleinere Sprungwellen, deren Wasserhöhe einige wenige Centimeter 
beträgt. Bei Tage sieht man, dafs das Wasser der Sprungwelle ausnehmend 
schlammig, schmutzig rothbraun ist, gerade so, wie das eigentliche Flulswasser. 
Bei einer steifen, flußsabwärts wehenden Briese kann man das Brausen der‘ Welle 
erst innerhalb weniger 100 m Entfernung hören, 
Bei Niptiden. kommt die Bore auch, die Höhe beträgt dann aber nur 
30 bis 40 cın. 
Durch Beobachtungen der Zeit des Auftretens der Bore an verschiedenen 
Punkten des Flufsbettes bei Moneton seitens mehrerer Beobachter stellte man 
fest, daß am 5. und 6. August 1898, d. h. für die 3. und 5. Tide nach der 
höchsten Springtide zu Anfang August, die Geschwindigkeit der Vorwärtsbewegung 
des Stürmers im Durchschnitt 13,6 km betrug. 
Interessant sind die genauen Wasserstandsbeobachtungen, die damals vom 
Eintritt der Bore an während einer Stunde etwa ausgeführt worden und in dem 
Diagramm auf Tafel 6 zusammengefafst sind. Wir müssen dabei scharf die 
eigentliche Sprungwelle; die nur den vordersten (linken) Theil des Profiles in 
seinem ersten Anstieg von etwa 1m Höhe ausmacht, von dem danach fortgesetzt 
durch drei Stunden hin vor sich gehenden Steigen des Wasserspiegels während 
des Fluthstromes trennen. 
Die Kurven geben das. Steigen des Wassers nur für einen Zeitraum von 
etwa 3/4 Stunde und eine Zunahme der Höhe des Wasserspiegels um 4 m an; 
sollte der gesammte Verlauf des Fluthstromes nach Zeit und Höhe zur Dar- 
stellung kommen, so müfsten die Zeichnungen um mehr als das Doppelte noch 
verlängert werden. Aber die erste Stunde des Fluthstromes, der mit der 
Sprungwelle beginnt, ist die interessanteste; die Kurven gelten für das Steigen 
des Wassers bei Niptide (9. August 1898) und bei Springtide (1. Oktober des- 
selben Jahres), Man ersieht daraus, wie das Steigen keineswegs gleichmäfsig 
vor sich geht, wie manchmal die Höhe des Wasserspiegels für eine Minute fast 
vollkommen unverändert bleibt, um danach wieder sozusagen ruckweise ZzuU- 
zunehmen, So dafß zeitweise deutliche Stufen in dem Profile zu Stande kommen. 
; Wenn man annimmt, dafs die gesammte Wassermasse, die hinter der 
eigentlichen Bore kommt, dieselbe Geschwindigkeit der Vorwärtsbewegung hat 
wie die Bore selbst — und aller Wahrecheinlichkeit nach ist diese Annahme nicht 
weit von der Wahrheit entfernt — so kann man die Diagramme auch als Profile 
der Bore betrachten. wie sie in einem gegebenen Augenblick fiußauf- oder
	        
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