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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900. 
auf dem HEise beschäftigt, wurde vom Schiffe getrennt und mufßste ohne ge- 
nügende Nahrung und“ Kleidung und ohne Obdach auf dem KEise verbleiben, 
wobei 48 Menschen ihren Tod fanden. 25 aufgefundene Leichen wurden an 
Bord genommen, die übrigen 23 sind verloren. 7 Leute sind noch nach ihrer 
Errettung gestorben. Grofs war der Jammer der Hinterbliebenen bei Ankunft 
des Dampfers in St. Johns. 
Es mag noch betont werden, dafs die Regierung jedem Fangschiffe eine 
Prämie von 4 Dollar zahlt, wofür die sonst übliche Ausrüstungsgebühr der 
Mannschaft wegfällt, sowie dafs ein Schongesetz für die Seehundfischerei von 
Neufundland besteht. Nach diesem dürfen die Fangdampfer nicht vor dem 
10. März auslaufen und vor dem 14. März keine Seehunde tödten, Der Fang 
an Sonntagen ist untersagt. Nach dem 28. April dürfen keine Seehunde mehr 
gefangen bezw. getödtet werden. Segelschiffen ist das Auslaufen nach den 
„Seehundwiesen“ schon vom 1. März an erlaubt. Im Golf von St. Lorenz findet 
auch das Schlagen junger Robben im beschränkten Malse statt. 
Die im vorletzten Absatz auf Seite 50 gegebene Schonzeit weicht von der 
auf Seite 47 vorletzter Absatz, gegebenen merkwürdig ab; letztere scheint die 
richtige zu sein. 
Abschnitt IV. Der Walfang im Atlantischen und im Grofsen 
Ozean, in den nordasiatischen Gewässern und im Eismeer nördlich 
der Bering-Strafse. Dieser Abschnitt behandelt ein sehr grofses Gebiet, und 
ist sein Inhalt dem entsprechend auch ein sehr umfangreicher von nahezu 
35 Seiten. Der von Nordamerika betriebene Walfang ist die grofsartigste Er- 
scheinung auf diesem Gebiet. Er beschäftigte zur Zeit seiner Blüthe ganze 
Flotten von grofsen Fahrzeugen und Tausende von Mannschaften. Seine Gebiete 
waren die Weltmeere von den arktischen bis zu den tropischen Zonen, In 
seinem Betriebe waren viele Millionen Dollars angelegt, und seine Erzeugnisse 
bildeten wichtige Artikel des Welthandels. Von kleinen Anfängen, dem Potwal- 
fang im Anfange des 18. Jahrhunderts, an dem atlantischen Ufer der damaligen 
englischen Kolonien von Nordamerika, und zwar bei Nantucket in Massachusetts, 
legten sich die Amerikaner bald auf den Fang von Potwalen vorzugsweise auf 
der Höhe von Kap Hatteras, bei den Azoren, vor der Mündung des La Plata, 
im Indischen Ozean, zwischen den Ostindischen Inseln und zwischen den Inseln 
des Grofsen Ozeans, auf den Rightwalfang bei Neuseeland, an dem südlichen 
Theil der Westküste von Südamerika, bei Japan und bei Kodiak, und seit dem 
Jahre 1848 auf den Fang der Bowheads*) im Ochotskischen Meere, im Bering- 
Meere und im Eismeer nördlich der Bering-Straße. Die sogenannte Zwischen- 
saison, die Zeit unseres Winters, wurde in den Tropengegenden mit dem Fange 
von Potwalen, Buckelwalen und Teufelfischen (California Grey) verbracht. Auch 
Deutschland betheiligte sich in den 40ger, 50ger und 60ger Jahren des vorigen 
Jahrhunderts an diesem Walfange. Mit dem Beginn der 70 ger Jahre des vorigen 
Jahrhunderts begann dieser Betrieb langsam abzunehmen, und jetzt ist kaum 
noch ein Repräsentant der früheren grofsen Seglerflotte übriggeblieben. Gegen- 
wärtig wird der Walfang hauptsächlich von einigen kleinen Dampfern von San 
Francisco im Nördlichen Eismeer ausgeübt. Auf die nähere Beschreibung dieses 
Unternehmens mufs hier verzichtet werden. Es mag nur darauf aufmerksam ge- 
macht werden, dafs bei diesen Fahrten häufig Ueberwinterungen östlich von 
Point Barrow bei der Insel Herschel*) stattfinden, an denen sich mehrere 
Dampfer und Hunderte von Menschen betheiligen. Sehr interessant ist der 
Bericht eines Matrosen über das Schicksal der schiffbrüchigen Mannschaft des 
Dampfers „Orca“, der sich auf Seite 80 ff. der Abhandlung vorfindet. Bei einer 
Uebersicht über das 1898ger Unternehmen der San Francisco Whalers fällt be- 
i) Der Buwhead- und der Rightwhale sind die werthvollsten Bartenwale und sogenaunte 
Glattwale. Sie unterscheiden sich äufserlich hauptsächlich . durch die Form ihrer Köpfe. Der 
Bowhead hat, wie sein Name schon andentet, einen nach unten gebogenen Unterkiefer, während der 
Kopf des Rightwhale meist gerade ist. Auf der Mitte desselben befinden sich drei Erhöhungen, von 
denen die vorderste die gröfste ist und von den Whalern mit dem Namen „bunnet*“ (Frauenhut) 
bezeichnet wird. Der Kopf, besonders der „bonnets“.ist stark mit Walfischläusen besetzt, welche 
beim Bowhead so gut wie gar nicht vorkommen. Der Kopf des Buwheads ist länger als der des 
Rightwhales, -Der Bowhead lebt am und -im Eise, der Rightwhale in den gemäfsigten Zonen, 
2) Die Herschel-Insel soll als Station wieder aufgegeben werden, weil sich die Wale von 
dort zurückvezugen haben.
	        
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