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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900.
Die Wassertiefe weicht hier sehr ab von den Angaben der an Bord be-
findlichen Karte No. 232: „Sechuru Bay to Pacasmayo“. Auch der Grund ist
sehr verschiedenartig, doch meistens felsig. Von unserem Ankerplatze aus
lotheten wir nach NNO und SSW und fanden in dieser Lothungslinie bis zu
5 Kblg. Abstand vom Lande 30 bis 45m Wassertiefe, aber nur sehr wenig Sand-
und Muschelgrund. Der Grund ist außerdem sehr unehen, denn wir fanden in
Bootslänge Entfernung voneinander 31 und 42 m Wassertiefe. In 2 Kblg. Ent-
fernung vom Lande liegen viele Klippen, auf denen nur 9m Wasser stehen.
Die Südostbucht der Insel gewährt gute Ankerplätze, denn es steht in
ihr selten so viel Seegang, dafs das Laden dadurch behindert wird. Auch ist
hier eine 50m lange Landungsbrücke, an der der Guano verladen wird und die
Schiffsboote landen können. Die Einsegelung in diese Bucht ist sehr leicht, das
Hinauskommen jedoch schwierig, weil kein Schleppdampfer vorhanden ist und
der herrschende Wind in die Bucht hineinsteht. Man mufs entweder nach SO
hinauswarpen, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, oder man kann in nord-
westlicher Richtung durch den nur 60 m breiten und die Insel theilenden
Boecoran-Kanal segeln, welches sehr gefährlich ist.
Während unserer Anwesenheit bei der Insel verliefs die englische Bark
„River Indus“ die Südostbucht, um durch den Boecoran-Kanal nach See zu
gelangen. Sie trieb dort jedoch auf Klippen, auf denen sie vier Stunden lang
festsafßs und besonders mit dem Vordertheil heftig stiefs. Es war ein Glück,
dafs derzeit überhaupt nur schwacher Seegang lief, sonst würde das Schiff, das
mit vieler Mühe wieder abgebracht werden konnte, die Durchfahrt versperrt
haben, und diese würde für immer geschlossen gewesen sein. Das Schiff wurde
nach seiner Flottmachung jedoch glücklich hindurch und in der Nordwestbucht
zu Anker gebracht. Dieses Schiff ist das fünfte, das in der Durchfahrt an
Grund gerieth.
Die Nordwestbucht ist die einzige, die gute, für alle Zwecke dienende
Anukerplätze bietet. Man kann bequem ein- und aussegeln und liegt auf 18 bis
30 m Wassertiefe über gutem Sandgrunde allseitig geschützt. In dieser Bucht
liegen zwar die Riestra-Klippen, jedoch östlich dicht unter Land.*) Die einzige
Untiefe ist Baya del Chile, die man aber schon aus der Ferne an der Färbung
des Wassers erkennen kann.
Nach Lobos de Afuera bestimmte Schiffe sollten vom Abgangshafen so
viel Proviant und Ausrüstung aller Art mitnehmen, dafs sie nicht genöthigt
werden, auf der Insel etwas kaufen zu müssen, weil nur Reis, Bohnen und
Zucker zu haben sind, und zwar zu sehr hohen Preisen. Wasser ist oftmals
auch sehr knapp und stets theuer. Wir mufsten für die Tonne Wasser 10 Soles
= 20 Mk. bezahlen. Erfrischungen, Wasser und Vieh bringt ein kleiner Dampfer,
der die Verbindung der Insel mit dem Festlande unterhält, von Pacasmayo. Für
Fleisch, das drei bis vier Mal in der Woche zu haben ist, bezahlten wir 1 Mk.
das Kilogramm. Gemüse ist fast nicht zu haben, und Kartoffeln kosteten 24
bis 28 Mk. der Sack von 90 kg.
Die Insel ist der Sitz eines Hafenmeisters, der zugleich die Zoll- und
Gesundheitsbehörden vertritt. Es wohnen hier ferner ein Inspektor der peru-
anischen Gesellschaft und die Vertreter der Firma W. R. Grace & Co., die
als. Kontrahent der Gesellschaft den Guano bearbeitet und verschifft. Dieser
Firma gehört auch der bereits erwähnte kleine Dampfer, und von ihr sind die
auf der Insel anwesenden 300 Arbeiter und Fischer, die gröfstentheils auch von
ihr verpflegt werden, abhängig.
Im Anschluß an diesen Bericht dürfte es von Werth sein, eine kurz-
gefalste Ergänzung desselben nach englischen Berichten folgen zu lassen,
Lobos de Afuera ist eine kleine Inselgruppe, die in nördlicher Richtung
etwa 21/2 Sm lang, 30m hoch und von bräunlich weilser Färbung ist. Die
Gruppe hesteht aus zwei Hauptinseln, die durch eine etwa 36m breite und
1) Nach der britischen Admiralitäts-Karte No. 1335, Suuth America, West Coast Sheet XVI,
Peru, Chicama River to Port Paita, Plan von Lobos de Afuera nach französischen Vermessungen
vom Jahre 1874, liegt die allerdings mit P. D. bezeichnete Riestra- Klippe recht in der Mitte der
Bucht, gerade in der Linie zwischen den Nordenden beider Hauptinseln.