Die Guano-Insel Lobos de Afuera,
als wir uns etwa in 3 Sm Entfernung vom Ankerplatze befanden, kam ’ein Boot
längsseits, in welchem sich ein Italiener-befand, der sich als Lootse vorstellte
und für die Einbringung des Schiffes. 20 $ — 40 Mk. verlangte. Wir hatten die
Bestimmung, an der Westseite der Insel zu laden, und ankerten daselbst um
31!/a Uhr unter Lootsenführung auf 40 m Wassertiefe und felsigem Grunde 4 Kblg.
vom Lände und 2 Kblg. von der äußersten Klippe entfernt, La Cruz in Nord-
ostpeilung. ;
Am nächsten Morgen erhielten wir ‚einen Vertäu-Leichter und vertäuten
damit das Schiff, indem wir vorne beide Anker mit je 75 Faden Kette aus-
brachten und hinten den 750 kg schweren Stromanker mit 60 Faden Vertäu-
kette, auf der zwei 4'!/2zöllige 30 Faden lange Stahltrossen geschäckelt wurden,
von denen je eine an beiden Seiten des Hinterschiffes befestigt wurde.
Es wurde dann noch an demselben Tage begonnen, Ballast über Bord zu
werfen; als wir aber bis zum nächsten Vormittage etwa 30 Tons davon gelöscht
hatten, fing das Schiff so heftig an zu rollen, dafs wir von den noch an Bord
befindlichen 450 Tons nichts mehr löschen konnten, sondern versuchen mufßsten,
erst Ladung zu nehmen.
Am 23. März wurde mit dem Uebernehmen von Ladung begonnen, doch
war es wegen des heftigen Rollens nicht möglich, mehr als 30 bis 40 'Lons
täglich zu nehmen. Das heftige Rollen des Schiffes hielt während unseres ganzen
Aufenthaltes daselbst, vom 19. März bis zum 6. Mai, an, freilich noch mit Unter-
schieden. Das Schiff lag mit dem Kopfe nach SSW vertäut, aus welcher Richtung
der gewöhnliche Seegang lief, doch hatten wir vom 4. bis 6. April hohe Dünung
aus SSO bei dichtem Nebel, worauf hohe: Roller aus SW folgten, die bis zum
8; April anhielten. Während dieser ganzen Zeit war das Uebernehmen von
Ladung ganz undenkbar.
Die Strömung auf dem Ankerplatze war sehr unregelmäfsig. So lange am
Tage frischer Passat wehte, lief der Strom mit 2 Sm Geschwindigkeit nach N;
wenn aber Windstille herrschte, lief er mit 3 bis 4 Sm Geschwindigkeit nach S
bis SSW. Auch wenn am Tage frischer Passat geherrscht hatte, setzte an
manchen Abenden gegen 6 Uhr starke südliche bis südsüdwestliche Strömung
ein, die bis zum folgenden Morgen gexen 9 Uhr anhielt. Infolge dieses Stromes
schlingerte das Schiff oft so heftig, dafs kaum Ladung übergenommen: werden
konnte und das ganze Schiff erzitterte, wenn die Ankerketten über Klippen hin-
wegschleiften.
- Am 24. März verloren wir wegen dieses Stromes die ganze Achterver-
täuung. Darauf wurde vom Verlader eine ziemlich grofse Vertäutonne ausgelegt,
an der wir unsere Stahltrossen befestigten, doch beim Einsetzen der schweren
Roller anfangs April brach auch die Tonnenkette. Wir erhielten dann einen
350 kg schweren Anker vom Lande, in den wir 30 Faden von unserer Ankerkette
schäckelten und auf dieser von jeder Schiffsseite aus die Bucht einer 4'/2zölligen
Stahltrosse befestigten. Dann wurde von der Vertäuung so viel eingewunden,
dafs die Kette frei vom Grunde kam. In dieser Weise wurde das Schiff ohne
weiteren Unfall gehalten bis zum Abgange, obwohl der hintere Anker gelegent-
lich etwas mitging.
Die „Edith“ war das erste Schiff, das hier Ladung nahm, und der Ab-
lader zeigte ein grofses Interesse, uns sobald wie möglich abzufertigen. Sobald
nur günstige Gelegenheit zur Uebernahme von Ladung vorhanden war, sandte er
so viel Leute an Bord, dafs gleichzeitig mit zwei Gängen Ladung übergenommen
und getrimmt werden konnte. Es wurde dann auch an Sonn- und Festtagen ge-
arbeitet,
Der hier zur Verladung kommende Guano riecht so sehr, dafs ‚die Leute
es beim Trimmen und Stauen ohne Unterbrechung höchstens !/2 Stunde lang. im
Raume. aushalten können. Es liegen noch 20000 Tons Guano zur Verschiffung
an der Westseite der Insel, doch sollte dieser Platz nur vom Oktober bis März
besucht werden, weil es möglich erscheint, dafs Schiffe dann ohne viel Zeitver-
lust und mit weniger Mühe beladen werden können. ;
Das Landen mit Booten ist an der Westseite der Insel recht gefährlich
und nur bei ruhigem Wetter ausführbar. Gewöhnlich mul man nach. der Nord-
westbucht fahren zu diesem Zwecke und dann den Weg quer über die Insel zu
Fufßfs zurückmachen, weil der Ablader: an der Südwestseite der Insel wohnt.
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