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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Herrmann: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1899. 175 
_ Die: Entwickelung hohen‘ Druckes über. Mitteleuropa bei einer Lage des 
Maximums im Südosten von Deutschland brachte dann das heitere trockene 
Wetter des 4. und 5. September und Steigen der Temperatur mit sich; in den 
Tagen vom 5. bis 7. September wurden im Binnenlande Mittagstemperaturen bis 
zu 30° und darüber beobachtet. 
Nach dem 6. bis zum 25. September lag der höhere Luftdruck im Süd- 
westen Europas, während die Längsaxe des mehr oder weniger ausgedehnten 
Gebietes niedrigen Luftdruckes meist in der Richtung NW—SO über Europa 
verlief. Die damit verbundenen nordwestlichen Winde brachten für Deutschland 
daher Abkühlung, so dafs nach dem 9. September die Luftwärme unter die 
Aurchschnittliche gesunken war und in der Zeit bis, zum 25. September das 
Wetter als ganz besonders unfreundlich empfunden wurde, 
War bis zu diesem Tage die Temperatur, entsprechend der vorrückenden 
Jahreszeit, weiter gesunken, so stieg sie am 26. September wieder etwas, da 
nunmehr der höhere Luftdruck im Südosten Kuropas sich befand, während der 
Nordwesten von einer tiefen Depression eingenommen wurde. Daran anschliefsend, 
fand für kurze Zeit, nämlich den 30. September und 1. Oktober, eine Verlagerung 
des Luftdruckes derart statt, dafs der höhere Luftdruck im Nordosten, der 
niedrigere aber im Südwesten unseres Erdtheiles lag. An der Ungunst der 
Witterung, aufser höheren Tagestemperaturen an den beiden ersten Tagen des 
Oktober, änderte dies jedoch zunächst wenig, und.schon am 2. Oktober ist die 
Depression wieder nach dem nordwestlichen, das Hochdruckgebiet nach dem 
südöstlichen Europa gewandert. 
Am 5. Oktober erschien jedoch im Westen unseres Erdtheiles ein Hoch- 
druckgebiet, das sich mit dem im Südosten lagernden über Centraleuropa ver- 
band, wodurch die Depression nach Norden zurückgedrängt wurde, Noch aber 
besserte sich das Wetter damit nicht sofort wesentlich, denn Deutschlaud blieb 
die nächsten Tage bis zum 7. Oktober‘ noch in einer Einsenkung des hohen 
Luftdruckes zwischen zwei Maxima der Barometerstände. 
Erst mit dem 8. Oktober, als das Luftdruckmaximum im Osten Europas 
verschwunden war, klarte in ganz Deutschland das Wetter auf, und die Nieder- 
schläge hörten auf. . Es begann, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, ein 
längerer Zeitabschnitt trockenen Wetters, der in Süddeutschland bis zum Dezember 
sich erstreckte, in Norddeutschland aber durch eine etwas gröfsere Anzahl 
vegnerischer Tage mit dem 27. Oktober endete. 
Das Aufklaren bei nördlicher Luftströmung rief dann bereits am 9. Oktober 
Nachtfröste hervor. 
Obwohl am 11, Oktober das Hochdruckgebiet ganz Europa mit Ausnahme 
Irlands und Schottlands sowie Skandinaviens und Nordrusslands umschlofs, fielen 
an diesem Tage über Süddeutschland Niederschläge, welche wohl nur als Ver- 
dichtung der an diesem Tage weit ausgebreiteten Nebel zu betrachten sind und 
die bevorstehende Ausbreitung einer im Westen erscheinenden Depression auf 
Centraleuropa ankündigten. Diese von Nord nach Süd langgestreckte Depression 
schritt in den Tagen vom 12. bis 14. Oktober über Europa ostwärts fort und 
unterbrach durch ergiebige, über ganz Deutschland verbreitete Regenfälle am 12, 
und 18. Oktober den trockenen Zeitabschnitt, wobei trotz der vorgerückten 
Jahreszeit Gewitter und Hagel auftraten. Vom 14. bis zum 26, Oktober behielt 
der hohe Luftdruck über dem mittleren Europa dauernd seine Herrschaft; das 
Wetter blieb für diese Zeit heiter, wenn auch zeitweise neblig. 
Nachtfröste traten vielfach auf, aber am Tage erhob sich die Luftwärme 
meist über 10°, stellen. und zeitweise auch über 15°, so dafs dieser Zeitabschnitt 
ein angenehmes Herbstwetter brachte und uns damit für. den unfreundlichen 
September entschädigte. 
Ein tiefes, über dem nordöstlichen Europa südostwärts ziehendes Luft- 
druckminimum, dessen es umgebende Depression bis zum Ostseegebiet sich aus- 
dehnte, brachte für das nordöstliche Deutschland bereits am 24. Oktober ver- 
änderliches Wetter mit Regenfällen mit sich. Auf weitere Gebiete, besonders 
Norddeutschlands, erstreckten sich die Niederschläge erst, als am 27. Oktober 
niedriger Luftdruck den nordwestlichen, hoher den Südosten Europas einnahm. 
Diese Luftdruckvertheilung erhielt sich etwa bis zum 10. November und bedingte 
für die Jahreszeit ungewöhnlich warmes Wetter, so dafs am 29. und 30. Oktober,
	        
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