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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900,
Die Folgezeit bot mehrfach eigenartige Entwickelungen der Wetterlage.
Eine am Morgen des 24. im Nordwesten erschienene ostwärts fortschreitende
Depression entwickelte einen tiefen, am 24. und 25. längs der Küste fort-
schreitenden Ausläufer, auf dessen Rückseite an der westdeutschen Küste
stürmische Nordwestwinde auftraten, da hoher Luftdruck von der Biscaya-See
nach Centraleuropa rasch vordrang.
Eine am Morgen des 26. im Nordwesten erschienene neue Depression
breitete sich bis zum Abend des 27. rasch über ganz Europa aus, wobei der von
Südwesten über Kontinentalenropa ausgedehnte hohe Druck aufserordentlich
schnell abnahm. Nebel und Niederschläge bei wenig veränderter Temperatur
and meist schwachen Winden vorwiegend aus westlichen Richtungen kennzeichneten
lese Tage vom 24. bis 27.
Hierauf entwickelte sich ein Hochdruckgebiet über Nordeuropa und erhielt
sich hier über das Ende des Monats hinaus, während die nach Süden gedrängte
Depression über Kontinentaleuropa und dem Süden der Nord- und Ostsee aus-
gebreitet blieb, so dals sich neben Fortdauer der Niederschläge östliche bis
nordöstliche Winde bis Monatsschlufs behaupteten, die an den beiden letzten
Tagen vielfach steif und an der Ostsee ostwärts bis zur Oder meist stürmisch
auftraten. Diese von der Ostsee wehenden Winde vermochten keine weseni-
liche Abkühlung herbeizuführen, so dafs die "Temperatur seit dem 29. wenig
Aenderung zeigte.
ax
Bücherbesprechung.
Grundlinien der maritimen Meteorologie, vorzugsweise für Seeleute dargelegt
von Prof. Dr. W. Köppen, Abtheilungs-Vorsteher an der Deutschen See-
warte. Hamburg 1899. Verlag von G. W. Niemeyer Nachf. Preis Mk. 3,20.
Die holländische Zeitschrift „De Zee“, redigirt von A. E. Arkenbout-Schokker und
L. Ruosenburg, bringt in ihrem Januarheft d. J. folgende redaktionelle Besprechung des oben
venannten kleinen Buches:
„In der Regel geben wir keine Beurtheilungen von Büchern, die uns nicht ausdrücklich zu
diesem Zweck zugesandt werden; es würde aber verkehrt sein, sich streng an diese Regel zu halten,
wenn wir mit der Besprechung einer Anzahl von unseren Lesern einen Dienst erweisen können,
nd dies meinen wir zu thun. indem wir ihre Aufmerksamkeit auf das Erscheinen des oben-
genannten Büchleins lenken. Es ist ein Buch, nach dem ein dringendes Bedürfnifs bestand: soviel
wir wissen, gab es noch kein solches, weder in der niederländischen nach in einer anderen Sprache.
Auf 81 Blattseiten kleinen Farmats werden die wichtigsten Begriffe üher Meteorologie und
)eeanographie gegeben. Diese Kürze wurde nicht dadurch erreicht, dafs der reiche Stoff mit Gewalt
zusanmımengeprefst wurde, sondern durch eine sorgfältige und richtige Wahl dessen, was aufge-
uommen werden muß und was nicht. Das Büchlein enthält von den beiden Wissenschaften das-
jenige, was ein einigermafsen unterrichteier Seemann davon wissen mufs, um sagen zu können, dafs
er in dieser Hinsicht auf der Höhe seines Berufes steht.
Dafs es auf tüchtigen wissenschaftlichen Grundlagen beruht, braucht nicht gesagt zu werden;
der Name des Verfassers ist hierfür die beste Bürgschaft. Doch ist es sehr populär und deutlich
weschrieben, für einen Jeden leicht zu verstehen.
Natürlich wird durch dieses Büchlein der Gebrauch von Segelanweisungen für die ver-
schiedenen Theile des Ozeans nicht überflüssig gemacht, aber es wird den Seemann in Stand setzen,
von diesen mit Urtheil und Nutzen Gebrauch zu machen.
Mit deutlichem sauberen Druck, ein paar zweckmäfsigen Karten ımd einigen Figuren,
einem netten steifen Kinband, macht das ganze Büchlein einen angenehmen Eindruck; hiermit ist
zugleich erklärt, warum der Preis verhältnifsmäfsig luch ist für den Umfang des Werkchens.
Wir können dieses Werkehen mit Ueberzeugung Allen empfehlen, die mit maritimer Meteuro-
logie zu thun oder dafür Interesse haben und keine Zeit oder Gelegenheit haben für eingehende
meteorolaocische Studien.”
gedruckt und in Vertrieb bei E. 8. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdrauckerei
Berlin SW. Kaochstralse 6R-—71.