Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1900.
Die Insel Barbados.
Nach englischen und amerikanischen Quellen, ergänzt nach Berichten des Kaiserlichen Konsulates daselbst
und des Kapt. F. MÖLLER, Bark „Adonis“, ”
Bearbeitet von H. Meyer, Assistent bei der Scewarte.
Allgemeines. Barbados ist die östlichste von allen westindischen Inseln
und daher der Ansteuerungspunkt für alle Schiffe, die von Europa oder vom Süden
kommen und nach den leewärts von ihr liegenden Inseln oder nach der Nord-
küste von Südamerika bestimmt sind, theilweise auch noch für solche, die nach den
Golf-Häfen wollen. Die Insel hat die Form eines unregelmäßigen Dreiecks;
‘hre gröfste Länge liegt in nordnordwestlicher Richtung und beträgt etwa 18 Sm,
während ihre gröfste Breite in westlicher Richtung liegt und vom Ostende bis
nach der Stadt Bridgetown etwa 12 Sm beträgt.
Genaue Daten über die Entdeckung der Insel sind nicht bekannt, ver-
muthlich wurde sie zuerst von den Portugiesen um das Jahr 1600 gesehen. Im
Jahre 1605 wurde sie von den Engländern in Besitz genommen und ist seit der
Zeit darin verblieben.
Obwohl die Insel nur klein ist, bietet ihre Oberfläche doch mannigfache
Abwechselung in Thal- und Hügelbildung wie auch in Flachland. Ein tiefes
Thal durchschneidet die Insel von Bridgetown aus in beinahe östlicher Richtung
and theilt sie in zwei Hälften, von denen die nördliche die erheblich gröfsere ist.
Das Ostende der Insel ist etwa 15 bis 18 m hoch; das Land verbleibt
flach bis ungefähr 2 Sm landeinwärts, wo es höher wird. Etwa 1 Sm nordwest-
lich vom Ostende steht auf Ragged Point ein runder 29,6 m hoher Leuchtthurm,
und 3 Sm westlich vom Ostende auf dem Moncrieffe-Hügel ein Signalmast in
einer Höhe von 160 m über dem Meeresspiegel. Etwa 3 bis 4 Sm nordwestlich
vom Ostende steigt das Land unmittelbar von der Küste zu schroffen Hügeln
an; 8 Sm vom Nordende der Insel und fast in der Mitte zwischen ihrer Nordost-
und Westküste erreicht sie im Mount Hillaby ihren Höhepunkt mit 336 m.
Ihr Höhenrücken endigt ungefähr 4 Sm südöstlich vom Nordende der Insel in
dem 82 m hohen Gipfel Pico Teneriffe, der aus gröfserer Entfernung gesehen
wie von der Insel getrennt liegend erscheint. Von dem Höhenzuge fällt das
Land nach Westen terrassenförmig ab bis zur Westküste, wobei es von tiefen
Schluchten unterbrochen wird, durch die der Regen seitwärts abströmt. Zwischen
dem Ostende und der Südspitze der Insel, auf der ein roth und weifs gestreifter
Leuchtthurm steht, ist das Land fast eben und fällt nur ganz allmählich ab bis
zu den steilen Küstenabhängen.
Die höchsten Berggipfel sind bei klarem Wetter etwa 40 Sm weit sichtbar.
Die Insel hatte im Jahre 1891 182306 Einwohner. Sie wird in elf
Distrikte getheilt. An ihrer Spitze steht ein Gouverneur, der seinen Sitz in
Bridgetown hat, der Hauptstadt der Insel. Die hauptsächlichsten Produkte, die
auf der Insel erzeugt werden, sind Zucker, Baumwolle, Aloe und Arrowroot.
Die Nordostküste der Insel verläuft von Kitridge Point, ihrer Ostspitze,
mit einer leichten Einbuchtung in nordwestlicher Richtung bis zur Nordspitze
Jer Insel. Sie besteht aus felsigen Abhängen von 15 bis 250 m Höhe, die stellen-
weise von sandigen Buchten oder Sandstrand unterbrochen werden. Kin Korallen-
riff, auf dem die See immer heftig brandet, umsäumt diese Küstenstrecke wie
beinahe die ganze Insel; an dieser Seite dehnt es sich von '/4 bis !/a Sm Ent-
fernung vom Lande aus. Die an dieser Seite liegende und schwer zugängliche
Conset-Bucht bietet nur Booten Schutz,
Das Nordende der Insel verläuft in der Küstenlinie zwischen Pico Tene-
viffe an der Nordostküste und Harrison Point an der Westküste halbkreisförmig.
Zwischen den genannten beiden Punkten ist die Insel etwa 4!/2 Sm breit. Die
Küste besteht auf dieser Strecke aus schroffen felsigen Abhängen von 12 bis 18 m
Höhe, und das Land ist auf der ersten Seemeile vom Nordende eben, beginnt
Jann aber nach Süden allmählich anzusteigen. Das Riff umsäumt diese Küsten-
strecke in !/2 Sm Entfernung.
Die Westküste verläuft mit einigen Biegungen in südlicher Richtung.
Sie ist zwischen der hohen stumpfen Huk Harrison Point und der Insel Pelican