110 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1900.
Der Ballast wird auf kleinen auf Schienen laufenden Wagen von 3'/s t Fassung
fortgebracht, welches 1 Mark die Tonne kostet. Das Löschen des Ballastes und
das Laden an der Brücke geht langsam, weil die Transportvorrichtungen unge-
nügend sind; das Laden auf dem Ankerplatze mittelst Leichter geht schneller.
Die Leichterkosten trug der Ablader. Die gesammten Unkosten für den „Philip
Nelson“ betrugen 1100 Mark.
Stadt und Handelsverkehr siehe „Ann. d. Hydr.“ 1897.
Schiffsausrüstung. Aufßer Früchten, die in vielen Arten und reichlich
vorkommen, giebt es an Proviant regelmäfsig eigentlich nur Bohnen und Reis
sowie Eier und Hühner, : alles Uebrige ist von auswärts zu beschaffen und sehr
theuer. Die Wasserversorgung ist ebenfalls sehr mangelhaft. Es sind einige
Brunnen vorhanden, die aber kein gutes Wasser liefern; man sammelt deshalb
während der Regenzeit das Regenwasser. „Philip Nelson“ bekam seinen Bedarf
an Wasser kostenlos von dem Schleppdampfer,
Auskünfte für den Schiffsverkehr. Das Kaiserliche Konsulat befindet
sich in der Stadt San Salvador. Vorrichtungen im Interesse des Schiffsverkehrs
giebt es überhaupt nicht.
Kapt. Niemann macht ferner noch folgende Bemerkungen:
Der Segelanweisung des Kommandanten H. E. Nichols vom Vereinigten
Staaten-Schiffe „Bennington“ stimme ich in allen Punkten bei, doch erscheint es
meiner Ansicht nach nicht nöthig, dafs man erst ein Boot nach El Triunfo
schickt und einen Lootsen von dort holt, um über die Barre zu gelangen. Nach-
dem wir uns am 21. Mai 1899 den ganzen Vormittag aufserhalb der Barre mit
der wehenden Lootsenflagge aufgehalten hatten, ging ich um 12'/2* mittags selbst
nach oben und sah von der Marsraa aus, dafs die Lempa-Bänke sich sehr deut-
lich im Wasser abhoben. Auf den ganz flachen Stellen brandete die See all-
gemein, auf den etwas tiefer liegenden Stellen hatte das Wasser eine gelbliche
Färbung, und auch der Seegang war eigenartig, während das tiefe Wasser auf
der Barre fast die Farbe des Seewassers außerhalb der Barre hatte. Da ich im
Besitze der vom Hydrographischen Amte in Washington herausgegebenen Special-
karte No. 1677 war, so segelte ich ohne Lootsen ein, das Schiff von oben lootsend.
Da ich meinen Kurs nach dem Aussehen des Wassers nahm, so habe ich auf
Landpeilungen nicht so geachtet, um solche als Anweisungen geben zu können,
doch scheint mir das Fahrwasser über die Barre noch etwas östlicher von der
Mitte des Bogens der Lempa-Bänke zu liegen, als die Karte angiebt. Es war
zwei Stunden nach Hochwasser, als ich die Barre mit mw. NNW-Kurs kreuzte;
innerhalb derselben steuerte ich N!/2W, bis die Huk San Sebastian UzN peilte,
und von hier an richtete ich mich nur nach der Karte, kam aber dabei zwischen
den Inseln Recodo und Tortuga mal an Grund, weil ich den stark nach Steuer-
hord versetzenden Ebbstrom nicht genügend kannte.
Es wird beabsichtigt, die Barre zu betonnen. Hölzerne Mastbojen lagen
zu diesem Zwecke bereits fertig am Lande, doch fragt es sich, wann, wie und
von wem sie ausgelegt werden sollen.
Die Guano-Insel Lobos de Afuera,
Nach Bericht von Kapt. €. SCHULZ, Bark „Edith“, nebst Ergänzung aus englischen Quellen,
Ueber diese vor der Küste von Peru auf der Breite des Hafenplatzes
Eten, aber 50 Sm westlich davon, im Mittel anf 6° 57‘ S-Br und 80° 42’ W-Lg
liegende Insel, von der Guano verschifft wird, berichtet Kapt. C. Schulz von
der Hamburger Bark „Edith“ das Folgende:
Wir verliefsen am 15. März 1899 die Rhede von Callao, um nach der
Jusel Lobos de Afuera zu segeln und dort eine nach Antwerpen bestimmte Ladung
Guano einzunehmen. Mit leichten südlichen bis südsüdöstlichen Winden und
nordnordwestlicher Strömung gelangten wir bis zum 19. März nach der genannten
Insel, die wir .bei ganz leichtem Winde und diesiger Luft um 10 Uhr morgens
in mw. Nordpeilung und 10 Sm Abstand erblickten. Gegen 21/2 Uhr nachmittags,