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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900,
die Bass-Strafse südlich von Tasmanien zu gehen und infolgedessen die harten
westlichen Winde, die wir östlich von Australien antrafen, nicht so gut aus-
nutzen konnte.
Um nach Townsville zu gelangen, hatte ich die innere Route zwischen
der Küste und dem Barriere-Riff gewählt, welche in dieser Jahreszeit die beste
ist. Wir hatten unseren Kurs durch den Capricorn-Kanal auf High Peak -Insel
gesetzt und diese am Mittage des 9. August in 2 Sm Abstand passirt. Der Wind
war frisch aus SO. Als es bald darauf flan wurde und der Wind flach von
achtern kam, aufserdem Strömung nach West setzte, ließ ich für die Süd-Insel
der Percy-Gruppe steuern, um während der Nacht an der Westseite der Inseln
in Sicht des Feuers von Pine-Insel nordwärts zu segeln. Von Hannah Rock
bekamen wir, obgleich wir von der Marsraa Ausguck hielten, nichts zu sehen.
Uns in 2 bis 3 Sm von den Percy-Inseln haltend, wurden wir durch den rothen
Sektor des Pine-Insel-Feuers rechtzeitig vor der Annäherung an Normanby Rock
gewarnt. Die Inseln waren in der klaren Nacht weit zu sehen, und da weiter
keine Untiefen dort vorhanden sind, brauchten Segel nicht gekürzt zu werden.
[ch wählte, abweichend von der im „Australia Directory“ empfohlenen Route, ‘)
die an der Westseite von Sphinx, Snare Peak und Derwent-Inseln und Three
Rocks hinführende, passirte dann an der Luvseite von Scawfell, zwischen dieser
und Calder-Insel hindurch und steuerte von hier auf Edward-Insel, an welcher
wir in 2 Sm Abstand entlang fuhren, Entfärbtes Wasser oder sonstige Anzeichen
von versteckten Gefahren waren auf der ganzen Strecke nicht zu entdecken, und
unsere Karte — James Imray Australia No. 4 — erwies sich als völlig
korrekt. Indem wir uns in 2 bis 3 Sm Abstand von den Inseln hielten, steuerten
wir an Hook-Insel vorüber nach Kap Gloucester, welches sich in der Nacht scharf
abhob. Holborn-Insel an St. B. lassend, verfolgten wir dann unseren Weg weiter
nach Kap Cleveland.
In gutem Abstande von Kap Cleveland, wohin wir am Vormittage des
11. August kamen, wurde die Flagge für den Lootsen aufgebracht, worauf vom
Feuerthurm auch bald das Semaphorsignal für die Lootsenstation in Townsville
gezeigt wurde. Das Kap wurde in 1!/s Sm Entfernung passirt; darauf steuerten
wir aber noch 4 Sm mw. West weiter, ehe wir nach dem Ankerplatze aufluvten.
Der Lootse kam in der Zollbarkasse erst an Bord, als wir uns bereits ganz in
der Nähe des Ankerplatzes befanden. Bald darauf kam Bay Rock frei von
Magnetic-Insel zu sehen, und ankerten wir dann auf 7,5m (25 Fufs) Wasser,
Bay Rock in NW!AW und Kap Cleveland in 0%4N rw., 2Sm von der Fahr-
wassertonne entfernt.
Wenn man in der Nacht einsegelt, sollte man, sobald Bay Rock-Feuer in
Sicht kommt, ankern. Ebenso gut ist es aber, dies schon weiter draußen zu
thun, denn an den Lootsen, der am nächsten Morgen herauskommt und das
Schiff einbringt, ist doch immer das volle Lootsgeld zu zahlen. Letzteres beträgt
einkommend 4 Pence die Registertonne, ausgehend, wenn in Ballast, 2 Pence,
wenn mit Ladung, 4 Pence.
Der Strom war auf der ganzen Strecke, die wir innerhalb des Barriere-
Riffes zurückzulegen hatten, günstig, und haben wir, außer zwischen High Peak-
and South-Insel, nie eine dwars zum Kurse setzende Strömung bemerkt. Am
ersten Tage war die Luft sehr durchsichtig, so dafs die Inseln auf enorme
Distanzen gesichtet wurden. An den folgenden Tagen war Alles mehr in Grau
yehüllt. Wie mir gesagt wurde, sollen in dieser Jahreszeit die Inseln zuweilen
durch den Rauch von Buschfeuern verdeckt sein.
In Townsville ist am Südostbrechwasser eine 165 m (550 Fufs) lange, mit
Schienen belegte Landungsbrücke erbaut, an welcher bei Springzeit-Niedrigwasser
5,3 bis 5,6 m (17'/2 bis 18!/2 Fufs) Wasser stehen. Vor einiger Zeit hatte man
die Tiefe bis auf 6,6 m (22 Fufß) ausgebaggert, doch ist sie nach und nach wieder
versandet. Der Boden ist überall weicher Mudd, weshalb Schiffe von 6 m (20 Fufs)
Tiefgang ungefährdet an der Brücke liegen. Leider ist der Liegeplatz an der
1) Das Abweichen von den in den Anweisungen und Karten der hydrographischen Aemter
empfohlenen Routen durch unreine Gewässer hat immer sein Bedenken, da das Fahrwasser aufserhalb
der Route meistens nicht so surgfältig vermessen worden ist wie auf derselben, und deshalb die
Gefahr, auf eine bisher unbekannte Untiefe zu stofsen, dort grüöfßser ist. Das Gesagte gilt vor-
nehmlich für Gewässer mit Korallengrund. L. EK. D