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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900.
Wo Störungen im Gange der Anemometer vorkamen, ohne dafs die durchschnittliche stündliche
Geschwindigkeit für diese Zeit ermittelt werden konnte. sind die Monatsmittel der Wind-
geschwindigkeiten kursiv gedruckt; die Daten der Tage mit derartigen Störungen, an denen
stürmische Winde beobachtet wurden, sind ebenso wie die "Tage mit stürmischen Böen, an denen
die Sturmnormen nicht erreicht wurden, in Klammern hinzugefügt; in gleicher Weise bedeuten die
in Klammern gestellten Zahlen für Rügenwaldermünde und Neufahrwasser, die keine Anemometer
besitzen, die Daten der "Tage, an denen stürmische Winde beobachtet wurden.
Durch kursive Ziffern sind allgemein alle Werthe gekennzeichnet, bei deren Ableitung
interpolirte oder ergänzte Zahlen mitbenutzt werden mulsten.
Der Januar charakterisirte sich in seinen Monatswerthen durch etwas zu
schwachen Luftdruck, etwas zu hohe Temperatur, meist erheblich zu grofse Be-
wölkungsmittel und Niederschlagsmengen und relativ kleine registrirte Wind-
geschwindigkeiten. Die zu Zeiten der dreimal täglichen Terminbeobachtungen
notirten Windrichtungen zeigen ein Vorherrschen der Richtungen NO —5S—5SW,
während die Richtungen NW-—NNO am seltensten vorkamen,
Stürmische Winde traten auf in der Nacht vom 19. zum 20. aus SW
stellenweise an der Nordsee, in der Nacht vom 21. zum 22, aus SW stellenweise
au der westlichen Ostsee, am 22. aus dem Südwestquadranten, meist Stärke 8,
an der preufsischen Küste, am 23. rechtdrehend aus westlichen Richtungen, viel-
fach Stärke 8 bis 9, an der ganzen Küste, am 25, aus W—NW, Stärke 8 bis 9,
an der Nordsee und westlichen Ostsee und am 30. und 31. aus dem Nordost-
quadranten, meist Stärke 8 bis 9, an der Ostsee ostwärts bis zur Oder. An
diesen Tagen wehten die Winde auch im Westen der Nordsee wie an der
pommerschen Küste vielfach steif aus nordöstlichen Richtungen.
Die Morgentemperaturen lagen ganz überwiegend über den normalen
Werthen; relativ kalte Morgen hatte die Nordsee nach der Mehrzahl der Stationen
nur am 83., 12. bis 15. und 28., die östliche Ostsee am 6. bis 16. und die west-
liche Ostsee nur am 8. bis 10. und 13. bis 16. Die Morgentemperaturen hatten
zu Anfang und Ende des Monats nahezu die gleichen Werthe und zeigten im
Laufe des Monats im Allgemeinen drei Doppelschwankungen. Auf eine geringe
Zunahme am 3. und 4. folgte eine Abnahme bis zum 8. und auf wärmere Morgen
gegen Ende der ersten Dekade wieder eine Abnahme; es traten nun gegen
Monatsmitte die niedrigsten Temperaturen ein, worauf die Morgentemperaturen
meist anhaltend und zunächst rasch anstiegen, um dann nach einer Periode ziemlich
gleichmäfsig hoher Temperaturen vom 23. bis 27. in den letzten Tagen wieder
abzunehmen. Von geringeren mehr lokalen Schwankungen ist nur eine vielfach
beobachtete Erniedrigung der Morgentemperatur am 19. hervorzuheben.
Die Temperatur schwankte an der Küste zwischen der höchsten Temperatur
von Wilhelmshaven 9,0° und der niedrigsten von Rügenwaldermünde — 17,9°,
also um 26,9°, während auf den Stationen die kleinste Schwankung in Borkum
gleich 13,9° und ]die gröfste gleich 23,5° in Neufahrwasser auftrat,
Die mittlere Veränderlichkeit der Temperatur von Tag zu Tag zeigte
für die drei Beobachtungstermine nur wenig verschiedene Werthe; sie erreichte
mit ihren gröfsten Beträgen 1'!/ bis 2'/2° und war am Nachmittag und Abend
meist kleiner als am Morgen, der überwiegend die gröfste Veränderlichkeit der
Temperatur aufwies.
Der Januar zeichnete sich durch grofse Niederschlagshäufigkeit aus, indem
nur wenige Tage über gröfserem Gebiete von Niederschlägen frei waren. Läfst
man den Niederschlagstag um 8 Uhr morgens Ortszeit des gleichnamigen
Kalendertages beginnen und sieht mau von vereinzelten und geringfügigen Nieder-
schlagsmengen ab, so waren über gröfserem Gebiet trocken der 1. ostwärts der
Weser, der 5. westwärts der Elbe und an der mittleren Ostsee, der 6. ostwärts
bis zur Oder, der 7. und 8. ostwärts der Oder, der 11. an der Nordsee, der 12,
und 13, an der ganzen Küste, der 14. an der Nordsee und westlichen Ostsee, der
17. von der mecklenburgischen Küste ostwärts, der 18,, 19. und 2l. ostwärts der
Oder, der 23. an der Nordsee und westlichen Ostsee sowie der 27. an der
Nordsee. Sehr ergiebige, in 24 Stunden 20 mm überschreitende Niederschläge
und Gewitter wurden nicht beobachtet. Nebel trat häufig auf über gröfserem
Gebiet, am 1. an der Nordsee und der pommerschen Küste, am %. bis 4. an der
ganzen Küste, am 5. an der Nordsee, am 9, und 10. ostwärts bis zur Oder, am
11. an der mittleren Ostsee, am 16. und 17. ostwärts bis zur Oder, am 18. an der