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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900. 
Böen hatten freilich noch volle Orkanstärke, aber in den Pausen machte sich 
schon eine merkliche Abnahme wahrnehmbar. Auch liefs sich mitunter ein 
Stück blauen Himmels sehen, und der Dunst ballte sich zu Wolken zusammen. 
Um 4" p, als das Barometer schon bis 750,0 mm aufgegangen war, wehte noch 
Sturm von Stärke 10 aus WSW, und die rasch aufeinander folgenden Böen er- 
reichten noch die Stärke 11. Nach 6" p nahm der Sturm rasch ab und holte 
auf SSW. Kr hatte eine aus allen Richtungen von WSW durch S bis 0S0O 
*archtbar wild durcheinander laufende Sec aufgeworfen, am höchsten lief dieselbe 
zus SW, SSO und SO. Noch während der Nacht arbeitete das Schiff furchtbar, 
und war oft das Deck bis an die Reling mit Wasser gefüllt, doch haben wir 
Aurch den Seeschlag keine wesentlichen Verluste gehabt. 
Am 5. Februar auf der Wache von Mitternacht bis 4" a war der Wind 
aus SSW so weit abgeflaut, dafs wir alle Segel wieder beisetzen konnten. 
Nachmittags, bei schönem Wetter, sahen wir nördlich von uns ein Viermast- 
vollschiff, das auf St. B.-Halsen bei dem Winde lag und nur ein Untermarssege! 
und die Fock führte, Später wurden noch ein Unter- und ein Obermarssegel 
xesetzt. Das Schiff schien viele Segel verloren zu haben. An den hintersten 
beiden Masten konnte man noch zerrissene Segel an den Raaen hängen sehen.“ 
Wasserhosenartige Erscheinungen im Golfstrome. 
Von Kapt. 1. Haltermann, Assistent bei der Secwarte, 
Im Golfstrome, dem „great weather - breeder“ Maurys, verursachen 
die kalten Nordwestwinde des nordamerikanischen Winters oft sehr sonder- 
bare Erscheinungen, die, soweit bekannt, in anderen Meerestheilen kaum 
vorkommen und die sehon von Professor Köppen in einer in „Ann. d. Hydr.“ 
1890, Seite 445, veröffentlichten Arbeit genauer untersucht worden sind, Aehn- 
lich dem grofsen, an der West- und Nordgrenze des Golfstromes auftretenden 
Unterschiede in der Wasserwärme, welcher nicht selten während der Fahrt des 
Schiffes von Viertelstunde zu Viertelstunde 13° C beträgt, ist dort im Winter 
der Unterschied zwischen Luft- und Wasserwärme ein grofser, und gerade dieser 
macht sich in seinen Folgen dem Auge in eigenthümlicher Weise bemerkbar. 
Durch aufsteigenden Wasserdampf erscheint dann oft die Meeresoberfläche in Nebel 
zehüllt und, was besonders dabei auffällt, nach allen Richtungen hin zeigen sich 
Wasserhosen von kleinem Umfange und von geringer Höhe. Dabei weht der 
Wind fast immer in kurzen Stöfsen, und es giebt häufige Schnee- und Hagelböen. 
Im Januar des Jahres 1897 beobachteten zwei deutsche, für die Seewarte 
arbeitende Schiffe, die Bremer vom Kapt. H. Bandelin geführte Viermastbark 
„Robert Rickmers“ und die Papenburger Bark „Maria“, Kapt. H. Schnieders, 
dies Dampfen des Meeres und das Auftreten der vielen kleinen Wasserhosen in 
stark ausgeprägter Weise. Am 23. und 24. Januar hatte sich ein Tiefdruck- 
gebiet über dem Golfstrome nach NO bewegt, und unter dem Kinflusse der 
in seinem südwestlichen Quadranten wehenden kalten Nordwestwinde zeigten 
sich dann die vorerwähnten Erscheinungen. Im Tagebuche von „Robert 
Rickmers“, der sich am Mittage des 25. Januar in 36,4° N-Br und 74° W-Lg 
befand und auf dem an diesem Tage gleichzeitig die Luftwärme gleich — 0,7° C, 
die Wasserwärme gleich -+ 19,85 C gemessen wurde, bei Wind NW 6, einem 
Luftdrucke von 761 mm und %4 bedecktem Himmel, finden sich folgende An- 
gaben: „Sehr starkes Dampfen des Seewassers. Sehr viele kleine, unbedentende 
Windhosen in allen Richtungen“. Als nachmittags die Wasserwärme unter 
16° C gesunken war, wird im Tagebuche weiter bemerkt: „Das Verdunsten des 
Seewassers nimmt ab, aber immer noch viele kleine Wasserhosen. Puffige Brise“, 
Am 26. Januar, an welchem Tage der Nordwestwind die Stärke 7 hatte, 
die Wasserwärme auf + 6° C, die Luftwärme auf -— 3° C gesunken war, findet 
sich im Tagebuche nur die Bemerkung: „Schönes Wetter.“ 
Die, wie „Robert Rickmers“, nach einem nordamerikanischen Hafen be- 
stimmte Bark „Maria“ stand am 25. Januar mittags in 36° N-Br und 71° W-Lg 
mitten im Golfstrome, wo die Wasserwärme eine gleichmäfsige und die Luft- 
wärme, wenn auch eine geringe, doch noch weit über 0°C war. Das Schiff 
war näher dem Mittelpunkte des östlich vorübergezogenen Tiefdruckgebietes
	        
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