accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

116 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900. 
völliger Windstille. Der Gezeitenstrom setzte bis Mittag nach OSO, nachmittags 
nach WNW. Mit Nordostbriese, die um 4 Uhr aufsprang und auffrischte, setzten 
wir den Kurs auf Sandy Cape und erreichten durch Capricorn-Kanal bald den 
offenen Ozean, froh, dafs wir nicht die Flinders-Passage benutzt hatten. 
Die Fahrt von Cleveland-Bai nach Sandy Cape hatte 6 Tage in Anspruch 
genommen. Den weiteren Weg nach Newcastle mulsten wir fast gänzlich gegen 
südöstlichen Wind kreuzend zurücklegen. Wir hielten uns in Sicht der Küste; 
glücklicherweise hatten wir während des Kreuzens stets einen starken nach 
Süden setzenden Strom, durch welchen das Vorwärtskommen sehr erleichtert 
wurde. Am 4. Oktober um 1 Uhr nachmittags erreichten wir den Hafen von 
Newcastle nach einer Reise von 14 Tagen. 
Schiffe, die nach Newcastle N. S. W. gehen, sollten vermeiden, sich in der 
Chartepartie zur Benutzung bestimmter Schleppdampfer zu verpflichten, da bei 
freiem Akkord vor dem Hafen Schlepper häufig zu niedrigeren Preisen an- 
genommen werden können. 
Von Neu-Süd-Wales nach Callao und Talcahuano. 
Aus dem Reisebericht der Bark „Knnerdale“, Kapt, Rud. Buller. November 1893 bis März 1899, 
In Newcastle N. S. W. nahm „Ennerdale“ eine Ladung von 1830 Tomen 
Kohlen ein, bestimmt nach Callao, und trat am 7. November 1898 ihre Reise 
an. Durch das Vorherrschen südwestlicher Winde wurde Kapt. Buller ver- 
anlafst, statt der südlichen Route, zu der er erst entschlossen war, die im 
Norden von Neu-Seeland zu wählen, Er traf hier eine befriedigende Gelegenheit. 
Westlich von den Inseln liefßs er südlicher halten bis 45° S-Br. Hier fand man 
ziemlich viel leichten Wind, und besonders entstand beim Nordostwärtssteuern 
über 30° S-Br und 81° W-Lg viel Aufenthalt durch Flaue und Stille, so dafs die 
Strecke von 35° S-Br und 89° W-Lg bis 27° S-Br und 80° W-Lg 12 Tage in 
Anspruch nahm. Mit dem Südostpassat, der in 27° S-Br einsetzte, erreichte 
„Ennerdale“ am 11. Januar 1899 nach einer Reise von 66 Tagen die Bai von 
Callao. An den letzten beiden Tagen in der Nähe der Küste war die Luft sehr 
diesig, so dafs das Land nur eben durchschimmerte, zuletzt dick von Nebel, der 
erst nahe unter der Insel San Lorenzo aufklarte. 
Kapt. Buller bemerkt über Callao: Gegen 6 Uhr nachmittags am 
1l. Januar rundeten wir San Lorenzo-Insel. Wind Süd 3 bis 4. In der Bai 
von Callao wurde der Wind flauer und schraler, so dafs wir nicht zur Rhede 
aufliegen konnten. Wir ankerten deshalb um 9 Uhr, als es still wurde und 
dunkle Nacht, eben nördlich der Mündung des Rimac-Flusses dicht unter Land 
auf 14,5 m (8 Faden) Wasser. Am nächsten Morgen kreuzten wir, indem wir 
zuerst nach San Lorenzo hinüberlagen, mit dem nächsten Schlage nach Callao 
anf, wo wir um 1 Uhr nachmittags eben innerhalb des Schwimmdocks, dasselbe 
WSW peilend, ankerten. Es ist dies für ein einkommendes Schiff der beste 
Platz, da man hier nahe am Lande liegt und den ein- und ausgehenden Dampfern 
aus dem Wege ist. Ferner hat ınan auch, von hier aus nach der Darsena gehend, 
den Schleppdampfer frei. Die Linie, innerhalb welcher kein Schlepplohn nach 
der Darsena bezahlt zu werden braucht, wird gerechnet vom Schwimmdock bis 
zur letzten Kohlenhulk. Nördlich vom Schwimmdock sind drei Bojen verankert, 
die den Schiffen beim Ein- und Ausholen dienen. Da dieselben nicht mit dem 
Dock verbunden sind, kann man zwischen ihnen hindurchsegeln. An der Süd- 
jstseite des Docks ist der Kriegshafen und dort das Ankern verboten. 
Die Gesammtunkosten einschliefslich Hafenabgaben belaufen sich in Callao 
auf 38 cts. die Registertonne. Ballast — sehr schwerer Steinballast — kostet, 
in der Darsena geliefert, 2,05 Silbersoles die spanische Tonne. Aufserdem sind 
noch 22 Soles an Gratifikationen zu entrichten. In der Darsena sind nur das 
Löschen und Arbeiten auf Deck ohne Weiteres gestattet; für jede andere Arbeit 
aufsenbords oder im Topp mufs erst die Erlaubnifs vom Dockmeister eingeholt 
werden. Arbeitslohn ist 2 Soles für den Tag,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.