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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Hegemann: Die gegenwärtige Eismeerfischerei und der Walfang. 121 
Tausenden mit der Schiefßswaffe erlegt. Nach Nansen pflegt der Fang der 
„Klappmützen“ im Juni zu beginnen, wenn die Fangschiffe von Jan Mayen nach 
der Dänemark-Straßfse kommen. Es ist schwierig, eine gröfsere Heerde von See- 
hunden aufzufinden, indem sie auf dem ganzen Eise zerstreut umherliegen. 
Nach Nansen war der norwegische Dampfer „Eisbar“, von Svend Foyn 
entsandt, der Erste, der im Jahre 1876 den Klappmützenfang in der Dänemark- 
Straße im grofsen Umfange einleitete, die früher nur vereinzelt erlegt wurden. 
Seitdem hatte das ruhige Leben der Klappmützen ihr Ende erreicht. In den 
ersten acht Jahren hatten die Norweger einen grofßen Erfolg; in dieser Zeit 
wurden rund 500 000 Klappmützen erbeutet, und mindestens ebenso viele sind 
durch die Kugeln getödtet, ohne dafs man ihrer habhaft wurde. Aufser dem 
Sechundfang betreiben die Norweger den Fang der Nebbwale oder Bottlenose- 
oder Enten- oder Schnabelwale. Ferner fischen sie mit kleinen Fahrzeugen 
(Schlupen oder Yachten) an den Küsten von Spitzbergen und Nowaja Semlja 
Seehunde, Walrosse, Weilswale, Eisbären, Eishaie und Narwale. Ferner machen 
die Norweger Jagd auf Rennthiere; auch sammeln sie Eiderdaunen, 
Interessant ist die Beschreibung der Weifswale, deren Lebensweise und 
deren Fang mit Zuhülfenahme von starken Netzen. Der Fang der Eishaie zum 
Zweck der Gewinnung der Leber derselben ist auf Seite 10/11 beschrieben. 
Bedeutend ist die Küstenfischerei auf Finnwale an der Küste von Finnmarken 
und des Amtes "Tromsö. Auch auf Island betreiben die Norweger den Fang aut 
Finnwale von Landstationen aus, deren erste von Svend Foyn eingerichtet 
wurde. Unter den Finnwalen ist der Blauwal der gröfste, der eine Länge von 
70 bis 80 Fuß (21 bis 24 m) erreicht; Kapitän Thorn hat sogar einen solchen 
gefangen, der eine Länge von 93 Fufs (28 m) hatte. Die Heimath der Bottlenose 
ist das Meer zwischen 72 und 61° N-Br. und 2° O-Lg. und 12° W-Lg. 
Seite 19 bis 22 behaudelt die russische Eismeerfischerei, und auf Seite 22/27 
finden wir eine Beschreibung des von Schottland aus im europäischen KEismeere 
und in den Strafsen und Sunden zwischen dem arktischen Amerika und Grönland 
betriebenen Wal- und Seehundfanges, dessen Erträgnisse der Jahre 1890 bis 1898, 
zusammen mit denen aus dem „Antaretic“, auf Seite 28/33, in Tabellen geordnet, 
angegeben werden. 
Der 1I. Abschnitt behandelt die Fischerei von Dänisch-Westgrönland 
und Labrador. An der Westküste von Grönland wird der Fang ausschliefslich 
von Eskimos betrieben. Es ist bekannt, so heifst es einleitend auf Seite 34, 
welche wichtige Rolle die Seehunde im Leben der Eskimos spielen; sie liefern 
ihnen Nahrung, Kleidung, Feuerungsmaterial und Licht im Winter, sie ermög- 
lichen ihnen den Bau ihrer Boote -— der unentbehrlichen Kajaks und Omiaks. 
Es folgt die Beschreibung, wie die Eskimos die Seehunde fangen. Auf Seite 35 
werden die fünf Arten der Seehunde, welche die Küsten und Fjorde von 
Grönland bevölkern, aufgeführt und beschrieben. Seite 36 und 37 bringen eine 
Statistik des Fanges an der Grönländischen Küste. Erstaunlich ist die grofse 
Menge der gefangenen Seehunde, während der Walrofsfang der Grönländer von 
geringer Bedeutung ist. Es kommen oder kamen Barten- und Zahnwale vor, 
welche Seite 38 bis 40 genannt und beschrieben werden, nebst der Art und 
Weise des Fanges, sowie die Anzahl der gefangenen Wale und deren Verwerthung. 
An der Küste von Labrador wird, wie man auf Seite 40 und 41- erfährt, bei 
den Stationen der Herrenhuter Gemeinde ein Seehundfang‘ betrieben, dessen Er- 
trägnisse, soweit sie nicht zur Befriedigung der Bedürfnisse der Eingeborenen 
dienen, nach London ausgeführt werden. Aufserdem gelangen von Labrador 
Dorschthran und Stockfische zur Ausfuhr. Der Handel mit den von Labrador 
eingeführten Waaren dient allein zur Unterhaltung der Labrador-Stationen; Niemand 
hat einen persönlichen Gewinn davon. 
Abschnitt III hat den Titel: Der Seehundfang auf dem polaren 
Treibeise im Norden von Neufundland und im St. Lorenz-Golf. Es sei 
ganz besonders auf die Stelle in diesem Abschnitt verwiesen, welche Seite 45 ff, 
ein beredtes Beispiel darbietet, mit welchen Gefahren und Beschwerden manchmal 
der Seehundfang auf dem Treibeise verbunden ist. Wahrhaft herzzerreifßend ist 
die Schilderung des Schicksals der Besatzung des Dampfers „Greenland“. Der 
Dampfer befand sich im März 1898 auf der Seehundjagd im Treibeise nördlich 
von Neufundland. Ein Theil der Mannschaft. mit dem Schlagen der Seehunde
	        
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