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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Nach der Nordostküste Australiens, 
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Brücke bei Weitem nicht zureichend für den Verkehr. Die Segelschiffe müssen 
einmal über das andere Dampfern, welche Ladung bringen, die an der Brücke 
gelöscht werden mufs, Platz machen. Wir hatten während unseres Aufenthaltes 
vom 17, August bis zum 15. Septeinber an dem Uebelstand, dafs wir so oft von 
der Brücke abholen mußten, sehr zu leiden, da wir kaum zwei Tage hinter- 
einander ohne Unterbrechung löschen konnten. Am 1. September kam noch ein 
Schiff, „Conway Castle“, mit Schienen beladen, an die Brücke, und jetzt nahm 
das Verholen überhaupt kein Ende. Wir nahmen, um vorwärts zu kommen, die 
Nacht mit zu Hülfe, was uns die Löschkosten durch Extra-Arbeitslohn und die 
Abgabe von 18 Pence die Stunde für Ueberzeit an das Zollamt sehr vertheuerte. 
Aufserdem lag noch ein Bagger an der Brücke, der den Liegeplatz für Schiffe 
um 150m (500 Fufs) verlängern sollte und für sich auch noch 30m (100 Fuls) 
Länge in Anspruch nahm. Im nächsten Jahre soll die Länge der Brücke auf 
330m (1100 Fufs) gebracht werden, für Schiffe eine bedeutende Verbesserung. 
Mit „Ennerdale“ leichteten wir draufsen 150 Tonnen und gingen dann 
mit einem Tiefgange von 5,78 m (19 Fufs 3 Zoll) an die Brücke. Wir benutzten 
die Nachtgezeit, da das Wasser am Tage viel weniger hoch stieg. Gelöscht 
wurde mit eigener Mannschaft unter Zuhülfenahme von Dampfkraft, für welche 
6 Pence für die Tonne Schwergut — mindestens 3 £ Sterling den Tag — bezahlt 
werden mufste. 
Arbeitslohn ist 18 Pence die Stunde. Sandballast kostet 4 Shilling 6 Pence 
die Tonne, frei längsseits des Schiffes, Frisches Wasser ist hier enorm theuer, 
2 & Sterling für 1000 Gallonen, doch wird im nächsten Jahre mit der Ver- 
längerung der Brücke auch eine Leitung des Trinkwassers nach dem Liegeplatze 
der Schiffe ins Werk gesetzt werden. Es ist in Townsville ein vorzügliches 
Hospital vorhanden, wo für Unterkunft und Behandlung 3 Shilling für den Mann 
und Tag berechnet wird. Die „Harbour Board“ ist im Besitz eines halbwegs 
guten Schleppers, der den Schiffen zu Diensten steht. Es ist der einzige, der 
hier ist. Ein deutscher Konsul ist nicht da. Desertionen sind an der Tages- 
ordnung. , 
Das Wetter war während unserer Anwesenheit sehr heils und trocken. 
Regen fiel nur an zwei Tagen, jedesmal für eine Stunde, doch gab es in der 
Nacht zuweilen sehr starken Thau. Der Wind schwankte am Tage zwischen 
SO und NO, mit Stärken 3 bis 5; nachts war er Süd bis SO 2 bis 3 oder ganz 
still. Regelmäfsige Landbriese war selten vorhanden, dagegen stellte sich eine 
frische Seebriese am Tage stets ein. 
Auf der Barre bleiben bei Niedrigwasser, Springgezeit, 3,3 m (11 Fufs) 
stehen. Man will durch Baggern die Tiefe auf 4,5m (15 Fuß) bringen. 
2. Von Townsville nach Newcastle N.S.W. Mit 600 Tonnen Ballast be- 
laden, verließs „Ennerdale“ am 20. September 1898 um 7 Uhr morgens die 
Cleveland-Bai mit leichtem Ostsüdustwinde, Landbriese war während der Nacht 
nicht eingetreten. Gegen Mittag holte der Wind östlicher und schwankte dann 
in Stärke 3 bis 4 zwischen ONO und 0SO. Wir kreuzten damit bis zum Mit- 
tage des 22, der Flinders-Passage zu. Ich hatte die Absicht, hier hindurch zu 
segeln, obgleich man. mir in Townsville die innere Route für diese Jahreszeit 
angerathen hatte. Als wir am 22. den Eingang zur Passage erreicht hatten, 
fanden wir dort jedoch den Wind aus ONO bis NO 2 bis 3, wodurch wir uns 
genöthigt sahen, nach der inneren Route zu halten. Abends war der Wind NNO 3. 
Wir passirten an der Nordseite von Holborn - Insel und um Mitternacht Hook- 
Insel. Nachts hatten wir starken Thau. Ich nahm die Route jetzt dicht am 
Riffe entlang, bis Calder-Insel SS0!420 peilte, und setzte dann den Kurs auf 
Penrith-Insel. Letztere Insel wurde an der Westseite passirt, alle vorher be- 
rührten an der Ostseite. Entfärbies Wasser wurde auf der eingehaltenen Route 
nicht gesehen. Um Mitternacht vom 23. zum 24. September, als wir uns in 
Sicht des Feuers von Pine-Insel befanden, wurde es für kurze Zeit still; es 
folgte leichter westlicher Zug, der aber für die Zeit von 4 bis 7 Uhr morgens 
wieder durch Windstille abgelöst wurde. Der Strom setzte nach West. Kurz 
nach 7 Uhr am 24, kam bei South-Insel der Wind aus NOzO mit Stärke 3 durch, 
mit dem wir um 2 Uhr nachmittags Cheviot-Insel in 2 Sm Abstand passirten und 
am 25, um 7 Uhr morgens in Sicht des North Reef-Feuerthurmes gelangten. 
Wir trieben dann in 6 Sm Abstand von dem Thurm bis 4 Uhr nachmittags in
	        
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