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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900. 
In dem oberen, engeren Theil der Bai waren bei der aufserordentlichen 
Zunahme der Fluthgröfsen die Schwierigkeiten, geeignete Orte, die zugleich auch 
ür die Schiffahrt wichtig sein mufsten, auszufinden, sehr grofs; man konnte 
nicht frei in der See liegende, fast unzugängliche Klippen wählen, andererseits 
aber sind an den bewohnten Plätzen die in das Wasser hineingebauten Kais und 
Anlegeplätze der Schiffe nirgends so lang, dafs ihr Ende bei Niedrigwasser noch 
vom Wasser bespült wäre: der Boden fällt vielmehr auf grofse Strecken hin 
(rocken und durch die an den Kais angebrachten Pegel erhält man also nicht 
die volle Kurve der Gezeitenbewegungen, sondern nur ein Bruchstück derselben. 
Vebrigens ist, wie Dawson bemerkt, der gesammte Schiffsverkehr natürlich ge- 
zwungen, mit diesen mächtigen Wasserstandsänderungen zu rechnen; die Dampfer 
richten sich so ein, daß sie an den Kais vor Hochwasser ankommen und vor 
Beginn des Ebbestromes weggehen; die Segelschiffe, welche meist kleiner sind, 
liegen dagegen während der Ebbe ruhig an Grund, indem sie mit Hochwasser 
soweit am Pier heraufgehen, als ihr Tiefgang es gestattet. Man findet es be- 
quemer, wenn man auch festsitzt, mit verhältnifsmäfßsig geringerem Auf- und 
Niedergehen des Fahrzeuges am Kai zu thun zu haben, als etwa 10 bis 15 m 
erreichende Niveaudifferenzen längsseits eines etwaigen bis in das Niedrigwasser 
reichenden Kais zweimal täglich durchzumachen. Der Grund besteht, abgesehen 
von den obersten Centimetern weichen rothen Schlammes, aus zähem Thon und 
ist frei von Steinen, so dafs dieses Verfahren keinen Bedenken unterliegt, und 
bei dieser Sachlage fehlen eben auch Anlegeplätze, die zu allen Zeiten bis in 
das Wasser reichen. 
Registrirende Fluthmesser wurden aufgestellt zu Windsor und Parrsboro 
in der Minas-Bucht sowie zu Hopewell Cape und Moncton am Petitcodiac-Flufs, 
der ganz im Norden in die Fundy-Bai mündet. Nur an der letztgenannten 
Station, zu Moneton, wo auch die Sprungwelle beobachtet wurde, von der noch 
des Näheren die Rede sein wird, hat Dawson den Versuch —- und mit Erfolg 
— gemacht, mittelst einer bis unter das Niveau des Springtide-Niedrigwassers 
geführten Röhrenverbindung nach dem Princip der kommunicirenden Röhren alle 
Wasserstände an dem Flutmesser zu erhalten. 
Alle die genannten Stationen sind ungefähr je vier Monate während des 
Sommers 1898 in Betrieb gewesen. Bis jetzt ist es unmöglich, die für die 
Stationen angenommenen Nullpunkte mit einander in Verbindung zu setzen, da 
pin Nivellement fehlt. 
Von allgemeinerem Interesse ist nun erstens die Beschreibung der 
Sprungwelle zu Moncton, 
wobei wir schon hier auf die früher in dieser Zeitschrift‘) beschriebene Sprung- 
welle im Tsien-tang-kiang an der chinesischen Küste hinweisen. Moncton liegt, 
wie die Karte zeigt, am Petitcodiac-Flufs, unmittelbar oberhalb des als „Bend“ 
‘„Knie“) bekannten Punktes, wo die Richtung des Flusses scharf in einem 
rechten Winkel umbiegt, und zwar ist Moncton 30 km oberhalb der Mündung 
des Flusses in die Fundy-Bai gelegen, Dieser ganze untere Theil des Flufslaufes 
kann als ein Aestuarium betrachtet werden, das seinen Charakter noch bis 
Salisbury Junetion oberhalb Moneton beibehält und eine Gesammtlänge von 
etwa 55 km erreicht. Bei Hochwasser bildet der Flufs vor Moncton eine 800 m 
breite Wasserfläche, während bei Niedrigwasser nur ein 150 bis 160 m breiter, 
stark strömender Wasserfaden übrig bleibt, der beiderseits von trocken fallenden 
Schlammbänken begrenzt ist. 
Die Stelle, wo die Fluth zuerst die Gestalt eines Stürmers oder einer 
Sprungwelle bekommt, ist Stony Creek, 13 km unterhalb Moneton, und die 
„Bore“ setzt sich dann fort bis nach Salisbury Junction, so dafs die Länge des 
Flufßslaufes, auf der der Stürmer zur Beobachtung gelangt, im Ganzen 38 km beträgt. 
Zu Moneton kommt die Sprungwelle ungefähr zur Zeit der halben Tide 
an; sechs Stunden nach Hochwasserzeit fällt der Wasserspiegel nämlich noch 
durch volle drei Stunden, und allein während der nächsten drei Stunden steigt 
die Fluth, welche eben als Sprungwelle beginnt, in äufserst rascher Weise bis 
zu dem nächsten Hochwasser. 
“Siehe Jahreane 1896. N. 466
	        
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