Ann. d. Hydr. ete., XXYIIL Jahrg. (1900), Heft IV.
‚4
+
Port Elisabeth. .
Nach Berichten des Kaiserlichen Konsulates daselbst, des Kapts. B. M. G. Lüders, Bark „India“,
und ergänzt nach englischen Quellen,
(Hierzu Tafel 5.)
Die Stadt Port Elisabeth an der Südküste von Afrika ist die bedeutendste
Seestadt des östlichen Theiles der Kap-Kolonie. Sie liegt an der Westseite der
mehr als 30 Sm: weiten und beinahe 15 Sm tiefen Algoa-Bucht, etwa 6 Sm inner-
balb des Kaps Recife, und ist wegen ihrer Lage von grofser Bedeutung für den
Handelsverkehr wie auch als Order- und Nothhafen. Die geographische Lage
des Zeitballes ist 33° 57,6‘ S-Br und 25° 37,3‘ O-Lg.
Landmarken. Kap Recife, die westliche Huk an der Algoa-Bucht, ist
niedrig und trägt einen 24,4 m hohen roth und weils wagerecht gestreiften
Leuchtthurm, sowie 450 m nordnordöstlich davon eine 7,6 m hohe Stein-
bake. Nordwestlich vom Leuchtthurme liegt. der Recife-Hügel, der höher als
der Leuchtthurm ist und meistens früher ausgemacht werden. kann, denn‘ er
erscheint aus größerer Entfernung wie der Endpunkt der Küstenlinie, und der
sich im Westen unmittelbar dem Hügel anschliefsende weifßse Sandstreifen erscheint
dann wie ein Sandstrand,
Bis zu der 4 Sm westlich vom Kap Recife liegenden abschüssigen Huk
Chelsea, wo sich einige mit Gras bewachsene Hügel befinden, von denen der
höchste 31 m hoch ist, besteht die Küste und auch das unmittelbare Hinterland
aus kahlen Sanddünen. Die Grashügel werden von einigen hinter ihnen liegenden
kahlen Dünen überragt, die sich auch noch erheblich weiter westwärts erstrecken,
Hinter der Huk Glassen liegt etwas landeinwärts ein bewaldeter Höhenzug, der im
Osten in dem 279 m hohen Gipfel Buffels Fontein oder Botha Kop schroff endigt.
An der Bucht besteht die Küste ebenfalls gröfstentheils aus kahlen Sand-
dünen, stellenweise sind sie jedoch mit Gras und ausnahmsweise mit Gehölz be-
wachsen. Im östlichen Theile steigt das Land hinter der gleichförmigen Dünen-
kette bald bis zu 330 m Höhe an. Die in der Bucht liegende Insel St. Croix
jet etwa 60m hoch, und die 30 Sm östlich vom Kap Recife liegende gröfste Insel
der Bird Insel-Gruppe, auf der auch ein Leuchtthurm steht, 10 m.
Ansteuerung. Segelschiffe, die sich wegen des Agulhas-Stromes in der
Regel in grofsem Abstande von der Küste befinden, sollten bei der Ansteuerung
den genannten Strom so schneiden, dafs sie das Land östlich vom Bestimmungs-
orte machen, besonders während des südlichen Sommers, wenn in.dieser Gegend
südöstliche Winde vorherrschen. Aber auch bei westlichen Winden sollte man
sehr vorsichtig sein, damit man nicht beim Abflauen des Windes mit dem Strome
am Bestimmungsorte vorbeitreibt. Dampfschiffe haben .selbstverständlich den
kürzesten Weg zu wählen. .
Bei Tage kommt es nicht selten vor, dafs Schiffe,‘ die vom Süden die Küste
ansteuern, das Kap St. Francis mit dem Kap Reecife verwechseln. Obwohl beide
ähnliche Grundform haben, sind sie doch an ihren Höhenformen gut zu unter-
scheiden. Kap St. Francis besteht. aus zwei bewaldeten Hügeln von 33 und 43 m
Höhe, die durch einen kahlen Sandrücken' verbunden werden, und nordnordöst-
lich davon im Lande liegt der 1750 m hohe Berg Cockscomb. Ferner liegt hinter
diesem Kap in 10 Sm Entfernung auf einer Hochebene das weithin erkennbare
Dorf Humansdorp, und dahinter die beiden auffälligen Berge Kruisfontein. von
785 m Höhe mit doppeltem Gipfel und der schon durch seinen Namen als solcher
bezeichnete spitze Berg Sharp Peak,
Vom Westen kommend ‘passire man Kap Recife in etwa 2 Sm Abstand
wegen des Thunderbolt-Riffes, das ungefähr %/1 Sm südlich. vom Kap liegt. Ob-
wohl dasselbe in der Regel durch Brandung kenntlich ist, ist dieses doch ‘bei
Hochwasser nicht immer der Fall, und da die Strömung stark darauf zusetzt,
mufs man es in gutem Abstande passiren. Sobald man um das Kap herum ist.
Ann. d, ]ydr. ete., 1900, Heft TV.