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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1900.
der eingelaufenen Schiffe war der Dampfer „American“ von 8196 Registerfonnen
Raumgehalt und 146 m Länge. Am Orte beheimathet sind 10 Dampfer und 1 Segler.
Eigene Industrie ist kaum vorhanden. Es giebt nur Ziegeleien, Brannt-
weinbrennereien, Limonadenfabriken und eine Eisfabrik. Seefischerei wird nur
mit kleinen Booten und für den örtlichen Gebrauch betrieben.
Die Stadt steht durch Eisenbahn über Transvaal mit ganz Südafrika in
Verbindung. Durch Landtelegraphen steht sie mit ganz Südafrika, durch direktes
Kabel über Aden sowie durch Kabel von Kapstadt mit Europa in Verbindung.
Die Postdampfer der „Union Castle Mail Packet Co.“ laufen wöchentlich, die
der deutschen Ostafrika-Linie vierzehntägig und die der „Messageries Maritimes
Francais“ monatlich regelmäfsig hier an.
Angaben für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat liegt
in der Rua Araujo, der Hauptgeschäftsstrafse, im Geschäftshause von A. Fabre
& fils. Das Hafenamt (Capitania do Porto) liegt unmittelbar vor der Passagier-
brücke neben den Zollgehäuden; ihm sind auch die Hafenpolizei und das
Lootsenwesen unterstellt. Die zollamtliche. Behandlung ist ziemlich
streng, und es sind dabei eine Menge von schriftlichen Formalitäten zu erfüllen.
Die Zollbehörde verlangt beim Besuche die Vorlage des Manifestes der Ladung
und der Konnossemente, eine namentliche Liste der Passagiere, eine Liste des
Gepäcks derselben, eine Proviantliste und die Uebergabe sämmtlicher Muster-
sendungen. Falls das Schiff in Ballast kommt, ist ein Ballast-Certifikat, be-
glaubigt von der Zollbehörde des Abgangshafens, vorzulegen, Solange der Be-
such dauert, hat im Vortopp die Nationalflagge zu wehen. Innerhalb 24 Stunden
hat der Kapitän im Zollhause zu erscheinen und sämmtliche aufgeführten Schrift-
stücke in portugiesischer Sprache zu übergeben. Die gesundheitspolizei-
lichen Bestimmungen sind ebenfalls streng; Quarantäne, mitunter Verbot des
Einlaufens in den Hafen bei pestverdächtigen Schiffen, sind nicht selten. Ge-
sundheitspässe sind obligatorisch. Kein Sehiff darf mit dem Lande in Verbindung
treten, ehe die Zollbehörde und der Hafenarzt an Bord gewesen sind. Es liegt
gin Quarantäne-Schiff in der Hafeneinfahrt, und man plant je eine derartige An-
stalt auf den Inseln Shefina und Inyack.
Schiffe mit feuergefährlicher Ladung oder Sprengstoffen werden
im östlichen Aufsenhafen solange festgehalten, bis diese Güter gelöscht sind.
Es giebt mehrere deutsche Schiffsmakler und auch Schiffshändler.
Ein Agent des Germanischen Lloyd ist nicht vorhanden, dagegen Vertreter
des Vereins Hamburger Assekuradeure und der Mannheimer Ver-
sicherungsgesellschaft. Filialen deutscher Banken sind nicht am Orte,
wohl aber solche der Nationalen Bank der Südafrikanischen Republik, der
englischen Standard-Bank, der Bank of Africa und der portugiesischen Banco
Nacional Ultramarino.
Seemannsheim, Seemannskrankenhaus und Seemannsmission
sind nicht vorhanden, dagegen ein städtisches Krankenhaus, in dem kranke
Seeleute Aufnahme finden. Es hat drei Klassen zu nachstehenden - Preisen:
Li, Klasse: Einzahlung 60000 reis, tägliche Kosten 4500 reis; 2, Klasse: Ein-
zahlung 60 000 reis, tägliche Kosten 2000 reis; 3. Klasse: Einzahlung 16 000 reis,
tägliche Kosten 500 reis. Arzt und Unterhalt sind hierin einbegriffen, doch nicht
die Medicin.
Entweichungen von Seeleuten kommen mit vor. Einrichtungen zum
Anheuern bestehen nicht; deutsche Seeleute sind gelegentlich zu haben. Die
Monatsheuer für Matrosen betrug im Jahre 1898 3 bis 4 £, für Leichtmatrosen
1 bis 2 £, für Köche 4 bis 6 £.
Ein Zeitball ist nicht vorhanden, dagegen fällt je um 1 Uhr und 6 Uhr
vachmittags ein Kanonenschufs. Einrichtungen zur Kompafsregulirung
sind nicht vorhanden. Zum Vergleiche nautischer und meteorologischer
Instrumente hefinden sich im Hafenamte Barometer, Thermometer und Chrono-
meter. Nautische Bücher und Seekarten sind nicht zu haben, doch liegt
auf dem Hafenamte die neueste britische Admiralitäts-Karte der Delagoa-Bucht
zur Einsicht aus.
Ausrüstungsgegenstände aller Art sind gewöhnlich zu haben, doch sind
alle Artikel verhältnilsmäfsig theuer, wenn auch nicht viel theurer als in den
anderen Häfen Südafrikas.