168 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900.
falls eine Segelschiffsleistung, wie sie wohl noch äufserst selten gemacht worden
ist. Unter den 36 Tagen dieser Ruhmesfahrt waren nur 5 von weniger als
200 Sm Distanz; das kleinste Etmal war 133 Sm, das ist immer noch mehr, als
was für Segelschiffe, wenigstens in früherer Zeit, gewöhnlich als Durchschnitts-
leistung angenommen wurde. Von den übrigen 31 Etmalen waren 8 mit 200 bis
250 Sm, 7 mit 251 bis 260, 3 mit 261 bis 270, 4 mit 271 bis 280, 4 mit 281
bis 290, 2 mit 291 bis 300 und 3 mit mehr als 300 Sm, nämlich 302 am 2,,
304 am 20. und 313 Sm, als größtes, am 3. Oktober. Im letzteren Etmal kam
„Seestern“ für eine Wache, bei W 7 bis 8 fast platt vor dem Winde lenzend,
auf eine Fahrgeschwindigkeit von 13%4 Knoten. 13 und 13'/z Knoten wurden
öfters erreicht. Die besten Dauerläufe, in denen die Tagesfahrt nur einmal unter
250 Sm blieb, führte „Seestern“ vom 26, September bis zum 7. Oktober und
vom 19. bis zum 24. Oktober aus. Bei dem ersten, zwischen 40,8° S-Br, 21,9°0-Lg
and 44,9° S-Br, 89,8° O-Lg, holte die Bark in 11 Tagen 2992 Sm, also im Mittel
den Tag 272 Sm (11!/s Knoten), beim zweiten in 7 Tagen 1993 Sm, im Mittel
den Tag 285 Sm (11,99 Knoten).
Die Route, welche Kapt. Hauth einschlug, ging erst in 67° O-Lg über
45° S-Br hinaus und dann allmählich südlicher, so dafs die Länge des Südkaps
von Tasmanien und 180° Länge in etwa 49° S-Br geschnitten wurden. Durch
schralen, steifen nordöstlichen Wind gedrängt, ging er schliefßlich auf westlicher
Länge, wo er unter anderen Umständen den Kurs schon nördlich von Ust ge-
nommen hätte, noch erheblich südlicher, wobei als höchste Breite am 30. Oktober
in 133,5° W-Lg 54°21‘S erreicht wurde. Am nächsten Tage, in 53,6° S-Br und
124,3° W-Lg, endigte die so günstige Gelegenheit. In den 36 Tagen, während
sie herrschte, wehte der Wind fast ununterbrochen aus den westlichen Vierteln,
fast immer hart und böig, doch nur zweimal als schwerer Sturm, einmal so
heftig und zugleich so schral aus nördlicher Richtung, dafs die Bark, freilich
nur für wenige Stunden, unter Wind gehen mufste. Nur selten und fast immer
nur für kurze Zeit schralte der Wind nach der Nordost- oder der Südseite
30 weit ab, daß man, um gute Fahrt zu halten, einige Striche aus dem Kurse
steuern mulste,
Die übrig bleibende Strecke, auf welcher der Kurs nun allmählich wieder
nördlicher über 40° S-Br in 90° W-Lg und 30° S-Br in 76° W-Lg genommen
wurde, brachte eine weniger rasche Fahrt. Die Windrichtung SO bis S, die sich
achon in 114° W-Lg einstellte und bis zum Ende der Reise herrschend blieb,
war freilich günstig genug, und die Bark machte auch noch wieder eine Anzahl
sehr guter Etmale von 200 bis 300 Sm; doch fanden zu oft Unterbrechungen
des schnellen Fortschreitens, mitunter von mehreren Tagen Dauer, statt, bei
welchem der Wind zum schwachen Luftzuge herabsank oder auch Stille herrschte.
Den längsten Aufenthalt brachten die 5 Tage vom 31. Oktober bis zum 5. No-
vember, in welcher Zeit die Reise nur um 324 Sm gefördert wurde. Wenig
befriedigend waren auch der 12., 13. und 19. November, dagegen herrschte eine
ausnahmsweise günstige Gelegenheit unter der chilenischen Küste, wo „Seestern“
in 2 Tagen 405 Sm zurücklegte. Zum letzten Ende erhielt die Bark aber auch
wieder die gewöhnliche Windstille der Küstennähe.
Wird die ganze Reise bis zum Mittage des 21. November, der Ankunft
vor Iquique, gerechnet, so hatte dieselbe eine Dauer von rund 63 Tagen, in
welcher Zeit „Seestern“ 12808 Sm zurücklegte. Das giebt ein mittleres Etmal
von 203,3 Sm. Bringt man die Berichtigung für 271,4° östlichen Längenunter-
schied an, so erhält man als genaue Reisedauer 62,25 Tage und als Durchschnitts-
distanz für 24 Stunden 205,8 und für eine Stunde 8,58 Sm.
14. Fahrt in südlicher Breite auf der Reise des Stahl-Vollschiffes „Parchim“,
Kapt. H. Nissen, von London nach Sydney.
Das Vollschiff „Parchim“, Kapt. H. Nissen, dessen anhaltend rasche
Fahrt auf südlicher Breite hier noch beschrieben werden soll, verliefs London
am 28. Januar 1899 und kam am 30. aus dem Englischen Kanal. Es hatte auf
der ersten Hälfte des Weges eine zwar ganz befriedigende, aber doch nicht
hervorragende Reise, indem es für die Strecke von Lizard nach der Linie 28
and von dort bis zum Meridian von Greenwich 24 Tage benöthigte. Aufserhalb
des Gebietes der umlaufenden Winde an der polaren Passatgrenze im Süd-
atlantischen Ozean angelangt, erhielt es jedoch für die Fahrt nach Osten eine