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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900 
Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1899. 
Dieser Rückblick auf das Wetter von Deutschland im vergangenen Jahre 
beruht, wie die früheren, auf dem Beobachtungsmaterial der Seewarte und den 
Monatsübersichten fast aller deutschen meteorologischen Institute und Central- 
stationen. In den angefügten Tabellen ist gegen das Vorjahr keine Aenderung 
eingetreten, 
Wie bereits am Schlusse des vorjährigen Rückblickes!) bemerkt wurde, 
gestaltete sich der ganze Winter 1898/99 aufserordentlich mild und zwar hielt 
dies milde Wetter mit kurzen Unterbrechungen bis über die Mitte des März 
hinaus an. Ein strenger Nachwinter im ersten Theil der dritten Dekade des 
März leitete jedoch ein kühles, unfreundliches und regnerisches Frühjahr ein. 
Auch die erste Hälfte des Sommers brachte nur wenig schöne Tage; meist war 
es in dieser Zeit kühl und vielfach regnerisch. Nach dem 10. Juli trat endlich 
sommerliches Wetter ein; dies hielt im Allgemeinen bis zum Ende des Monats 
August an. Der gröfste Theil des September brachte unfreundliche, kühle 
und regnerische Witterung, wofür wir aber im Oktober durch klare und trockene 
Herbsttage entschädigt wurden. Besonders im Binnenlande erstreckte sich das 
trockene Wetter bei verhältnifsmäfsig hoher Wärme bis in den November, wobei 
allerdings in den tieferen Lagen die auftretenden Nebel den Himmel vielfach 
bedeckt hielten. Mit Schlufs der ersten Dezemberwoche setzte dann der Winter 
mit grofser Strenge ein, wie wir sie in den zuletzt verflossenen Jahren nicht 
mehr erfahren hatten. Die Weihnachtsfeiertage brachten dann wieder BErwär- 
mung und die letzten Tage des Jahres durchgreifendes Thauwelter, 
Die grofße und tiefe Depression des Luftdruckes, welche in den letzten 
Tagen des Jahres 1898 allmählich über fast ganz Europa sich ausgedehnt hatte, 
veherrschte auch noch in den ersten drei Tagen des Januar 1899 die Witterungs- 
verhältnisse Europas insbesondere Centraleuropas. Die Verbindangslinie der 
hervorragenderen, zum Theil recht tiefen Minima. des Luftdruckes durchschnitt 
dabei Norddeutschland von West nach Ost. Dementsprechend herrschte über 
Deutschland in diesen Tagen trübes Wetter mit Regen und Schneefällen, wobei 
am Tage die Temperaturen allenthalben 0° überstiegen. 
Nichts Wesentliches änderte sich darin, als am 4. Januar ein vom Süd- 
westen Europas aus nordostwärts sich vorschiebendes Hochdruckgebiet durch 
einen Streifen hohen Luftdruckes über Centraleuropa mit einem im Nordosten 
anseres Erdtheils lagernden Hochdruckgebiete sich vereinigte, denn auch an 
diesem Tage gehörte Deutschland noch einer von West nach Ost sich er- 
streckenden Furche relativ niedrigeren Druckes an. Nur im Osten Deutschlands 
blieb am 4. Januar das Thermometer stellenweise auch am Tage unter dem Ge- 
frierpunkt stehen. 
Mit der weiteren Ausbreitung des zusammenhängenden Hochdruckgebietes 
über Europa nahmen am 5. Januar die Niederschläge an Ausdehnung und Er- 
giebigkeit ab; sie traten in der Zeit bis zum 10. Januar mehr strichweise über 
einzelnen Theilen Deutschlands auf. In diesen Tagen fand auch zeitweise Auf- 
klaren statt. Doch verhinderten weitverbreitete Nebel eine stärkere Aus- 
strahlung, so dafs die Temperatur nicht erheblich sank und demnach nur ver- 
einzelt im Osten Deutschlands der Frost der Nacht auch über Tag anhielt. 
Dies trockene Wetter bestand am 9. und 10. fort, obwohl das Hoch- 
druckgebiet sich ostwärts verlagerte und an diesen Tagen auch Deutschland in 
den Bereich eines von Westen vordringenden Depressionsgebietes gelangte; zu 
dieser Zeit herrschten über ganz Mitteleuropa noch allenthalben südöst- 
liche Winde, 
Als aber am 11. Januar mit der Ausbreitung des niedrigen Luftdruckes 
über Nordosteuropa und dem Auftreten höheren Luftdruckes im Südwesten 
unseres Erdtheiles über fast ganz Kuropa eine westliche Luftströmung zum 
Durchbruch kam, wurden die Niederschläge wieder allgemein und überaus er- 
giebig. Die Minima, welche über die Nordsee, Südskandinavien und die Ostsee 
ostwärts zogen, hatten zum Theil grofse Tiefe. Da über dem südlichen Theile 
\ „Ann. d. Hydr. ete.“*, 1899, S. 171
	        
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