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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

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Annalen der Hydrographie und ‘:Maritimen Meteorologie, März 1900, 
arbeite so, dafs man mit dem Beginne der Seebriese nach der Rhede steuern 
kann, wo man ankert oder noch besser gleich vertäut, um sich der Gefahr des 
Abtreibens nicht zu sehr auszusetzen. Vor einem Anker liegend, wird man stets 
unklaren Anker haben wegen der so sehr veränderlichen Strömung auf der Rhede, 
und daher leicht abtreiben. 
Der Verkehr zwischen den Schiffen und dem Lande kann gewöhnlich mit 
den Schiffsbooten gut aufrecht erhalten werden, doch an Brandungstagen muß 
man beim Landen an der Landungsbrücke sehr vorsichtig sein. Wenn man dann 
nicht dringend am Lande zu thun hat, so bleibe man lieber an Bord. 
Kapt. J. Grube, Führer der Bark „Charlotte“, berichtet darüber: 
In Santa Rosalia, wo wir von Mitte April bis Ende Mai 1898 verweilten, 
ging das Löschen ziemlich rasch von statten, obgleich anfänglich vier grofse 
Schiffe mit Löschen von Kohlen und Coke beschäftigt waren. Die Ladung wird 
mit Leichtern an Land gebracht. 
Kleine Dampfbarkassen vermitteln den Transport der Leichter vom Lande 
nach den Schiffen und zurück, 
Man liegt !/a Sm vom Lande auf 18 bis 27m (10 bis 15 Faden) vor 
Anker. Die Küste fällt steil ab; eine Meile vom Lande sind schon 70 bis 
125 m ‘(40 bis 70 Faden) Wasser. Mit stürmischen Westwinden trieben die 
Schiffe leicht ab, was auch uns einmal passirte, obgleich wir bis 80 Faden Kette 
steckten. Besagte 80 Faden hingen bald auf und nieder vor der Klüse, und es 
war eine harte Arbeit, die bald einen Tag in Anspruch nahm, den Anker wieder 
aufzubringen. 
Brandungstage haben wir während unseres Dortseins keine gebabt. In 
der Osterwoche, acht Tage vor unserer Ankunft, waren noch drei hintereinander 
vorgekommen. Die Witterung war sehr verschieden; zeitweilig herrschte für 
eine Woche vollständige Windstille, dann wehte für einige Tage wieder nord- 
westlicher Wind. Abends holte der Wind gewöhnlich südlich, worauf nachts eine 
leichte Landbriese folgte. Als wir wegtrieben, hielt der Westwind, stürmisch 
wehend, 20 Stunden an, so dafs die Schiffe, welche ihren Platz hielten, genöthigt 
waren, vor zwei Anker zu legen. Eine amerikanische Bark war ebenfalls abge- 
trieben. Durchstehender Südostwind setzte erst ein, als wir segelfertig waren. 
Der Umstand nöthigte uns, auch den Weg den Golf hinunter kreuzend zurück- 
zulegen. Es wehte oftmals frisch aus SO; Landbriese kam fast nie durch, 
im Gegentheil war der Wind nachts auch an der Halbinselküste oft östlicher 
wie am Tage. Wir verliefsen Santa Rosalia am 26. Mai und gebrauchten volle 
zehn Tage, bis wir die Höhe von Kap San Lucas erreichten. 
Schiffe, welche nach Santa Rosalia Kohlen oder Coke bringen, sollten mit 
starken und leichten, aber auch nicht zu kleinen Rotang-Körben ausgerüstet sein. 
Ich möchte ferner noch darauf aufmerksam machen, dafs im neuen „Segelhandbuch 
des Stillen Ozeans“ auf Seite 125 die Lage von Santa Rosalia falsch angegeben ist. 
Die richtige Lage der Landungsbrücke ist nach amerikanischen und englischen 
Specialkarten 27° 21‘N und 112° 17' W. Das jetzige Santa Rosalia hiefs früher 
Purgatorio. Hier sind die Schmelzwerke, und hier löschen die Schiffe ihre Ladungen. 
Das frühere alte Santa Rosalia liegt ungefähr 2 bis 3 Sm weiter nördlich. Von 
ihm sind nur noch die Ruinen vorhanden, welche zur Aufbewahrung von Dynamit 
benutzt werden. Das gewonnene Kupfer, welches noch vor wenigen Jahren viel- 
fach mit Segelschiffen nach Europa befördert wurde, nimmt jetzt ausnahmslos 
den Landweg über Guaymas nach New Orleans und wird dort nach Europa ver- 
schifft; denn weil viele Segelschiffe mit der schweren, unbequemen Ladung Havarie 
gehabt hatten oder ganz verschollen waren, war die Versicherungsprämie der- 
mafsen hoch gestiegen, dafs jetzt ganz davon abgesehen wird, Kupfer auf dem 
Wege rund Kap Horn zu verschiffen. 
Die Rostocker Bark „Henny Clement“, welche drei Tage vor unserer 
Abfahrt von Antwerpen von Cuxhaven die Reise angetreten hatte, war bei unserem 
Abgange von Santa Rosalia dort noch nicht angekommen.
	        
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