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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

. Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900 
;owie in den Tagen vom 2. bis 5. November die Mittagstemperatur stellenweise 
20° erreichte. 
Je nach der Lage der Grenze des hohen und tiefen Druckes über Deutsch- 
land war vom 27. Oktober bis 10. November das Wetter heiter und trocken, 
oder trübe und regnerisch. Süddeutschland blieb bei der bestehenden Luftdruck- 
vertheilung naturgemäfßs häufig innerhalb des Hochdruckgebietes zu Zeiten, in 
welchen Norddeutschland dem Depressionsgebiet angehörte. So sind denn für 
Süddeutschland als Tage mit ausgedehnteren Niederschlägen nur zu bezeichnen 
der 30. und 31. Oktober und der 8. und 10. November, für Norddeutschland 
dagegen der 27., 28., 30. und 31. Oktober und der 8. bis 10. November. 
Am 11. November hatte sich der hohe und der höchete Luftdruck weiter 
nach Westen hin verlagert, die Depression aber nach Osten sich ausgedehnt. 
Für den langen Zeitraum bis zum 5. Dezember blieb dann eine Luftdruckverthei- 
'ung mit dem höheren Luftdruck im Südwesten, dem niedrigeren im Nordosten 
unseres Erdtheils bestehen. Die von den wärmeren Meerestheilen kommenden 
aordwestlichen Winde liefen in dieser ganzen Zeit das milde Wetter fortbestehen, 
and zwar besonders in Norddeutschland; in Süddeutschland, welches mehr im 
Innern des Hochdruckgebietes verblieb, traten bei klarerem Himmel vom 14. 
bis 21. November etwas niedrigere Temperaturen, und in der ganzen zweiten 
Hälfte des November und der ersten Dezemberwoche häufiger Nachtfröste auf. 
In Süddeutschland war die ganze Zeit vom 11. November bis 5. De- 
zember der Himmel wenig bewölkt, in den höheren Lagen heiter, während es 
in den niedrigeren Lagen vielfach neblig war, dementsprechend war die Luft- 
wärme in höheren Lagen vielfach höher als in tieferen. Krgiebigere Nieder- 
schläge fanden daselbst nur am 12. in Form von Regen und am 20. November 
in Form von Schnee, am 4. und 5. Dezember in Form von Regen und Schnee 
statt. Die dünne Schneedecke des 20. November verschwand indefs bald. Nord- 
deutschland, insbesondere die deutsche Küste, gerieth etwas öfter unter den 
Einfluß der nordöstlichen Depression, der Himmel war daher dort vielfach be- 
wölkt und die Niederschläge etwas häufiger, wenn auch im Ganzen gering. 
[nsbesoudere fielen in Norddeutschland bemerkenswerthere Niederschläge in 
diesem Zeitabschnitt am 11., 12., 17., 20. bis 24. November und den ersten fünf 
Tagen des Dezember. 
{m Laufe des 6. Dezember vollzog sich eine durch ihre Plötzlichkeit über- 
raschende Umgestaltung der Luftdruckvertheilung, die uns eine durch ihre 
Strenge und Länge ungewöhnliche Reihe von Wintertagen brachte. An diesem 
Tage trennte ein breiter Streifen hoben Luftdruckes über Mitteleuropa zwei im 
Westen und Osten unseres Erdtheils lagernde Depressionen. Im nördlichen 
Theile dieses Hochdruckgebietes nahm der Luftdruck weiter zu, so dafs sich ein 
Gebiet mit hohen, 770 mm übersteigenden Barometerständen im Nordosten unseres 
Erdtheils entwickelte. Dieses Gebiet höchsten Luftdruckes erhielt sich bis zum 
23. Dezember über dem nordöstlichen Theile Europas, wobei zeitweise Barometer- 
stände über 790 mm auftraten. Ueber dem Mittelmeergebiet war dagegen der 
Luftdruck niedriger. Die somit dauernd herrschenden östlichen Winde riefen 
ein schnelles Sinken der Temperatur hervor und, begünstigt durch die gegen den 
10. Dezember sich bildende- Schnosdecke, hielt sich strenger Frost über ganz 
Deutschland bis zum 23. Dezember. Vom 8. bis 23. Dezember überstieg nur 
vereinzelt in Deutschland die Luftwärme am Tage den Gefrierpunkt, ging des 
Nachts jedoch vielfach unter —10°, selbet bis auf —20° herab. 
Vom 7. bis 17. Dezember gehörte Deutschland vielfach dem Bereich der 
äber dem Mittelmeergebiet lagernden Depression an. Demzufolge traten in dieser 
Zeit daselbst häufiger Schneefälle auf. Dieselben waren ergiebiger in Nord- 
deutschland, wo sie eine tiefere Schneedecke erzeugten. In Süddeutschland kam 
vielfach nur eine dünnere Schneedecke zur Bildung, so dafs der Erdboden sehr 
tief durchfror und nach dem daselbst überaus trockenen Oktober und November 
Wassermangel sich fühlbar machte. 
Vom 18, Dezember an hörten die Schneefälle zunächst gänzlich auf, da 
die Depression im Süden Europas auf sehr enge Gebiete beschränkt wurde; 
bis zum 22, Dezember herrschte dementsprechend auch vielfach heiteres, wenn 
auch stellenweise neblizes Wetter über Deutschland. 
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