Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900.
Am 12. und 13. gingen zunächst im nördlichen Deutschland, an den fol-
genden Tagen in Süddeutschland sehr ergiebige Regenfälle nieder. In der Folge
bildete sich eine Depression, welche über das continentale Europa von West
nach Ost sich erstreckte; das veränderliche Wetter hielt in Deutschland daher
auch ferner an. Js änderte sich darin nichts, als am 24. Juni vom Südwesten
her ein Hochdruckgebiet bis über Süddeutschland sich verschob. Denn über
dem nordöstlichen Europa erhielt sich eine Depression, deren Randbildungen das
Wetter unseres Vaterlandes beeinflufsten. Dabei blieben die Temperaturen im
Allgemeinen niedrig, wenn auch gelegentliches Aufklaren die Luftwärme am
Tage zeitweise etwas hob. Denn diese zweite Hälfte des Juni gehört der Jahres-
zeit an, in welcher die westliche, insbesondere aber die nordwestliche Luft-
strömung kühleres Wetter herbeiführt.
Die letzten Tage des Juni leiteten einen Zeitabschnitt mit überaus
regnerischem Wetter ein. Vom Nordwesten Europas dehnte sich eine Depression
quer über Centraleuropa nach der Balkan-Halbinsel aus, so dafs Deutschland von
der Mittellinie derselben durchschnitten wurde. Erst nach dem 5. Juli, als ein
[Iochdruckgebiet von Westen her sich auch über Deutschland ausgebreitet hatte,
begannen die heftigen Regenfälle der vorangehenden Woche abzunehmen. Am
9, Juli hatte sich das Hochdruckgebiet über den weitaus gröfsten Theil Europas
ausgebreitet, und dann trat sommerlich warmes, heiteres und trockenes Wetter
in ganz Deutschland ein, welches, von gelegentlichen Gewitterregen abgesehen,
bis zum 21. Juli anhielt.
Nach diesem Tage durchbrach von der Biscaya-See eine zunächst wenig
umfangreiche Depression das Hochdruckgebiet über Centraleuropa und verband
sich mit einer den Osten Europas einnehmenden Depression, wobei die Gesammt-
depression erheblich an Ausdehnung zunahm und das Hochdruckgebiet auf die
westlichsten Theile Europas zurückgedrängt wurde. Demzufolge setzte zuerst am
22. Juli in Norddeutschland, am folgenden Tage auch im übrigen Deutschland
trüberes Wetter mit ausgebreiteten und ergiebigen Regenfällen ein, und die
Temperatur ging vom 25, Juli an wieder zurück.
Allmählich dehnte sich das Hochdruckgebiet im Südwesten Europas gegen
Nordosten hin aus. In dem Mafse, wie dies geschah, ließen auch die Regenfälle
in Deutschland wieder nach, zuerst am 26. Juli in Süddeutschland, am 30. auch
in Norddeutschland.
Die Herrschaft des hohen Luftdruckes über Deutschland mit heiterem, im
Allgemeinen trockenem Wetter hielt bis zur Mitte des August an; nur gegen
den 8. und 9. August rief die Ausdehnung einer im Osten Europas lagernden
Depression besonders in Süddeutschland ergiebige, aber schnell vorübergehende
Regenfälle hervor. Diese von Gewittern begleiteten Erscheinungen brachten nach
der ersten heilßsen Woche des August, in welcher das Thermometer vielfach 30°
überstieg, Abkühlung mit sich.
Erst am 14. August erhob sich die Luftwärme wieder über die durch-
schnittliche, jedoch nur für kurze Zeit, denn eine den Nordosten Europas ein-
nehmende Depression rief bereits am 16. August nordwestliche Winde über Deutsch-
land und damit erneute Abkühlung hervor. Randbildungen dieser Depression
brachten gleichzeitig über Deutschland Regenfälle mit sich, die im Westen nur
wenige "Tage, im Nordosten Deutschlands aber bis zum 21. August anhielten.
Dann kam wieder die Herrschaft hohen Luftdruckes mit trockenem heiteren
Wetter und allmählich steigender Temperatur zum Durchbruch, bis am 28. August
eine Depression von den Britischen Inseln ostwärts sich ausdehnte und im Ver-
ein mit einer bereits über dem mittleren Russland lagernden ein Gebiet niedrigen
Luftdruckes bildete, das in der Folge ganz Nordeuropa bedeckte.
Damit leitete sich ein Zeitabschnitt mit trübem regnerischem Wetter ein,
der mit kurzer vereinzelter Unterbrechung am 4. und 5. September bis zur ersten
Oktoberwoche sich erstreckte.
Denn diese ganze Zeit hindurch wurde Deutschland entweder unmittelbar
von der Depression umfalßst oder gehörte wenigstens dem Grenzgebiete des hohen
und niedrigen Luftdruckes an und befand sich in der näheren Umgebung des
niedrigsten Luftdruckes. Zunächst bis zum 3. September theilte sich Europa in ein
von West nach Ost verlaufendes Depressionsgebiet und in ein südlich davon gelegenes
Hochdruckgebiet. Die Luftwärme hielt sich dabei nahe der durchschnittlichen.