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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900,
Die gegenwärtige Eismeerfischerei und der Walfang.
Im Verlag von Otto Salle in Berlin ist vor mehreren Monaten unter
obigem Titel der IV. Band der Abhandlungen des „Deutschen Seefischerei-
Vereines“ erschienen, der den auf seewirthschaftlichem Gebiet rühmlichst be-
kannten Schriftsteller Dr. phil. M. Lindeman in Dresden zum Verfasser hat
und der von mir, im Auftrag des Herrn Direktors der Seewarte, besprochen
werden soll. Der Band hat Grofßsquart-Format und auf starkem glatten, etwas
gelblichem Papier einen reinen deutlichen Druck.
In einer drei Seiten langen Einleitung verweist der Verfasser zunächst
auf eine eingehende Arbeit von ihm im Jahre 1869, erschienen im KErgänzungs-
heft No. 26 zu „Petermanns Mittheilungen“, über die arktische Fischerei der
deutschen Seestädte von 1626 bis 1868, und auf eine zweite Arbeit im KEr-
gänzungsheft No. 60 derselben Zeitschrift, nämlich eine umfangreiche Darstellung
der Seefischerei überhaupt, ihrer Gebiete, ihres Betriebes und ihrer Krträge in
der Periode 1868 bis 1874, Des Weiteren führt er die Gründe an für eine
Betrachtung der gegenwärtigen KEismeerlischerei und des Walfanges, unter Kr-
wähnung der wichtigsten Vorkommnisse auf diesem Gebiet.
Nach einem allgemeinen Ueberblick über den jetzigen Stand des Seehund-
und Walfanges geht der Verfasser zu der eigentlichen Aufgabe über, indem er
uns in dem nun folgenden 119 Seiten langen Text, der in neun Abschnitte ein-
getheilt ist, die neuere Geschichte des Walfanges und des Fanges anderer
Thranthiere, besonders in den Polargegenden, aber auch in aufserpolaren Meeren,
in leicht verständlicher Weise vorführt, dabei indefs nicht selten auf die ältere
Geschichte zurückgreifend. Wir lernen beim Lesen derselben die jetzigen
Hauptfangplätze der Wale und der anderen Thranthiere und die verschiedenen
Arten derselben sowie den Umfang, in dem sich die verschiedenen Völker an
der Erbeutung dieser Thiere betheiligen, kennen. Ferner schildert der Verfasser
uns die verschiedenen Methoden des Fanges der Thiere und die damit ver-
bundenen Schwierigkeiten und Gefahren, selbst für das Leben der dabei be-
schäftigten Menschen. Wir gewinnen einen klaren Einblick in den weiteren
Betrieb der Fischereiunternehmungen: wie die Erträgnisse derselben verwerthet
werden, wie hoch die ungefähren Kosten der Fangschiffe nebst deren Aus-
rüstungen sich belaufen, wie viel der Reingewinn beträgt und in welcher Höhe
die Rheder und die Mannschaften an Letzterem betheiligt sind,*)
Nachdem hiermit der Inhalt des Werkes kurz bekannt gegeben ist, dürfte
es sich empfehlen, etwas auf Einzelheiten einzugehen. Zu diesem Zweck sollen
die einzelnen Abschnitte der Reihe nach aufgeführt, näher betrachtet und auf
einige der wichtigsten Angaben aufmerksam gemacht oder letztere in ganz
besonderen Fällen im Nachstehenden wiedergegeben werden.
Abschnitt 1. Wal- und Seehundfang im europäischen Kismeer.,
Am Wal- und Seehundfang im europäischen Eismeer sind regelmäfsig Norwegen,
Russland und Schottland betheiligt. Dann heifst es weiter (auf Seite 4): Von
Norwegen geht seit 1846 im Frühjahr eine kleine Dampferflotte —— im Jahre 1896
18, 1897 13 Schiffe — und zwar von Tönsberg, Christiania, Sandelfjord und
Arendal in das Eismeer, um zunächst bei der Insel Jan Mayen auf dem Treibeise
das Schlagen der jurgen Seehunde zu betreiben. Seit 1877 ist für den Robben-
fang bei Jan Mayen auf Grund internationaler Uebereinkunft eine Schonzeit
eingeführt.
Svend Foyn war, wie es auf Seite 5 heißt, der Erste, der von Norwegen
aus im Jahre 1846 den Anfang mit dem Robbenschlagen bei Jan Mayen, und
zwar mit Segelschiffen machte. Erst später wurden hierzu Dampfer verwendet.
Die beiden Angaben über die Zeit der Verwendung von Dampfern stimmen
nicht mit einander überein; es wird wohl bei der ersten Angabe (auf Seite 4)
anstatt Dampferflotte richtiger einfach „Flotte“ heifsen müssen. Dieser Fang
lieferte einen grofsen Ertrag. Eine besonders werthvolle Seehundsart „Klapp-
mütze“ wird auf dem Eise zwischen Island und der Ostküste von Grönland zu
1) Mit dieser Einleitung ist das Erscheinen des hier zur näheren Besprechung gelangenden
Werkes in der No. 39 der „Hansa“, deutsche nautische Zeitschrift, vom 30. September 15899
angezeigt worden,