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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Iegemann: Die gegenwärtige Eismeerfischerei und der Walfang. 123 
sonders die folgende Stelle auf: „Von den meisten gefangenen Walfischen hat 
man nur die Barten genommen und sich. nicht die Mühe gegeben, : die Thiere 
abzuspecken und den Speck zu Thran auszukochen. 
Abschnitt V. Russischer Walfischfang im nördlichen pacifischen 
Ozean. Die. wiederholten Versuche russischerseits, welche schon zur Zeit Peters 
des Grofsen angestellt wurden,. um im Norden den Walfang zu organisiren, 
haben nicht zu den gewünschten Ergebpissen geführt, und kaum begonnene 
Unternehmungen sind nur zu schnell wieder eingegangen. Krst in neuester 
Zeit scheint ein Walfangunternehmen, welches durch .den russischen Grafen 
G. Keyserling ins Leben gerufen ist, mit Erfolg gekrönt zu sein. In den 
Jahren 1895 bis 1898 wurden in den ostasiatischen Gewässern von dieser Ge- 
sellschaft 220 Wale gefangen. In der Nähe von Wladiwostok befindet sich die 
Faktorei, in der die Fänge weiter verarbeitet werden. Die. Faktorei beschäftigt 
70 Arbeiter, ausschliefslich Chinesen und Koreaner. 
Abschnitt VI. Potwalfang an den Azoren. Dieser hat zur Zeit noch 
einige Bedeutung, während derselbe auf den früher üblichen Fangplätzen der 
Vergangenheit angehört. Er wird von 20 Küstenstationen aus betrieben. Auf 
Seite 88 der Abhandlung finden sich hierüber interessante Mittheilungen. Die 
Angaben kurz vor Schlufs dieses Abschnitts auf Seite 91 über die Art und Weise 
der Entschädigung (Löhnung) der am Fange betheiligten Bootsleute sind offenbar 
unrichtig und müssen auf einem Mifsverständnifs beruhen. Es heifst daselbst, 
dafs diese dem auf amerikanischen Walschiffen gebräuchlichen Vorgehen ähneln. 
Vom Fange erhält, so heißt es, der Offizier 20 Barrel, der Harpunier 40 Barrel 
und der Matrose 100 Barrel, und bei geringerem Ertrage im Verhältnifs.') 
Demnach würde der Verdienst mit Abnahme der Dienststellung zunehmen, Nach 
amerikanischem Vorbilde wird es richtig heifsen müssen: „Vom Fange erhält 
der Offizier !/20, der Harpunier !/so und der Matrose !/ıvo Lay (Antheil)“. Die 
Fangboote, genau wie die der Amerikaner von 30 Fufs (9 m) Länge und 6 Fufßs 
(1,8 m) Breite, werden zum Theil auf den Azoren gebaut. 
Abschnitt VII. Walfang an den Küsten von Japan. Dieser Fang 
besteht schon seit alten Zeiten und wird in den ältesten japanischen Geschichts- 
werken erwähnt. Besonders schwunghaft ist hier der Walfang um 1600 unserer 
Zeitrechnung betrieben worden. Der Walfisch wird um ganz Japan herum gefangen, 
besonders aber im Süden von Nipon. KEigenthümlich ist die Art des Fanges der 
Wale unter Zuhülfenahme von starken Netzen und Stricken. Das Thier soll 
nämlich, sobald es sein Haupt bestrickt fühlt, nicht mehr schwimmen, und kann 
dann leicht auf die gewöhnliche. Weise mit Wurfpfeilen aufgebracht werden. Es 
werden gegenwärtig von elf Stationen aus in den japanischen Küstengewässern 
besonders vier Arten von Walen gefangen: 
l. der Nordwest- oder Japanwal oder Righiwhale, 
2. der Buckelwal oder Humpback, Ä 
3 der Blauwal oder Sulphurbottom und 
der Grauwal oder California Grey, auch Teufelsfisch genannt. 
Abschnitt VIII. Walfang an der Westküste vom Südamerika und 
von den britischen australischen. Kolonien aus, umfaßt nur reichlich 
zwei Seiten, ein Beweis dafür, dafs der früher hier bedeutende Walfang jetzt 
ganz zurückgegangen ist. . I . 
An der Westküste ‚von Südamerika: giebt .es zwei. ärmliche Fischerorte, 
einen in der Bai von Talcahuane; einen anderen in der Bay von Arauco. In 
Neuseeland und Tasmanien giebt es auch: nur noch einige Orte, von denen aus 
Küstenfischerei betrieben wird. - . . . 
Abschnitt IX behandelt: Die Fischerei im südlichen Eismeer. Diese 
Fischerei, welche sich hauptsächlich mit dem. Fange der Pelzrobben, der See- 
leoparden und Seeelefanten an den verschiedenen Inselgruppen: des südlichen 
Eismeeres befafste,. wurde bis auf die Neuzeit fast ausschließlich von Amerikanern 
und’ Engländern betrieben. _ SA N 5 . 
, Ein Walfang von. einem ‚auch. nur annähernd solchen. Umfange .wie im 
Nordpolarmeer hat im Südlichen Eismeer niemals stattgefunden, » 
1) So lautet wörtlich der Bericht von den Azoren, der aber, ‘wie schon bemerkt,. xewifs 
auf einer falschen Auffassung beruht. 
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