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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

f = 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900, 
Sobald nun in dem umfangreichen Hochdruckgebiete, welches nach dem 
18. Februar fast ganz Europa bedeckte, am 20. über der Nordsee höherer Luft- 
druck als über Centraleuropa sich entwickelte, ging die Temperatur über Deutsch- 
land sofort erheblich zurück. Vom 22. bis zum Ende des Monats Februar 
herrschte daher kaltes Wetter mit starken Nachtfrösten und zeitweise auch über 
Tag anhaltendem Frost. Dabei war der Himmel besonders im südlichen Deutsch- 
land vielfach heiter, und Niederschläge blieben fast ganz aus. 
In den letzten Tagen des Februar verlagerte sich der höchste Luftdruck 
über Europa gegen Südwesten, während von Nordosten her eine Depression sich 
ausbreitete. Die damit einsetzende westliche und nordwestliche Luftströmung 
hob die Temperatur über Deutschland wieder am Anfang März über die durch- 
schnittliche. Stellenweise traten auch wieder Niederschläge auf. 
Nur wenige Tage nämlich, vom 5, bis 7. März, an welchen eine nörd- 
lichere Lage des höchsten Luftdruckes im Westen Europas kaltes Wetter mit 
heftigeren Nachtfrösten über Deutschland bedingte, trennen die milden, ersten 
Tage des März von einem Zeitabschnitt noch wärmerer Witterung. Dieser Zeit- 
abschnitt erstreckte sich bis zum 18. März; er wurde wiederum eingeleitet durch 
das Auftreten einer Depression über dem nordwestlichen Europa und Zurück- 
weichen des hohen Luftdruckes nach Südosten. Weiter verbreitete Regenfälle 
begleiteten zunächst die südwestliche Luftströmung, welche uns die Erwärmung 
brachte. Als dann aber am 11. ein von der Biscaya-See vordringendes Hochdruck- 
gebiet über Centraleuropa, mit dem im Osten Europas lagernden sich verbunden 
hatte, klarte über Deutschland der Himmel ab, und die Sonnenwirkung erhob am 
Tage die Luftwärme vielfach wieder bis gegen 20°. 
Nach diesen überaus freundlichen Tagen machte sich der ziemlich plötzlich 
am 19. März eintretende Nachwinter um so empfindlicher fühlbar. Am 18. März 
hatte der höhere Luftdruck wieder eine Lage im Nordwesten Kuropas ein- 
genommen, und eine Depression breitete sich von Skandinavien und dem Ostsee- 
gebiet aus auch über Centraleuropa aus. Sofort sank die Temperatur erheblich, 
des Nachts bis unter —10°, und Schnee fiel, der bei stellenweise auch unter dem 
Gefrierpunkt bleibenden Tagestemperaturen in einzelnen Gegenden nochmals eine 
Schneedecke bildete. 
Dieser, bis zum 26. März anhaltende Nachwinter stellte sich zu den letzten 
Tagen des März in nicht minder schroffen Gegensatz wie zu dem ihm unmittelbar 
vorangehenden Zeitabschnitt. Eine am 26. März das nordwestliche Europa über- 
ziehende Depression brachte bei hohem Luftdruck über dem übrigen continentalen 
Europa eine allgemeine südwestliche Luftströmung, und damit schnelle Erwärmung 
mit sich. Bereits am 27. stieg in Süddeutschland das Thermometer über 15°, 
am 29. auch im norddeutschen Binnenlande, während an diesem Tage im Süden 
Deutschlands 20° erreicht und überschritten wurden, 
Mit kurzer Unterbrechung durch die kälteren Tage vom 31. März und den 
1. April hielt das warme Wetter in Deutschland bis zum 7. April an. Indefs 
nahmen in der ersten Aprilwoche die Niederschläge über Deutschland allgemein 
zu. Dies geschah in Begleitung kleinerer und flacher Depressionen, die Deutsch- 
land durchzogen, obwohl dieses einem das continentale Europa bedeckenden 
Hochdruckgebiete angehörte. 
Damit begann für Deutschland eine regenreiche Zeit, die mit Ausnahme 
weniger Tage bis gegen den 27. Mai anhielt. 
Nach dem %. April bis über die erste Woche des Monats Mai hinaus 
herrschte im Allgemeinen kaltes Wetter über Deutschland, nur selten und stellen- 
weise wurde die durchschnittliche Wärme der Jahreszeit überstiegen. 
Zunächst bis zum 16. April bedeckte eine umfangreiche Depression fast 
ganz Europa; die hervortretendsten Minima derselben lagerten meist über dem 
Gebiet der südlichen Nordsee und Ostsee. Da Deutschland somit dem centralen 
Theil dieser Depression angehörte, so waren die Niederschläge daselbst in dieser 
Zeit ergiebig und allgemein verbreitet; vielfach traten Gewitter auf, Am 17. April 
zog sich ein Streifen hohen Luftädruckes von der Biscaya-See quer über Central- 
europa nach dem südlichen Russland. In Norddeutschland klarte infolgedessen 
der Himmel ab, und die Regenfälle ließen nach; dagegen blieb das Wetter in 
Süddeutschland noch trübe und regnerisch bis zum 22, April unter dem Kinflufs 
einer südlicher gelegenen, auch das Alpengebiet umfassenden Depression. Als
	        
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