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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Herrmann; Rückblick. auf das: Wetter in Deutschland im Jahre 1899. 173 
dann am 23. April der höchste Luftdruck über Centraleuropa hin ostwärts sich 
verschob, verbreitete sich das .heitere und trockene Wetter auch über Süddeutsch- 
land. Die starke nächtliche Abkühlung erzeugte im deutschen Binnenland am 
23. und 24. wieder Nachtfröste.: ; 
. Die trockenen und freundlicheren Tage waren nur gering an Zahl. Schon 
am: 25. April stand Deutschland mit trübem regnerischem Wetter wieder unter 
dem Einflufßs einer von Westen her vorrückenden Depression. Noch einmal, am 
28., überzog ein Streifen hohen. Luftdruckes Deutschland in der Richtung von 
Südwest nach Nordost und gab Veranlassung zu einer neuen kurzen Unter 
brechung der Niederschläge. Aber schon am 29. lag Deutschland am Südrande 
einer über das nördliche Europa ‘sich erstreckenden Depression, infolgedessen 
weitverbreitete und ergiebige, vielfach von Gewittererscheinungen begleitete 
Regenfälle niedergingen. 
Die in den. letzten fünf Tagen des April vorherrschende allgemeine süd- 
westliche Luftströmuug lief die Wärmeverhältnisse über Deutschland etwas 
günstiger sich gestalten, Am 28. April übersteigt das Thermometer im Binnen- 
lande ziemlich allgemein 17° und erreicht am 29. stellenweise 21°. 
Mit der östlicheren Lage der Depression und dem erneuten Auftreten 
eines Hochdruckgebietes: im Nordwesten Europas ging am 30. April die Tem- 
peratur über Deutschland wieder zurück. 
Dies Hochdruckgebiet erhielt sich im Nordwesten unseres HErdtheils bis 
zum 12. Mai. Dabei stand Deutschland meist unter dem Einflufs von Depressionen, 
die von da aus nach Süden. und Südosten sich erstreckten, die Regenfälle hielten 
im Allgemeinen an.‘ Der östlichere Theil‘ Deutschlands war vor dem übrigen an 
einigen dieser Tage durch höhere Temperaturen begünstigt, da zeitweise‘ das 
Hochdruckgebiet sich weiter nach Osten hin ausbreitete und damit über diesen 
Gegenden unseres Vaterlandes südöstliche Winde einsetzten. 
Am 13. Mai erschien im Nordwesten Europas wieder ein Depressions- 
gebiet, während das Hochdruckgebiet ostwärts sich verlagerte. Wie in den bis- 
herigen gleichen Fällen erhob sich die Temperatur sofort, und in den Tagen bis 
zum 20. Mai stieg das Thermometer vielfach über 20°; stellenweise auch über 
25°. Zeitweise ‚klarte auch der Himmel ab. Die Niederschläge, welche meist in 
Begleitung von‘ Gewittererscheinungen niedergingen, waren in diesen Tagen un- 
regelmäßig vertheilt. . 
Als dann am 21. Mai die, Depression im Nordwesten Europas wieder 
durch ein Gebiet höheren Luftdruckes ersetzt wurde, sie selbst aber nach Osten 
hin sich verschob, wiederholte sich. das für diesen Fall bereits so oft erwähnte 
Sinken der Temperatur. . 
Bis zum 27. Mai blieb Deutschland jedoch unter dem HEinflufs mehr oder 
weniger tiefer Depressionen; es herrschte daher in dieser Woche veränderliches 
Wetter mit Regenfällen. Mit dem 28. Mai, von welchem Tage an bis zum 
11. Juni der niedrige Luftdruck auf die. Grenzgebiete Europas beschränkt war, 
irat demnach zwei Wochen anhaltendes, heiteres und meist trockenes Wetter ein. 
Wenn auch unter der Sonnenwirkung mit. Ende des Monats Mai die Luft- 
wärme am Tage sich über 20° erhob, so ist das Wetter bis zum 2. Juni noch 
kühl zu nennen, “da in der Nacht.das Thermometer tief, stellenweise bis auf 1° 
über den Gefrierpunkt herabging. Vom 3. bis 7. Juni, an welchen Tagen der 
höchste Luftdruck südlicher über Centraleuropa lag, waren auch die Nacht- 
temperaturen höher, und am Tage überstieg die Luftwärme besonders im west- 
lichen Deutschland 25°, am 6., dem wärmsten Tage .des ganzen Monats, auch 
stellenweise 30°, 
Nach der Rückkehr des höchsten Luftdruckes nach. dem Nordwesten 
Europas blieben vom 7. bis zum 11. Juni die Mittagstemperaturen allgemein unter 
25°, meist sogar unter 20°, und auch die Nachttemperaturen erniedrigten sich 
bis gegen 5° hin. ; 
. Eine am 11, Juni über. Nordskandinavien sich zeigende Depression ver- 
achob sich schnell südostwärts, und breitete sich dabei nach Südwesten hin aus, 
so dafs sie bereits am .13. Juni von den Pyrenäen über Deutschland bis nach 
Nordrussland sich erstreckte. Damit wurde dem trockeneren Wetter ein Ende 
bereitet.
	        
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