Von Neu-Süd-Wales nach Callao und Tatcahuano.
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Auf der Reise von Callao nach Talcahuano, die mit 600
spanischen Tonnen Ballast an Bord am 21. Februar 1899 angetreten wurde,
segelte „Enuerdale“ mit dem Südostpassat bei dem Winde vom Lande ab
südwestwärts und gelangte mit diesem Winde, nachdem auf 22°S-Br und 86° W-Lg
für zwei Tage eine Unterbrechung durch südwestliche Briese stattgefunden hatte,
am 6. März nach 29,5° S-Br und 90,4“ W-Lg, dem westlichsten Punkt, der an-
gesegelt wurde, Dann wurde bei veränderlichen, vorwiegend westlichen, oft
flauen Winden der Kurs - ostsüdostwärts auf den Bestimmungsort gesetzt und
dieser am 22, März, dem 29, Tage der Reise, erreicht. Um 2 Uhr nachmittags
wurde Quiriquina - Insel umsegelt und um 4 Uhr das Schiff in der Concepcion-
Bai vor Talcahuano?!) zu Anker gebracht.
in dieser Jahreszeit von Norden kommend und hierher bestimmt — bemerkt
Kapt. Buller — erscheint es mir durchaus nicht nöthig, südlich von der Breite
des Bestimmungsortes zu gehen, vielmehr richtiger, von den Inseln Mas afuera
und Juan Fernandez einen direkten Kurs zu steuern, denn erstens ist der Strom
an der Küste nur ganz schwach und zweitens sind jetzt ebenso viele nördliche
als südliche Winde zu erwarten. Und wenn der Wind auch südlich ist, so ist
er doch selten östlicher als rw. Süd. Während der sechs Wochen unseres Auf-
enthaltes in Talcahuano kam der Wind, wenn er südlich war, fast immer aus
einer Richtung westlich von Süd. Wehte er zuweilen vormittags aus SO, so
war dies doch immer nur von kurzer Dauer, und es erfolgte jedesmal bald eine
Drehung nach SW. Die Küstenfahrer nehmen in dieser Jahreszeit stets von
Juan Fernandez den direkten Kurs. Eine peruanische eiserne Bark, die freilich
kurz vor Abgang den Boden im Dock gereinigt hatte, machte auf dem ange-
gebenen Wege die Reise von Callao in nur 18 Tagen.?)
Sturm auf dem Südatlantischen Ozean im Februar 1899.
Von einem schweren Sturm, den die Bark „Pallas“ auf ihrer Reise von
London nach Sydney im Februar 1899 auf ungefähr 40° S-Br und 15° W-Lg
durchzumachen hatte, giebt Kapt. J. Danklefs folgende Beschreibung.
„An der Nacht vom 3. zum 4. Februar hatten wir den Wind östlich,
leicht, mit Regen. Gegen Morgen holte er nördlicher, zunehmend, drehte aber
noch ıür mehrere Stunden von N wieder nach NNO zurück. Als am Vormittage
des 4. das schon niedrig stehende Barometer noch rasch weiter fiel, während
der Wind, bei anhaltendem Regen, von NNO wieder durch N holte und schnell
zunahm, liefs ich alle Sexel bis auf die beiden Untermarssegel fest machen, die
Raaen vierkant und die Brassen gut steif holen, überhaupt alle Vorkehrungen
treffen, um dem zu erwartenden Südweststurm begegnen zu können. Um 10" a
war der Wind NW 6-—7, langsam weiter westlich drehend, um Mittag
NWzW 7—9, stofsweise wehend, dick von Regen, das Barometer — 737,8 mm
unred. — noch fallend. Schiffsort 40° 6’S-Br und 15° 30‘ W-Lg. Gegen 0° 40" p
war der Wind bis WNW 10 angewachsen und das Barometer auf seinen
niedrigsten Stand von 736,7 mm gefallen, dann drehte er sich rach auf WSW,
aus welcher Richtung er jetzt als voller Orkan einsetzte. Nachdem wir vorber
etwa OSO gesteuert hatten, hielten wir jetzt flach vor dem Winde auf ONO-
Kurs. Der Sturm wüthete in entsetzlichen Stöfsen. Das ganze Schiff zitterte,
und ich fürchtete, die Segel würden aus den Lieken fliegen, aber Alles hielt
glücklicherweise. Oben war die Luft ziemlich hell, sonst der Himmel dicht
verhüllt, aber nicht von Wolken, sondern von einer hellgrauen Dunstmasse.
Das Seewasser wurde vor dem Winde hergetrieben, wie man bei heftigem
Schneegestöber den Schnee fliegen sieht; vom Hinterdeck war kaum bis zum
Bugspriet zu sehen.
Als ich um 1* 45" nach dem Barometer sah, war dasselbe schon auf
741,8 mm gestiegen. Nach 3* p war die gröfßste Wuth des Orkans vorbei. Die
Siehe „Ann. d. Hydr.“ 1899, Seite 542 ff.
) Nach den Windtabellen im „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“, Seite 468 ff., beginnt
das häufige Auftreten der Winde aus dem nördlichen Halbkreise zwischen 35° und 40° S-Br an
der Küste von Chile erst im Mai und endet etwa im Oktober. Von November bis März und auch
noch im April sind südliche und südwestliche Winde stark vorherrschend.