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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Herrmann; Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1899. 171 
Europas ein Hochdruckgebiet lagerte, so bestanden starke Luftdruckgradienten 
und überaus lebhafte bis zum Sturm sich steigernde westliche Winde in den 
Tagen bis zum 23, Januar. Demzufolge stieg die Temperatur erheblich. und 
sank in dieser Zeit selbst des Nachts nur stellenweise unter den Gefrierpunkt. 
Am Tage überstieg das Thermometer zuweilen 10°, in Süddeutschland an ein- 
zelnen Orten sogar 15°. Diesem ungewöhnlich warmen Wetter mag ‚es auch 
zuzuschreiben sein, dafs in den Tagen vom 12. bis 17. Januar Gewittererschei- 
nungen über Deutschland auftraten. 
Eine Aenderung in den Witterungsverhältnissen über Deutschland machte 
sich durch Abnahme der Niederschläge am 22.Januar bereits etwas früher bemerkbar, 
als sie in Bezug auf die Luftwärme, den Luftdruck und die Winde sich äußerte, 
Im Laufe des 23. Januar breitete sich dann ein Hochdruckgebiet von Westen 
her sehr schnell auch über die Gebiete. der Nordsee und der Ostsee aus und 
zwar derart, dafs ein Streifen höchsten Luftdruckes Europa von den Britischen 
Inseln bis nach Südrussland hin durchschnitt. Demzufolge gelangte Deutschland 
unter die Herrschaft einer östlichen Luftströmung, die Temperatur sank erheblich, 
und strengere Nachtfröste sowie zeitweise auch über Tag sich erhaltender 
Frost stellten sich ein. Ueber Süddeutschland riefen wenig hervortretende De- 
pressionen am 24. und 25. Januar ergiebigere Schneefälle hervor, so dafs da- 
selbst eine Schneedecke sich bildete, die bis gegen den 5. Februar hin sich er- 
hielt. Denn das kältere Wetter mit zeitweise stärkeren Frösten dauerte bis 
zum 6. Februar an, obwohl in den letzten Tagen des Januar der Luftdruck über 
Kuropa fast allenthalben unter den mittleren herabging. Bis zum 3. Februar 
blieb der Luftdruck im Nordwesten Europas höher als im Süden unseres Erd- 
theils, und am 4. wanderte ein Hochdruckgebiet über Centraleuropa ostwärts; 
daher kam eine allgemeinere südwestliche Luftströmung, welche uns wärmere 
Luft vom Ozean zugeführt hätte, zunächst nicht zum Durchbruch. Weitverbreitete 
Nebel und etwas häufigere Schneefälle gegen Ende Januar und in der ersten 
Februarwoche bildeten allein den Gegensatz in der Herrschaft des niedrigen 
Luftäruckes zu der des hohen der vorangehenden Tage. 
Der weitere Verlauf der Witterung über Deutschland im Jahre 1899 ist 
bis in den Sommer hinein charakterisirt durch das häufig abwechselnde Auf- 
treten derselben beiden Arten der Luftdruckvertheilung, welche die grofse Ver- 
schiedenartigkeit des Wetters in den ersten drei Januarwochen und in den beiden 
diesen folgenden Wochen bedingten. Sehr häufig war der Luftdruck in: dieser 
Zeit derart vertheilt, dafs im Nordwesten Europas bis in höhere Breiten ein 
Gebiet höheren oder niedrigeren Luftdruckes als über dem übrigen Europa sich 
befand. Die jeweilig herrschende dieser beiden Luftdruckvertheilungen führte 
dann entsprechend der Herkunft der Luftströmung ungewöhnlich kaltes oder 
ungewöhnlich warmes Wetter, also schroffe Gegensätze in der Witterung auf- 
einander folgender Zeiträume, herbei. 
Nachdem nochmals am 6. Februar eine für sich abgeschlossene Anti- 
cyklone von der nördlichen Nordsee her. gegen Südosten. über Deutschland hin- 
gezogen war, setzte am 7. Februar bei niedrigem Luftdruck im Nordwesten, 
hohem im Südosten unseres Erdtheiles eine lebhaftere südwestliche Luftströmung 
ein, die schnelle Erwärmung hervorrief. 
Bereits am 10. Februar überstieg im deutschen Binnenlande das Thermo- 
meter im Laufe des Tages fast ajlenthalben‘ 15° und näherte sich an diesem und 
dem folgenden Tage vielfach 20°, Am 12. Februar besonders zahlreich in Süd- 
deutschland. auftretende Gewitter erniedrigten die Luftwärme etwas, doch hielt 
das frühlingsmäfsige Wetter bis gegen den 20. Februar hin an. Am 7. Februar 
brachte eine. flache Depression mit eng begrenztem Windsystem, die, von der 
Biscaya-See kommend, Deutschland in der Richtung von Südwest nach Nordost 
durchzog, ıür das westliche Deutschland ergiebige Regen- und Schneefälle mit 
sich. Da bis zum 16. Februar die Grenze des hohen und niedrigen Luftdruckes 
Deutschland in der Richtung von Südwest nach Nordost durchschnitt, so waren 
nach dem 7. Februar Regenfälle im südlichen Deutschland seltener und weniger 
ergiebig, sowie der Himmel vielfach heiterer als im Küstenstrich, Am 17, Februar 
hatte sich der hohe Luftdruck weiter nach Nordwesten ausgebreitet und daher 
blieben mit diesem Tage: auch für Norddeutschland die Niederschläge aus, 
während allerdings weitverbreitete Nebel auftraten.
	        
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